Trotz Arbeitsmarktbooms: Hartz-IV-Bezieher immer länger arbeitslos

Trotz Arbeitsmarktbooms: Hartz-IV-Bezieher immer länger arbeitslos
Trotz "Job-Boom" und "Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit" sind Hunderttausende auf Dauer arbeitslos und brauchen Hartz IV. In den vergangenen Jahren sind die Betroffenen immer länger arbeitslos geblieben. Mehrere Hemmnisse erschweren die Vermittlung.

Deutschland erlebe ungebremsten Job-Boom, die Nachfrage nach Arbeitskräften befinde sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau, hieß es neulich von der Bundesagentur für Arbeit (BA). Von der anhaltend guten Konjunktur würden inzwischen auch immer mehr Langzeitarbeitslose profitieren. Nun aber zeigt die neueste Statistik der Bundesagentur, dass Hartz-IV-Empfänger ohne Job in den vergangenen Jahren im Schnitt immer länger arbeitslos geblieben sind. Waren im Jahr 2011 Menschen, die Grundsicherung beziehen mussten, im Schnitt 555 Tage ohne Arbeit, sind es im Jahr 2016 schon 629 Tage gewesen.

Für die Linke sei dies eine logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands

Länger als drei Jahre arbeitslos waren im Jahr 2011 rund 298.000 Menschen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen waren. 2017 stieg diese Zahl auf rund 317.000 Menschen. Auf diese Zahlen der Bundesagentur machte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, aufmerksam. "Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands", sagte Zimmermann. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden, so die Linkenpolitikerin.

Plakat gegen Billigjobs in Hamburg, Deutschland, 3. Januar 2005.

Länger als drei Jahre arbeitslos waren im Jahr 2011 rund 298.000 Hartz-IV-Bezieher. Bis 2017 stieg diese Zahl auf rund 317.000 Menschen. "Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen", sagte ein BA-Sprecher.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die weniger als zwei Jahren ohne Job waren, sank im selben Zeitraum allerdings um fast 100.000. Sie gelten als etwas marktnäher, haben also größere Chancen auf dem boomendem Jobmarkt. Die Zahl aller Langzeitarbeitslosen sank seither um 114.000 auf 809.000 Menschen im Jahresdurchschnitt 2017.

Mehrere Hemmnisse kommen laut BA zusammen und erschweren eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt

Als Langzeitarbeitslose gelten offiziell alle, die länger als ein Jahr ohne Job sind. Es gibt rund sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, viele haben noch einen Minijob. Derzeit liegt der Regelsatz für einen Alleinstehenden bei 416 Euro im Monat. Für eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft machen die Leistungen der Grundsicherung im Schnitt 954 Euro aus.

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Aus Sicht der Bundesagentur ist ein Anstieg der Dauer von Arbeitslosigkeit bei Grundsicherungsbeziehern bei der insgesamt geringen Arbeitslosigkeit nicht überraschend. Denn bei den Betroffenen kämen oft mehrere Hemmnisse zusammen, die eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt erschweren. Zimmermann meinte, die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Empfänger habe in den vergangenen Jahren zugenommen. "Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung Millionen Menschen aufs Abstellgleis schiebt und sie ihrem Schicksal überlässt." Es müsse dringend erheblich mehr Geld für Unterstützungsleistungen zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt bekräftigte Zimmermann die Position der Linken, nach der Hartz IV abgeschafft werden und durch eine sanktionsfreie existenzsichernde Mindestsicherung ersetzt werden solle.

(rt deutsch/dpa)

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