Trotz Aufenthaltserlaubnis für Deutschland: Syrer reisen wegen Familie illegal in die Türkei zurück

Trotz Aufenthaltserlaubnis für Deutschland: Syrer reisen wegen Familie illegal in die Türkei zurück
Griechisch-türkische Grenze in der Nähe der Stadt Orestiada: Laut einem Medienbericht verlassen anerkannte syrische Flüchtlinge mangels Aussicht auf Familiennachzug zunehmend Deutschland. Sie kehren dann illegal in die Türkei zurück.
Obwohl sie mit gültigem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben und bleiben könnten, verlassen syrische Flüchtlinge zunehmend die Bundesrepublik. Grund ist die erschwerte Familienzusammenführung. Für den Weg zurück in die Türkei bezahlen sie auch Schlepper.

Ihr Aufenthalt in Deutschland ist geregelt, aber weil sie ihre Familien nicht nachholen können, entscheiden sich syrische Flüchtlinge offenbar zunehmend dafür, in die Türkei zurückzukehren. Da sie aber kein Visum für dieses Land besitzen, überqueren sie illegal und auf zum Teil riskanten Routen die türkische Grenze. Dies hätten Recherchen des ARD-Politikmagazins Panorama und des Funk-Reporterformats STRG_F ergeben. Oftmals nützten die Flüchtlinge dafür auch die Hilfe von Schleusern. Als Grund für ihre Entscheidung nannten sie gegenüber den Reportern die erschwerte Familienzusammenführung.

EU: Teen-Flüchtlinge haben Recht auf Familiennachzug - Deutschland verstößt wohl gegen EU-Recht

Laut dem Bericht soll es in sozialen Netzwerken wie Facebook bereits Gruppen geben, in denen die Menschen Informationen über Preise und Schleuser austauschen würden. So soll eine der Rückkehr-Routen über den Fluss Evros gehen, der Griechenland von der Türkei trennt, und rund 200 Euro kosten.

Zuerst mit dem Flugzeug legal nach Griechenland und dann illegal über die türkische Grenze

Laut dem Bericht würden die Syrer, die in Deutschland anerkannte Flüchtlinge seien und sich somit legal innerhalb der Europäischen Union bewegen können, beispielsweise mit dem Flugzeug nach Griechenland reisen. Von dort würden die Schleuser dann die Menschen mit Booten über den Grenzfluss in die Türkei bringen. In dem Beitrag, der Donnerstagabend im Ersten ausgestrahlt wurde, kommen auch Schlepper zu Wort. So gibt ein Schleuser im Bericht an, täglich bis zu 50 Flüchtlinge zurück in die Türkei zu bringen, hauptsächlich Syrer. Ein anderer sagte, er bringe mehr Flüchtlinge zurück als er aus der Türkei nach Europa schleuse. 

Der Repräsentant des UN-Flüchtlingskommissariats in Deutschland, Dominik Bartsch, sagte Panorama, er habe von solchen Einzelfällen gehört, könne sie aber nicht quantifizieren. Sie zeigten, dass Deutschland dem hohen Schutzwert der Familie nicht gerecht werde. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und das Innenministerium haben dem Bericht zufolge praktisch keine Erkenntnisse darüber, weil Ausländer mit gültigem Aufenthaltstitel ins europäische Ausland reisen dürfen und das nicht erfasst wird.

Innenminister Seehofer: "Sollen wir jetzt an der Grenze die Ausreise kontrollieren?"

Der Innenminister Horst Seehofer (CSU) soll laut dem Bericht auf die Frage, ob Deutschland sich dafür engagieren solle, den syrischen Menschen einen legalen Weg in die Türkei zu eröffnen, gesagt haben:

Wenn sich Menschen anders entscheiden? Wir sind ein freies Land. Gottseidank ist Europa eine Region der Freiheit. Sollen wir jetzt an der Grenze die Ausreise kontrollieren?

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Luise Amtsberg, sagte, die Fälle seien auch im Hinblick auf das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei heikel:

Wir haben eine Vereinbarung mit der Türkei, die sagt, dass wir geflüchtete Menschen aufnehmen, um die Türkei zu entlasten, und auf der anderen Seite gehen subsidiär schutzberechtigte Menschen aus Deutschland zurück in die Türkei, um zu ihren Familien zu kommen. Das ist absurd.

Mehr zum ThemaFamiliennachzug: CSU droht den Sozialdemokraten mit Ende der Koalition

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen