Dobrindt heizt Debatte weiter an: "Islam soll für Deutschland kulturell nicht prägend werden"

Dobrindt heizt Debatte weiter an: "Islam soll für Deutschland kulturell nicht prägend werden"
Der CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt
In die Debatte um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, mischt sich nun auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ein und verschärft die Tonlage. Laut ihm sei der Islam für Deutschland nicht prägend und solle es auch nicht werden.

Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe verschärfte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in der Islam-Debatte nochmals den Ton. Die Weltreligion, der global mehr als 1,7 Milliarden Menschen angehören, sei für Deutschland "kulturell nicht prägend und er soll es auch nicht werden".

Für Dobrindt ist der Islam mit dem "christlich-jüdischen Erbe" Deutschlands nicht vereinbar. Der CSU-Politiker erklärte, der Islam habe "keine kulturellen Wurzeln in Deutschland und mit der Scharia als Rechtsordnung nichts gemeinsam mit unserem christlich-jüdischen Erbe".

Dobrindt: "Islam gehört in keiner Form zu Deutschland"

Archivbild.

Islamforscher wie Bassam Tibi verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass es den einen Islam nicht gebe und betonen die Vielfalt dieser Religion, die in 57 Ländern von einer Mehrheit der Bevölkerung praktiziert werde. Hierauf hatte Dobrindt jedoch bereits vor einigen Tagen die für ihn passende Antwort:

Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland", erklärte er am 20. März in Berlin.

Nun legte der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag nach und argumentierte:

Unsere Vorstellungen von Toleranz und Nächstenliebe, von Freiheit, von Leistungs- und Chancengerechtigkeit finden sich so in der islamischen Welt nicht wieder.

Nicht die Verheißungen des Wohlstands, sondern die vermeintlichen westlichen Errungenschaften seien "der Grund, warum so viele Menschen bei uns leben wollen". Dem Islam fehle ebenso das, was für das Christentum die Aufklärung gewesen sei – mit all ihren positiven Rückwirkungen auf Glauben, Recht und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Kein islamisches Land auf der ganzen Welt hat eine vergleichbare demokratische Kultur entwickelt wie wir sie in christlichen Ländern kennen", analysiert Dobrindt.

Dennoch seien integrationswillige Muslime in Deutschland willkommen:

Muslime, die sich in unsere Gesellschaft integrieren wollen, sind Teil unseres Landes, aber der Islam gehört nicht zu Deutschland", so Dobrindt weiter.

Mehr zum Thema - Studie: Islam wird bis Ende des Jahrhunderts zur populärsten Religion

Ex-Bundespräsident Wulff stieß 2010 auf breiter Ebene Islam-Debatte an

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble äußert sich in der Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehöre, mit klaren Worten.

Im Gegensatz zum CSU-Politiker hatte der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble bereits vor einigen Jahren mehrmals die Ansicht geäußert:

Der Islam ist inzwischen ein Teil Deutschlands.

Doch erst die Rede des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 brachte - parallel zu den kontroversen Thesen des Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin - die Islam-Debatte in Deutschland ins Rollen.

"Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", zeigte sich Wulff damals überzeugt. Womöglich ungewollt hatte Wulff die Begriffe "Judentum" und "Christentum" offensichtlich im Sinne einer kulturellen Prägung verwendet. Die Schlussfolgerung: Auch dem Islam stehe diese Prägung zu. Doch nicht nur hier scheiden sich die Geister.

"Christlich-jüdisches Erbe" in Anbetracht der Geschichte eine Mogelpackung?

Unter anderem mag die jüdische Philosophin Almut Bruckstein Coruh derweil auch nicht von einem "christlich-jüdischen Erbe" Deutschlands sprechen. Sie hält diese Begrifflichkeit angesichts der deutschen Geschichte für eine "posttraumatische Konstruktion" und argumentiert, dass der Islam heute in Deutschland angeklagt werde wie noch vor hundert Jahren das rabbinische Judentum.

Ihr zufolge habe der jüdisch-christliche Dialog in Deutschland erst nach 1945 begonnen. Zuvor hätten die Trennlinien dieses Dialogs ziemlich genau jenen zwischen dem vermeintlich "christlichen" und "muslimischen" Weltbild in der heutigen Zeit entsprochen.

"Es stockt einem der Atem bei so viel Geschichtsvergessenheit", meint Bruckstein Coruh und verweist auf Moses Maimonides, einen der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters, dessen Reflexionen stark von der islamischen Philosophie geprägt waren.

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