Amokfahrt von Münster: Politiker gedenken vor Ort der Opfer

Amokfahrt von Münster: Politiker gedenken vor Ort der Opfer
Rettungskräfte am Sonnabend in Münster
Horst Seehofer und Armin Laschet haben in Münster der Opfer gedacht. Die Polizei sucht nach der Amokfahrt nicht nach weiteren Tätern. Es gebe keine Hinweise, dass noch weitere Verdächtige an dem Verbrechen beteiligt waren - man gehe von der Tat eines Einzeltäters aus.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) haben der Opfer der Amokfahrt von Münster gedacht. Der Samstag sei "ein schrecklicher, ein trauriger Tag für die Menschen in Münster" gewesen, aber auch für ganz Nordrhein-Westfalen und Deutschland, sagte Laschet am Sonntag in der Nähe des Tatorts. Die Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzten, die teils noch um ihr Leben ringen.

Seehofer sprach von einem "feigen und brutalen Verbrechen". Er sei nach Münster gekommen, um Solidarität und Anteilnahme der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen, "insbesondere der Bundeskanzlerin". Er dankte Polizei, Sicherheits- und Rettungskräften, die "absolut professionell" gearbeitet hätten. Auch die Medien lobte der Minister für ihr besonnenes Vorgehen bei der Berichterstattung.

"Völlige Sicherheit nicht möglich"

Eine völlige Sicherheit sei nicht möglich, doch man müsse alles versuchen, "um solche Verbrechen, die man gar nicht für möglich halten möchte, in der Zukunft weiter zu mindern oder vielleicht sogar zu verhindern", sagte Seehofer. Es gebe starke Hinweise auf einen Einzeltäter und darauf, dass es keinen Bezug zur "Terrorszene" gebe, aber es werde in alle Richtungen ermittelt.

Laschet lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner nach der Tat. Es würde sich wünschen, dass "diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedenstadt" auch diejenigen erreicht hätte, die "ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben." Für die Opfer sei die Religion der Täter egal, sie hätten einen Menschen verloren. "Und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben."

Polizei sucht Einzeltäter

Nach der Amokfahrt von Münster war die Polizei zunächst Zeugenaussagen nachgegangen, wonach noch zwei Menschen aus dem Auto gesprungen und geflüchtet sein sollten. Nun gehe man von einem Einzeltäter aus. Die Ermittler suchen aber weiter nach Motiv und Hintergründen für die Tat mit drei Toten und mehr als 20 Verletzten. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei in Münster hieß am frühen Sonntagmorgen:

Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt.

Klar ist bisher nur, dass am Samstag um 15.27 Uhr ein Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gesteuert und sich danach im Wagen erschossen hatte. Einige der Verletzten seien in Lebensgefahr, teilten die Behörden mit.

"Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster", erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt.

Kein islamistischer Hintergrund

Nach Informationen von FAZ.NET stammt der Täter aus Olsberg im Sauerland. Er habe schon lange in Münster nahe des Tatorts gelebt.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Samstagabend gesagt: "Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt."

Nach dpa-Informationen handelte es sich womöglich um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Am Vormittag werden Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Münster erwartet. Möglicherweise werden beide mit weiteren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gehen.

Todesopfer identifiziert

Die Polizei identifizierte inzwischen die beiden Todesopfer. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken.

Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers im Gegensatz zu anderslautenden Gerüchten keine brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten nur eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Spezialisten hätten aus Sicherheitsgründen die Wohnungstür aufgesprengt, bevor die Beamten die Räume hätten untersuchen können. Am Samstagabend waren in Münster wiederholt Explosionsgeräusche zu hören gewesen.

Ein Aktivist wendet sich auf einer New Yorker Kundgebung gegen den weißen Nationalismus ultrarechter Gruppierungen

Auch unmittelbar nach der Amokfahrt hatten sich die Einsatzkräfte dem Campingbus mit großer Vorsicht genähert, da Beamte Drähte sahen, die ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten.

Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hätten dann das Fahrzeug auf mögliche Gefahren ausgiebig untersucht und letztlich Entwarnung gegeben, hieß es weiter. Ermittler hätten im Wagen die Waffe, mit der sich der Täter erschossen habe, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper gefunden.

Polizei sucht Hinweise

Die Polizei lobte das besonnene Verhalten der Menschen. "Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen", erklärte der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer. "Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen."

Das Bundeskriminalamt richtete im Internet für Zeugen ein Hinweisportal ein: Unter der Adresse www.bka-hinweisportal.de könnten Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen viele Hinweise ein.

"Allein die Tatortaufnahme wird viel Zeit in Anspruch nehmen", erklärte Fischer zum Stand der Untersuchungen. "Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen." Auch am Sonntag sei deshalb mit Behinderungen in Münsters Innenstadt zu rechnen.

Gottesdienst am Abend

Die Spurensuche am Tatort dauerte in der Nacht an. Leichen wurden dort erst im Dunklen abgeholt. Polizisten sperrten den Bereich weiter großräumig ab.

Die beschauliche Universitätsstadt Münster stand unter Schock. Spontan versammelten sich Bürger, um gemeinsam zu trauern. Im Paulus-Dom in Münster gibt es am Sonntagabend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, den Bischof Felix Genn leiten will.

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(rt deutsch / dpa)

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