Foodwatch: Coca-Cola macht die Gesellschaft kränker

Foodwatch: Coca-Cola macht die Gesellschaft kränker
Französische Farmer bringen 1992 zum Ausdruck, was sie von einem Freihandelsabkommen mit den USA halten.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Coca-Cola für die Vermarktung zuckerhaltiger Getränke heftig kritisiert. Die Firma fördere auch in Deutschland die Zunahme von Krankheiten. Foodwatch fordert eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat Coca-Cola für die Vermarktung zuckerhaltiger Getränke heftig kritisiert. Der Weltmarktführer bei Limonaden trage auch in Deutschland eine "entscheidende Mitverantwortung" für die Zunahme von Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes, teilte Foodwatch am Mittwoch mit. Der Verein forderte die Bundesregierung auf, eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke einzuführen. Eine solche Abgabe gilt von diesem Freitag an in Großbritannien. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) warnte vor "einfach klingenden Lösungen" und will eine "Gesamtstrategie" zum Reduzieren von Fett, Zucker und Salz angehen.

Der US-Konzern wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Übergewicht ist ein komplexes Phänomen. Einfache Antworten sind verlockend, aber sie lösen das Problem nicht", sagte Patrick Kammerer, Mitglied der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland. Man dürfe sich nicht nur auf ein Lebensmittel und einen Inhaltsstoff konzentrieren.

Coca-Cola wird als "flüssiger Krankmacher" identifiziert – und ist Meister der Täuschung

Coca-Cola-Truck-Tour trifft auf Widerstand in Großbritannien (Archivbild: Leipzig, Dezember 2016)

Foodwatch beleuchtet in einem 100-seitigen Bericht das Geschäft von Coca-Cola. Der Getränkeproduzent verstehe es "wie kaum ein anderer Konzern, ein positives Image zu kreieren, auch und gerade bei jungen Menschen", sagte der Autor des Reports, Oliver Huizinga, in Berlin. Dabei seien die Zuckergetränke von Coca-Cola "flüssige Krankmacher". Fußballstars im Fernsehen und populäre Videodarsteller im Internet-Kanal YouTube sprächen besonders Kinder und Jugendliche an.

Coca-Cola entgegnete, man investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker. Man werbe zudem nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Diese Selbstverpflichtung werde regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft.

Nach Angaben von Foodwatch zeigen 80 Prozent der unabhängig finanzierten Studien einen Zusammenhang von Übergewicht und dem Konsum von Zuckergetränken. Dagegen kämen 80 Prozent der von der Lebensmittelindustrie bezahlten Untersuchungen zu einem gegenteiligen Ergebnis. Coca-Cola versuche zudem, durch Lobbyarbeit Werbeverbote und Sondersteuern zu torpedieren.

Die deutsche Politik zögert mit Maßnahmen wie in England

Klöckner sagte mit Blick auf Forderungen nach einer Zucker-Abgabe: "Es klingt einfach und verlockend, eine zusätzliche Steuer für Fertigprodukte in unserem Land zu erheben." Die Praxis folge aber nicht immer der Theorie. "Es mag zwar sein, dass der Zuckergehalt in manchen Produkten sinkt. Das gilt aber nicht automatisch für den Gesamtkaloriengehalt." Im Fokus solle daher die gesamte Lebens-und Ernährungsweise stehen. Fast wortgleich wie der Coca-Cola-Lobbyist Kammerer wehrt sich Klöckner gegen die Thematisierung "einzelner Nährstoffe". Sie setze zudem auf Ernährungsbildung über gesundes Essen, um ein besseres Verständnis für Lebensmittel und deren Wirkung zu schaffen.

Coca-Cola-Manager Kammerer wies darauf hin, dass der Konzern den Zuckergehalt bereits reduziere. In Europa werde er bis zum Jahr 2020 durchschnittlich um 10 Prozent verringert. "Für jedes klassische Erfrischungsgetränk bieten wir schon seit Jahren mindestens eine Variante ganz ohne Zucker an", ergänzte er. Ziel sei es, "dass wir bis 2025 die Hälfte unseres Absatzes mit Getränken ganz ohne Zucker oder mit weniger Zucker erzielen".

(rt deutsch / dpa)

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