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Bereits drei Todesfälle: Tierische Krankheitserreger doch für Menschen gefährlich

Bereits drei Todesfälle: Tierische Krankheitserreger doch für Menschen gefährlich
Forscher entdeckten dank spezieller Analysemethoden bei verstorbenen Patienten das klassische, etwa von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus. Auf welchem Wege der Erreger in den menschlichen Körper gelangt, ist noch unklar.
Drei Patienten in Deutschland sind an den Folgen einer Viruserkrankung gestorben, die bisher nur bei Tieren beobachtet wurde. Die Betroffenen hatten eine Gehirnentzündung, die wohl durch das Bornavirus ausgelöst wurde. Der Weg in den menschlichen Organismus ist unklar.

Als tierischer Krankheitserreger ist es schon lange bekannt - das Bornavirus. In Deutschland vermehrt sich der Erreger in Feldmäusen und wird von ihnen ausgeschieden. Generell tritt das Virus selten auf, in abgegrenzten Gebieten in Ost- und Süddeutschland sowie Teilen Österreichs, Liechtensteins und der Schweiz. Benannt ist es nach dem sächsischen Ort Borna, etwa 30 Kilometer südlich von Leipzig. Im Falle einer Infektion können Gehirnentzündungen auftreten. Bei Pferden sind Erkrankungen mit diesem Erreger seit mehr als 100 Jahren bekannt. Infizierte Tiere zeigen Bewegungsstörungen sowie Verhaltensauffälligkeiten und sterben häufig an den Folgen.

Bereits 2015 starben drei Menschen, die sich mit Bornavirus bei Bunthörnchen infiziert hatten

Nun gab es auch in Deutschland drei Todesfälle. Die Patienten hatten eine Gehirnentzündung, die höchstwahrscheinlich durch das klassische Bornavirus ausgelöst worden sei, sagte der Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald, Martin Beer. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin und der Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um die ersten gesicherten Nachweise des Bornavirus beim Menschen überhaupt handelt.

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Zwei der Patienten haben sich mit hoher Sicherheit über transplantierte Organe desselben Spenders angesteckt. "Wir gehen bei diesem Geschehen von einem sehr seltenen Einzelfall aus", sagte Beer. Der dritte Todesfall steht nicht mit der Transplantation in Zusammenhang - Details wurden aber nicht bekannt.

Die Universitätskliniken, an denen die Betroffenen behandelt wurden, konnten die Ursache für die Gehirnentzündungen mit der Standarddiagnostik nicht finden. Deswegen entschieden sie sich Ende 2016, Mitarbeiter des FLI - des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit - hinzuzuziehen. Das FLI war bereits 2015 bei der Aufklärung der Ursachen dreier Gehirnentzündungen beteiligt: Monatelang lagen drei Bunthörnchenzüchter in Sachsen-Anhalt auf der Intensivstation und starben am Ende. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Verstorbenen bei ihren Tieren mit einem bislang unbekannten Bornavirus angesteckt hatten - dem Bunthörnchen-Bornavirus VSBV-1.

Die drei verstorbenen Patienten infizierten sich mit dem klassischen Bornavirus

Bei den nun untersuchten Fällen entdeckten die Forscher dank spezieller Analysemethoden das klassische, etwa von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus - Borna disease virus, BoDV-1. "Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keinerlei Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte", sagte Beer. Eine Folge der neuen Erkenntnisse für die Humanmedizin sei, dass bei ungeklärten Fällen von Gehirnentzündungen auch auf Bornaviren getestet werden sollte - neben den anderen möglichen Erregern.

Ziel sei es nun, neue Nachweismethoden zu entwickeln, damit Bornavirus-Infektionen bereits in einem frühen oder chronischen Stadium erkannt werden können, sagte Hartmut Hengel, Virologe an der Universität Freiburg und Präsident der Gesellschaft für Virologie. Eine derartige Infektion müsste im Fall des Organspenders vorgelegen haben, sodass die Person gesund erschien und Organe transplantiert werden konnten. Ein dritter Organempfänger desselben Spenders überlebte die Infektion.

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Weitere Vorkehrungen zur Absicherung der Organspende hält Hengel gegenwärtig aber noch nicht für möglich - und angesichts der laut Angaben offensichtlichen Seltenheit des Virus auch nicht für nötig. "Noch besitzen wir keine geeigneten Werkzeuge, um Organspender vorbeugend zu testen", sagte der Professor. Zudem ist unklar, ob in den nun dokumentierten Fällen Vorerkrankungen eine Rolle spielen.

Manche Wissenschaftler sahen im Bornavirus einen Faktor beim Entstehen von Depressionen und Schizophrenie

In der Vergangenheit gab es bereits eine wissenschaftliche Kontroverse um das Virus und seine Gefährlichkeit. Am RKI hatten Wissenschaftler seit Beginn der 90er-Jahre zu möglichen Bornavirus-Infektionen des Menschen geforscht - allerdings wurde die Arbeit 2005 eingestellt. Trotz jahrelanger Bemühungen habe man keinen belastbaren Hinweis auf eine Gefährdung des Menschen gefunden, hieß es damals. Vermeintliche Bornavirus-Nachweise in menschlichen Proben wurden später auf Verunreinigungen im Labor zurückgeführt. Viel Beachtung hatte das Thema auch deshalb gefunden, weil manche der Wissenschaftler das Bornavirus als Faktor beim Entstehen von Krankheiten wie Depression und Schizophrenie betrachteten.

Martin Beer vom FLI betonte jedoch: "Man muss die aktuellen Einzelfälle eindeutig von den Diskussionen der vergangenen 20 Jahre und den damaligen Untersuchungen abtrennen. Wir sehen jetzt eine ganz klare Symptomatik, wir haben Todesfälle, und in den Proben der verstorbenen Patienten lassen sich sehr große Mengen an Virus-Genomen nachweisen." In einem mit Bundesmitteln geförderten Konsortium namens "ZooBoCo" wollen Forscher mehrerer deutscher Institute den offenen Fragen zum Bornavirus nachgehen - etwa, was Risikogebiete oder das Eindringen des Virus in den menschlichen Organismus betrifft.

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(rt deutsch/dpa)

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