Hetze gegen Ausländer: Landauer Tafel reagiert auf Fehlinterpretation eines Fotos

Hetze gegen Ausländer: Landauer Tafel reagiert auf Fehlinterpretation eines Fotos
Wie hier in der Dortmunder Tafel erhalten auch in der Landauer Einrichtung Bedürftige kostenlos Lebensmittel. "Der Hunger kennt keine Nationalität - bei uns bekommt jeder Hilfe, egal woher er kommt", schreiben die Mitarbeiter in ihrer Erklärung des Fotos.
Ein Foto vor dem Eingang zu einer Essens-Tafel in Rheinland-Pfalz wird tausendfach in den sozialen Netzwerken verbreitet. Es führt zu einer Hetzkampagne gegen Ausländer. Die Tafel meldet sich daraufhin zu Wort und stellt klar: Es handelt sich um eine Fehlinterpretation.

Ein silberner Mercedes-Benz parkt vor einem Gebäude. Eine Frau mit Kopftuch ist offenbar aus dem Luxusauto gestiegen und geht Richtung Eingangstür. In dem Gebäude vor ihr befindet sich die Landauer Tafel. Das erfährt man aus dem Kommentar unter dem Bild, das schon seit Tagen überwiegend auf Facebook, aber auch auf Twitter verbreitet wird. Der vermeintliche Autor schreibt: "Heute vor der Landauer Tafel. Läuft!"

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In den Kommentaren reagieren zahlreiche Nutzer mit Empörung. Tenor: Ausländische Bürger nutzten schamlos die Hilfe der Tafel aus, obwohl sie eigentlich teure Autos führen und offenbar gar nicht auf deren Unterstützung angewiesen seien. Die Aufnahme aus der rund 45.000-Einwohner-Stadt in Rheinland-Pfalz wurde allein über Facebook mehr als 30.000-mal geteilt. 

Nun meldeten sich die Betreiber der Tafel selbst zu Wort und stellten fest, dass der auf dem Foto dargestellte Sachverhalt anders läge. Die ausländischen Bürger, denen in den Kommentaren unterstellt werde, unrechtmäßig die Hilfe der Tafel in Anspruch zu nehmen, seien vorgefahren, um "eine deutsche Rentnerin abzuholen, die den Weg zur Tafel nicht mehr allein zurücklegen kann". Hilfsbereite Nachbarn führen die Frau mit ihren Autos zur Ausgabestelle. "Dazu gehört auch diese muslimische Familie, die von uns selbst keine Lebensmittel bezieht", heißt es seitens der Hilfseinrichtung.

"Das Foto führte zu einer Hetzkampagne gegen Ausländer und unterstellt uns als Tafelmitarbeitern, dass wir völlig ungeprüft Lebensmittel an alle, die zu uns kommen, ausgeben. Um in einer Tafel Lebensmittel zu erhalten, muss jeder mindestens einmal jährlich nachweisen, dass er bedürftig ist – egal, welche Nationalität er hat."

In dem Landauer Tafelladen (45 ehrenamtliche Mitarbeiter) erhalten Bedürftige zweimal pro Woche kostenlos Lebensmittel. Voraussetzung dafür ist der Nachweis der Bedürftigkeit, der jedes Jahr erneuert werden muss. Um als bedürftig zu gelten, muss ein Bescheid über den Bezug von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung oder auch ein Asylentscheid vorgelegt werden.

Auch nachdem die Mitarbeiter der Landauer Tafel die Erklärung für das Bild auf der Internetseite ihrer Einrichtung veröffentlicht hatten, erhielten sie Kommentare, in denen zahlreiche Nutzer die Klarstellung des Sachverhalts anzweifelten. "Das ist erstaunlich, da von diesen Zweiflern doch keiner vor Ort war und das Geschehene selbst erlebt hat. Es ist traurig, dass manche Menschen nur die Wahrheit, die in ihr eigenes Weltbild passt, wahrhaben wollen und weder gesunden Menschenverstand noch andere Meinungen gelten lassen." Die Hilfseinrichtung entschied sich deshalb, keine weiteren Kommentare zu diesem Thema auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. 

Erst kürzlich sorgte die Essener Tafel bundesweit für Schlagzeilen, als sie einen vorläufigen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt hatte. Der Verein hat inzwischen angekündigt, die umstrittene Maßnahme Ende März wieder aufzuheben.

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