Unmut in Radolfzell: Einziger Spielplatz sollte Flüchtlingsunterkünften weichen

Unmut in Radolfzell: Einziger Spielplatz sollte Flüchtlingsunterkünften weichen
Spielplatz in Langen, Deutschland, 6. Februar 2008.
Auf der Halbinsel Mettnau am Bodensee gibt es Streit um die Zweckentfremdung eines Spielplatzes. An dessen Stelle sollten mobile Wohneinheiten für Flüchtlinge treten. Nach Diskussionen wird der Spielplatz nun verkleinert und muss nicht komplett weichen.

Für insgesamt 45 Migranten muss das baden-württembergische Radolfzell Wohnraum schaffen. Der Gemeinderat der Kleinstadt am Bodensee entschied zunächst: 

Der schwach frequentierte Spielplatz an der Strandbadstraße kann nach Einschätzung der Verwaltung aufgelöst werden. 

Um den Spielplatz zu erhalten, haben Anwohner daraufhin eine Interessengemeinschaft gegründet. Ihnen zufolge hat der Spielplatz durchaus starken Zulauf, zumal es sich um den einzigen seiner Art auf Mettnau handele. Einer der Anwohner, Alexander Gräber, erklärte gegenüber dem Südkurier

Im Sommer ist hier viel los, es kommen Kita-Gruppen und auch Kindergeburtstage werden hier gefeiert.

Freie Wähler wollten "Vorzeigeprojekt der Integration" schaffen

Anschließend einigte man sich darauf, dass der Spielplatz bleiben darf und lediglich verkleinert wird. Ingesamt 30 Grundstücke waren in Augenschein genommen worden, um zu erörtern, inwieweit mobile Wohneinheiten für Flüchtlinge darauf errichtet werden könnten. 

Flüchtlingsunterkunft in Moszno, Polen, 20. September 2004.

CDU und FDP-Vertreter von Radolfzell hatten vergeblich versucht, den Spielplatz komplett aus der Liste der Baugrundstücke zu nehmen. Christof Stadler (CDU): 

Es gibt genügend andere Plätze, wir dürfen uns den Platz nicht verbauen.

Helmut Villinger von der CDU sprach sich gegen provisorische Wohnungen aus, denn diese könnten zu einem Dauerzustand werden. Zuspruch gab es hingegen von einem Vertreter der Freien Wähler. Flüchtlingsunterkünfte auf einem Spielplatz zu errichten, könne zu einem "Vorzeigeprojekt der Integration" werden. Weitere mögliche Orte der Aufstellung werden derzeit geprüft. 

Marode Spielplätze wegen Geldmangels 

Viele der Spielplätze in Deutschland sind marode. Im Berliner Bezirk Pankow sind derzeit 32 von 220 Spielplätzen gesperrt, da sie aufgrund ihres schlechten Zustands zu gefährlich für Kinder geworden sind. Als Grund für die Misere wird Geldmangel hinsichtlich der Sanierung angegeben. Der Stadtrat Vollrad Kuhn sieht die Anwohner in der Pflicht, bei der Pflege von Spielplätzen und Grünanlagen zu helfen. Dem Bezirk fehlen 3,21 Millionen Euro, um alle erforderlichen Sanierungen abarbeiten zu können. In Berlin gibt es insgesamt rund 1.900 Spielplätze auf 220 Hektar Land, damit ist aber noch nicht die Vorgabe erzielt, der zufolge im Verhältnis zur Einwohnerzahl 340 Hektar Spielplatz angeboten werden müssten.

Die Stadt Wuppertal beispielsweise hat pro Jahr ein Budget von 700.000 Euro zur Sanierung ihrer alten Spielplätze. Im Vorjahr war das Geld aber schon in der ersten Jahreshälfte aufgebraucht, den Sanierungszielen konnte nicht nachgekommen werden. 

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