Säureangriff auf Top-Manager: Er wurde vor Jahren auch überfallen

Säureangriff auf Top-Manager: Er wurde vor Jahren auch überfallen
Bernhard Günther bei der Innogy-Bilanz-Hauptversammlung im Jahr 2017 in Essen. Der Manager war bereits vor drei Jahren beim Joggen überfallen worden. Bei der jüngsten Attacke wurde er unweit seines Hauses in einem idyllischen Villenviertel vor den Toren Düsseldorfs angegriffen.
Der RWE-Manager Bernhard Günther, der am vergangenen Sonntag von hinten angegriffen und mit Säure übergossen wurde, war bereits vor Jahren Opfer eines Angriffs geworden. Damals wurde er überfallen und verprügelt. Die Polizei wertet die jüngste Attacke als versuchten Mord.

Warum wurde der Finanzmanager Bernhard Günther am vergangenen Sonntag im nordrhein-westfälischen Haan mit Säure angegriffen? Auch einen Tag nach der Attacke in einer Parkanlage am Karl-August-Jung-Platz in der rund 30.000-Seelen-Stadt bleibt diese Frage unbeantwortet. Dass es sich bei dem Manager um ein Zufallsopfer handelt, glauben die Ermittler nicht. Die bislang unbekannten Täter sind weiterhin flüchtig. Sie sollen den Finanzvorstand des Essener Energieversorgungsunternehmens Innogy im Rheinland rund 200 Meter vor seinem Wohnhaus von hinten angegriffen, zu Boden geworfen und eine ätzende Flüssigkeit über sein Gesicht geschüttet haben.

Die gestern in den Medien verbreitete Beschreibung, derzufolge es sich um südländisch wirkende Männer handele, relativierte die Polizei am Montag. "Wir haben das Opfer noch nicht vernehmen können", sagt eine Sprecherin. Es ging wohl alles sehr schnell. Die Angreifer sollen zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen sein. Die Ermittler stufen die Attacke als versuchten Mord ein.

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Manager soll bereits vor mehreren Jahren beim Joggen überfallen und verprügelt worden sein

Medienberichten zufolge soll der 51-Jährige mit hundertprozentiger Schwefelsäure übergossen worden sein, die Polizei wollte dies jedoch nicht bestätigen. Am Tatort sei auch Spurenmaterial gefunden worden, das nun ausgewertet werde. Medienberichte, wonach die Täter nach dem Säureangriff einen Handschuh und den Behälter zurückließen, in dem sich die Flüssigkeit befand, wollte die Polizei "aus ermittlungstaktischen Gründen" weder bestätigen noch dementieren.

Der Manager erlitt lebensgefährliche Verletzungen, sein Zustand ist inzwischen aber wohl stabil. Er wurde von Helfern in Schutzanzügen behandelt und mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik in Duisburg gebracht.

Am Montag stellte sich heraus, dass der Finanzvorstand der RWE-Tochter Innogy nicht zum ersten Mal Opfer einer schweren Straftat wurde. Bereits vor mehreren Jahren war er überfallen und zusammengeschlagen worden. Damals soll er beim Joggen attackiert worden sein. Laut einem Bericht der Bild soll die zuständige Polizei in Mettmann die Tat damals als Raub bewertet haben. Die Ermittlungen wurden offenbar ohne Ergebnis eingestellt. Als der 51-Jährige jetzt attackiert wurde, holten die Ermittler die Akte von damals allerdings wieder hervor. Nun wird untersucht, ob beide Fälle zusammenhängen.

Über Motive wird nur spekuliert: Marktmanipulation oder vielleicht politischer Anschlag 

Über die Motive der schrecklichen Tat vom Sonntag kann derzeit nur spekuliert werden. Die Ermittler versicherten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, es werde auch überprüft, ob es im Fall des Innogy-Managers – wie auch nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im April 2017 –auffällige Finanzmarktgeschäfte gegeben habe. Innogy ist ein börsennotiertes Unternehmen und stand kurz vor der Bilanzveröffentlichung. Sollten die Täter auf einen Kursabsturz gesetzt haben, hätten sie sich aber verkalkuliert. Am Montagmorgen bewegte sich der Kurs leicht im Plus, und das Unternehmen versicherte, dass die Bilanz wie geplant veröffentlicht werden könne.

Weiter wird spekuliert, dass der Angriff einen politischen Hintergrund haben könnte. Günther war früher als RWE-Finanzvorstand indirekt auch für das umstrittene Braunkohlegeschäft des Konzerns zuständig. Inzwischen gehört er aber der "grünen" Sparte von RWE an. Innogy ist die Ökostrom- und Netztochter des Energiekonzerns. Das Unternehmen hat rund 41.000 Mitarbeiter. Der Strom wird aus Sonne und Windkraft erzeugt. Zudem ist Innogy auch ein führender Anbieter von Ladesäulen für Elektroautos. Eine Sprecherin der Wuppertaler Staatsanwaltschaft verneinte, dass es in der Vergangenheit bereits Drohungen gegen den Manager gegeben habe. Ein Bekennerschreiben fand sich am Tatort der jüngsten Attacke ebenfalls nicht.

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