Jugendamt reagierte nicht: Berliner Grundschule stellt Wachschutz wegen Schülergewalt ein

Jugendamt reagierte nicht: Berliner Grundschule stellt Wachschutz wegen Schülergewalt ein
Gewalt und der Umstand, dass Lehrer ihre Schüler Angaben zufolge nicht mehr kontrollieren können, haben eine Berliner Grundschule veranlasst, einen Sicherheitsdienst seit Montag einzustellen. Die Schulleitung verspricht sich Besserung.

Während der Hofpausen soll es an der Spreewald-Grundschule im Berliner Bezirk Schöneberg zu regelrechten Gewaltexzessen gekommen sein. Bei einer Prügelei wurde nachgetreten, während das Opfer wehrlos am Boden lag. In einem anderen Fall riefen ältere Freunde eines Sechstklässlers den Schüler kurzerhand während des Unterrichts mit den Worten "He, Alter, komm raus, wir gehen jetzt!" aus der Klasse.

Seit Schuljahresbeginn habe es an der Grundschule angeblich 30 gewalttätige Vorfälle gegeben. Die Zwischenfälle ereigneten sich entweder unter der Schülerschaft oder richteten sich gegen Lehrer.

Im Gespräch mit dem SPIEGEL verteidigte die Schulleiterin Doris Unzeitig den Schritt, Sicherheitspersonal einzustellen. Sie betonte:

Wir müssen den Problemen ins Auge schauen.“

Ihrer Meinung nach wäre das vorherrschende Arbeitsklima an der Schule angespannt. Das führt die Rektorin auf ein hohes Aggressionspotenzial unter den Schülern zurück, dem ein neuer Sicherheitsdienst an der Schule nun beikommen soll. Die Wachleute sollen zu einem „entspannteren Klima“ beitragen, zitierte der SPIEGEL.

Bisher ist es ein Novum, dass eine Grundschule Sicherheitspersonal für sechs- bis zwölfjährige Kinder einstellt.  Die Spreewald-Grundschule liege in einem schwierigen Viertel mit vielen bildungsfernen Familien, unterstrich Rektorin Unzeitig laut SPIEGEL. Der Berliner Bildungssenat bestätigte in einer Erklärung:

Es liegen vermehrt Gewaltmeldungen zur Gefährdungsstufe eins vor.“

Die Gefährdungsstufe eins schließt auch tendenziell harmlosere Übergriffe wie Mobbing und Beleidigungen ein.

An der Negativentwicklung in der Spreewald-Grundschule scheinen allerdings nicht die Kinder allein schuld zu sein. Die Schulleiterin räumte im Interview ein, dass es auch an externer Unterstützung fehlt. „Wir bitten seit drei Jahren das Jugendamt erfolglos um einen zweiten Schulsozialarbeiter“, erklärte Unzeitig.

Der Wachdienst wird aus Mitteln des sogenannten Bonus-Programms bezahlt, das Schulen in sozial schwachen Gegenden unterstützt. Laut Medienberichten lässt sich das Personal seinen Schutz mit rund 1.700 Euro pro Woche vergüten. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg lehnte ab, die Kosten für den Wachdienst zu übernehmen.

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