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Nach Aufnahmestopp für Ausländer: Essener Tafel als "Nazis" beschimpft

Nach Aufnahmestopp für Ausländer: Essener Tafel als "Nazis" beschimpft
Eine alte Frau erhält Brot von der Dortmunder Tafel, Deutschland, 20. März 2013.
Die Essener Tafel sah sich dem wachsenden Ansturm von Hilfsbedürftigen nicht mehr gewachsen und erklärte, fortan nur noch an Deutsche auszuteilen. Nach dem es zunächst heftige Kritik dafür gab, wurde nun auch ein Lieferwagen mit der Aufschrift "Nazi" besprüht.

Klagen von Frauen und älteren Personen führten zu dem Vorhaben der Essener Tafel, nur noch an Personen mit deutschem Pass austeilen zu wollen. Zahlreiche Flüchtlinge, deren Aufenthaltsstatus nun geklärt wurde, überforderten die Ausgabestellen der Essener Tafel. Es käme zu Rangeleien. Der Vorsitzende des Vereins Jörg Sartor hatte erklärt: 

Wir wollen auch, dass die deutsche Oma zu uns kommt. 

Der Anteil der Migranten sei auf 75 Prozent gestiegen. Es käme zu einem Missverhältnis. Die Tafel sah einen Aufnahmestopp daher als richtige Lösung. Die offizielle Erklärung der Essener Tafel lautete: 

Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen, um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen.

Ein Mann erhält Lebensmittel bei der Dortmunder Tafel, Deutschland, 20. März 2013.

Für seine Aussagen steht Sartor nun in der Kritik. Gegenüber der BILD-Zeitung sagte er: 

Ich bin kurz davor hinzuschmeißen (...) Schweinerei, unsere Leute so zu diffamieren. Jetzt haut ein Haufen Politiker auf uns ein, ohne sich zu informieren. Die sollen sich mal herbewegen und vor Ort mitarbeiten – danach können sie sich gerne äußern. (...) Ich lasse mich vor keinen Karren spannen, weder von linken Politikern, noch von rechten.

Sechs Lieferwagen der Essener Tafel und Eingangstüren wurden in der Nacht zum Sonntag mit Aufschriften "Nazis" und "Fuck Nazis"besprüht.   

In Gelsenkirchen will man dem Essener Beispiel nicht folgen und stattdessen Ordner einstellen, die einer Eskalation an der Essensausgabe vorbeugten. An fünf Ausgabestellen werden täglich bis zu 5.000 Bedürftige in Gelsenkirchen mit der Unterstützung von 180 ehrenamtlichen Mitarbeitern versorgt. Der Geschäftsführer der Tafel, Hartwig Szymiczek gegenüber der WAZ: 

Verdrängungseffekte wie in Essen sind auch hier erkennbar, aber wir grenzen keine Gruppe aus. Flüchtlinge und Migranten zählen schließlich auch zu den Bedürftigen. 

Mitarbeiter der Gelsenkirchener Tafel: 

Gedrängel gibt’s so selten, da machen wir hier kein Palaver drum. 

Symbolbild: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles serviert Suppe in einer Berliner Suppenküche, Deutschland, 11. April 2017.

Essen von einer Tafel beziehen darf jeder, der als hilfsbedürftig gilt. Die Hilfsbedürftigkeit muss durch die Vorlage einer Bescheinigung erwiesen sein. Die Tafeln geben Mitgliederkarten aus. Viele müssen aber mittlerweile abgewiesen werden, es gibt zu viele Bedürftige und zu wenig Kapazitäten. 

Sahra Wagenknecht von den Linken sagte zum Diskurs um die Essener Tafel: 

Statt die Essener Tafel zu schelten, sollte die Bundesregierung lieber über ihre eigene Verantwortung nachdenken, dass heute so viele Menschen auf die Hilfe der Tafeln angewiesen sind. Das ist doch Folge der vielen Rentenkürzungen und der Einführung von Hartz IV. Es kann nicht sein, dass die Ärmeren jetzt auch noch die Hauptlasten der Zuwanderung tragen. Statt scheinheiliger Empörung brauchen wir endlich eine Wiederherstellung des Sozialstaates. 

Sartor sorgt sich angesichts des Hasses um seine ehrenamtlichen Mitarbeiter: 

Das ist Kinderkram und wir werden so weitermachen, wie bisher. Allerdings mache ich mir Sorgen um unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, die nun Angst haben könnten, zur Essensausgabe zu erscheinen.

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