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Belgien will keine saudische Kontrolle über Große Moschee von Brüssel mehr

Belgien will keine saudische Kontrolle über Große Moschee von Brüssel mehr
Große Moschee von Brüssel, Belgien, 19. Januar 2018.
1969 verpachtete Belgien für eine Dauer von 99 Jahren eine Moschee an Riad. Die Belgier profitierten durch günstigeres Öl. Jetzt will Belgien mit den saudischen Imamen brechen. Die Saudis aber wollen sich hier in neuem Gewand abseits der Radikalität zeigen.

Die Belgier fürchten, dass die Imame in der Moschee unweit des Hauptsitzes der EU Radikalität predigen. Belgien tauchte immer wieder als Hort des Terrors in der Presse auf. Die Attentate von Paris im Jahr 2015, bei denen 130 Menschen ums Leben kamen, wurden von Brüssel aus gesteuert. 32 Menschen kamen 2016 in der belgischen Hauptstadt durch ein Attentat ums Leben. Riad verneint, dass unter dem Dach der Großen Moschee von Brüssel Radikalität gepredigt werde. Im EU-Vergleich führt Belgien bezüglich des "Exports" ausländischer Terror-Kämfper nach Syrien. Belgien will, dass in der Großen Moschee ein europäischer Islam gelehrt wird. Saudi-Arabien will die Chance nutzen, sich hier neu zu präsentieren - abseits des wahhabitischen Islam. 

Dirk Achten war vergangenen November Leiter der belgischen Delegation in Riad und mahnte das belgische Parlament, die Neuerungen, die sich in Saudi-Arabien gerade auftäten, zu nutzen. Es handle sich um ein einmaliges "Gelegenheitsfenster": 

Die Saudis sind zu einem Dialog ohne Tabus bereit. 

Derzeit werden die Details zur Rückgabe der Moschee verhandelt. Der belgische Innenminister Jan Jambon sagte gegenüber Reuters, dass es in diesem Monat eine Bekanntmachung hierzu geben werde. 

Ein Polizist untersucht die Ladung eines Sattelzugs in Krefeld am 23. Januar 2018. Behörden europaweit sollen vom Interpol angehalten worden sein, verstärkt Kontrollen von Lastwagen durchzuführen. (Symbolbild)

Bevor Saudi-Arabien die Kontrolle über die Moschee übernahm, stand das Gebäude leer und war ein Überbleibsel der Großen Ausstellung von 1880. Damals wurde das Gebäude als "orientalischer Pavillon" bezeichnet. Die saudische Regierung machte aus dem orientalischen Pavillon eine Gebetsstätte für marokkanische Gastarbeiter, die in belgischen Kohlebergwerken und Fabriken schufteten. Betrieben wird das Gebetshaus heute durch die "Muslim World League" (MWL), welche fast ausschließlich von Saudi-Arabien finanziert wird. Pro Jahr erhält die Moschee 5 Millionen Euro an Zuwendungen von der MWL. Als neuen Betreiber würde Belgien gerne die "Exekutiv eder Muslime Belgiens" sehen.  

Saudi-Arabien steht für den Wahhabismus, eine besonders strenge Form des Islam. Der IS bedient sich in seiner "Lehre" wahhabitischen Büchern, in denen der Hass auf "Ungläubige" geschürt wird. Nach den Anschlägen vom 11. September forderten die USA Saudi-Arabien auf, die fragwürdigen Lehrbücher von den saudischen Schulbänken zu entfernen. 15 der 19 Flugzeugentführer stammten aus Saudi-Arabien.

Reuters zitiert einen belgischen Sicherheitsmitarbeiter: 

Die Moschee hat Einfluss auf die Verbreitung dieser hasserfüllten 'Software'. Jahrzehntelang hat sich niemand darum gekümmert.

Dies bestätigte ein Geheimdienstbericht der Sicherheitsagentur OCAD/OCAM. Es sei eine wahhabitische Art des Islam gepredigt worden, die der muslimischen Jugend Radikalität beibrachte. Richtige Beweise liegen laut Sicherheitsbehörden jedoch nicht vor. Zwar haben einige der Kämpfer, die sich nach Syrien begaben, in der Großen Moschee gebetet, aber IS-Rekruten fanden ihre Opfer besonders in ärmeren Einwandervierteln wie Molenbeek sowie über die sozialen Netzwerke. 

Der Staatssekretär für Asyl und Immigration Theo Francken versuchte, den seit 13 Jahren dort aktiven ägyptischen Imam zu entlassen, und bezeichnete ihn als "gefährlich". Ein belgischer Richter stellte sich dem jedoch entgegen. Der neue Generalsekretär des MWL traf sich mit Papst Franziskus und sprach sich gegen die Leugnung des Holocausts aus. Die MWL versuchte damit, ein Zeichen gegen den Extremismus zu setzen. Prinz Mohammed Bin Salman von Saudi-Arabien hat sich für einen Wandel ausgesprochen. Frauen ist es bald erlaubt, Auto zu fahren, und die Handhabe der strengen Sittenwächter soll eingeschränkt werden. Kritiker sehen hierin weniger aufrichtigen Willen zur Veränderung als Anpassung an ökonomische Notwendigkeiten. Die Fahrerlaubnis für Frauen ist auch der schlechten finanziellen Stellung vieler Familien geschuldet. Sie können sich keine Fahrer leisten und sind auf ein zweites Einkommen angewiesen. 

Mehr lesen - Saudi-Arabiens "Bildungsreform gegen den Terror": Weg von radikalen Büchern hin zu digitalen Welten 

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