Flucht aus der JVA Tegel: Clint Eastwood und "Flucht von Alcatraz" als Vorbild?

Flucht aus der JVA Tegel: Clint Eastwood und "Flucht von Alcatraz" als Vorbild?
Das Tor 1 der JVA Tegel in Berlin.
Nach dem aus der JVA Tegel geflüchteten Straftäter wird schon seit Tagen gefahndet. Inzwischen wurde bekannt, dass der Mann die Wärter mit einer Attrappe in seiner Zelle getäuscht hatte. Er soll bereits am Mittwoch unter einem Lkw das Gelände verlassen haben.

Vom geflüchteten Häftling aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel in Berlin fehlt immer noch jede Spur. Es soll sich nach Polizeiangaben um einen 24-jährigen Libyer handeln, der wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall sowie schwerer räuberischer Erpressung rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt worden war und bis 2022 seine Strafe absitzen soll. Seit Ende vergangener Woche wird der 1,63 Meter große Hamed Mouki von der Polizei per Fahndung gesucht.

Blick ins Innere der JVA Tegel in Berlin. In einer der Zellen wurde Donnerstagmorgen das

Inzwischen ist auch klar, wie das Fehlen des Mannes erst am Donnerstag festgestellt werden konnte. Der Geflüchtete täuschte die Wärter offenbar mit einer Attrappe wie einst Clint Eastwood im Film "Flucht von Alcatraz". Er habe mittels einer Figur aus Kleidung, Toilettenpapier und Stoffresten unter der Bettdecke sowie einer Mütze bei der Zählung nach einer Freistunde gegen 18 Uhr den Eindruck erweckt, dass er dort liege, gab Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) bekannt. So wurde das Fehlen erst am Donnerstagmorgen bemerkt, obwohl der Häftling aber höchstwahrscheinlich schon am Mittwoch geflohen sei.

Plan: Über den Zaun klettern und unter dem Laster verstecken 

Dem Straftäter soll es gelungen sein, auf dem Freistundenhof unbemerkt über den mannshohen Zaun zu klettern, dann offenbar unter einen Lastwagen, der auf dem Anstaltsgelände war, zu gelangen und darunter versteckt das Gelände gegen 20 Uhr zu verlassen. Am Mittwoch hatte der Laster samt Anhänger Waren in die Anstalt gebracht. Offenbar soll sich der Straftäter nach Berichten des RBB am Unterboden des Lastwagens versteckt haben. Dieser wurde laut einem Polizeisprecher gespiegelt, doch die Kontrolle habe offenbar "nicht ausgereicht".

Zuerst sei das Außengelände nach dem Entflohenen abgesucht worden. Die Justizverwaltung sagte, der Fahrer des Wagens sei befragt worden, er sei nicht verdächtig.

Dies war das zehnte Mal innerhalb von sechs Wochen, dass Häftlinge aus einem Berliner Gefängnis entkommen konnten. "Die Tage der offenen Tür gehen weiter", kommentierte CDU-Politiker Thorsten Schatz via Twitter, "der Justizsenator muss nun endlich mal politische Verantwortung übernehmen. Sein Rücktritt ist schon seit langem überfällig".

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