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75 Jahre nach Stalingrad: Deutsche Medien im Dauer-Ostfront-Modus

75 Jahre nach Stalingrad: Deutsche Medien im Dauer-Ostfront-Modus
Am 2. Februar beging Russland den 75. Jahrestag des Sieges von Stalingrad. Für deutsche Medien ein willkommener Anlass, um sich wieder gegen die russische Regierung auszutoben. Angesichts der deutschen Verantwortung für das Massensterben ist das beschämend.

von H. Posdnjakow 

Insgesamt 700.000 Menschen starben in der Schlacht um Stalingrad. Davon waren rund eine halbe Million Sowjetbürger. Die Schlacht markierte den entscheidenden militärischen Wendepunkt im Krieg gegen das verbrecherische Nazi-Regime. Durch den sowjetischen Sieg über Hitler wurde der Zweite Weltkrieg um Monate oder Jahre verkürzt und folglich blieb Millionen von Menschen ein fürchterlicher Tod - in Konzentrationslagern, an der Front oder im Bombenhagel - erspart. Grund genug, würde man denken, auch für deutsche Medien, respektvoll und einfühlsam über die Gedenkveranstaltung der russischen Regierung in der Stadt - heute Wolgograd genannt - zu berichten, wie man es etwa von der Berichterstattung zum Holocaust gewohnt ist. Doch weit gefehlt!

Bilder der frierenden und hungernden deutschen Kriegsgefangenen stehen symbolhaft für das ruhmlose Ende der Schlacht um Stalingrad. Der Umgang mit ihnen entsprach jedoch internationalem Recht. Auf dem Bild: Januar 1943, Stalingrad:  Begegnung mit Stabsoffizieren der 62. Armee.

Militärparaden in Russland ein Problem, in Frankreich nicht

Im ZDF etwa wird etwa die russische Militärparade am Jahrestag kritisch kommentiert:

Das offizielle russische 'Nie wieder' ist eine Demonstration der Stärke am Boden und in der Luft. Über die Angemessenheit im Rahmen einer Gedenkveranstaltung darf durchaus gestritten werden.

Wenn der Einschub des ZDF aufgrund klarer Grundsätze erfolgt wäre, hätte man darüber tatsächlich "durchaus" diskutieren können. Jedoch handelt es sich hier um eine einseitige Verurteilung Russlands, da das ZDF Paraden und nationale Feiertage anderer Staaten unkritisch rezipiert und, wenn es sich um NATO-Länder handelt, sogar bejubelt, wie das Medien-Watchblog Propagandaschau belegte:

Im Vergleich zur Berichterstattung anderer deutscher Medien erscheint der ZDF-Bericht jedoch geradezu wohlwollend gegenüber Russland.

In ihrem Beitrag für die Tagesschau bemerkt etwa die ARD-Journalistin Birgit Virnich, Präsident Putin habe "so kurz vor den Wahlen" die Gelegenheit genutzt, "an den gewaltigen Sieg zu erinnern". Sie beklagt, dass die Feierlichkeiten Teil des Wahlkampfes für die Präsidentschaftswahlen im März seien. Erwartete sie etwa, dass der Präsident zu dem Thema ausgerechnet am 75. Jahrestag schweigt? Was wäre die Reaktion von den über 140 Millionen Bürgern der Russischen Föderation gewesen, hätte Putin sich bei der Gedenkveranstaltung nicht blicken lassen? Vielen deutschen Journalisten scheint jede noch so triviale Gelegenheit recht zu sein, der russischen Regierung eins auszuwischen. 

Fotostrecke -  Feierlichkeiten in Wolgograd zum 75. Jahrestag der Schlacht um Stalingrad

Anschließend lässt sie den russischen Publizisten Nikolai Swanidse sprechen, der sich darüber beschwert, dass die Militärparaden umso pompöser sein würden, je weiter der Krieg zurückliegt. Erstens ist das vollkommen irrsinnig, da es ja schon in der Sowjetunion "pompöse" Militärparaden zur Feier des Sieges gegen Nazi-Deutschland gab. Zudem sind die Militärparaden in Russland nicht "pompöser" als etwa in Großbritannien, Frankreich, Italien oder Spanien. Sogar hierzulande - wer hätte es gedacht - gibt es Bundeswehr-Aufmärsche zu feierlichen Ereignissen, wie etwa dem 50. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr. Virnich versucht, mit ihrem eigenen Kommentar und den angeführten Rednern die russischen Paraden als etwas ganz Eigenartiges und Antidemokratisches darzustellen. Das ist absolut nicht stichhaltig. 

Begrüßung der Rotarmisten, die die faschistische Wehrmacht in Stalingrad belagerten.

Respekt vor Kriegsveteranen ist "Essenz des Putinismus"

Ähnlich absurd argumentiert Jutta Sommerbauer im Tagesspiegel:

Und doch beinhaltete die Grußbotschaft Wladimir Putins, in der er an die 'grandiose Schlacht' von Stalingrad erinnerte und den im Publikum sitzenden Veteranen zu ihrer Tapferkeit gratulierte, die Essenz des Putinismus.

Die neue Generation der Kreml-Astrologen steht der alten in nichts nach: Eine kurze Grußbotschaft - Sommerbauer selbst erkärt, die Rede habe "keine fünf Minuten" gedauert - zu einem Manifest einer angeblich Putin-Ideologie zu verklären, ist ein Beweis für jene mentale Akrobatik, in der sich die selbsternannten Putinismus-Fachleute mittlerweile üben müssen, um der harten Konkurrenz auf dem Markt der Russland-Diffamierung das Wasser reichen zu können.

Auch Christina Hebel schreibt für den Spiegel:

Der Stolz [über Stalingrad] dient Präsident Putin im Wahlkampf. Je weiter der Sieg zurückliegt, desto mächtiger scheinen die Paraden.

Wenn es um Russland geht, reichen anscheinend die geistigen Kapazitäten der NATO-deutschen Schreiberlinge gerade noch dazu aus, voneinander abzuschreiben und die von den diversen transatlantischen Think-Tanks und Stiftungen vorgegebene Meinung gedankenlos nachzuplappern. Was zeigt: Die westeuropäische Russland-Berichterstattung hat mit echtem Journalismus nichts mehr zu tun. Es handelt sich vielmehr um intellektuelle Prostitution. Kein Wunder, dass den Mainstream-Medien die Leser davonrennen. Weiteres Beispiel - André Ballin im Handelsblatt:

Je weiter der Sieg zurückliegt, desto größer und pompöser werden die Paraden, wie am 75. Jahrestag zu beobachten ist.

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Im weiteren Verlauf des Artikels von Hebel lässt es sich die Botschafterin des deutschen Gutmenschentums nicht nehmen, einen greisen Rotarmisten, der im Zweiten Weltkrieg für die Befreiung der ganzen Menschheit kämpfte, in herablassender Weise vorzuführen, als dieser für sie unbequeme Bemerkungen über Stalin äußerte. Ihr Artikel strotzt vor Unverständnis, Kälte und Ablehnung gegenüber Russland. Hebel berichtet aus dem Land wie es ein Marsianer, der zum ersten Mal die Erde betritt, tun würde. Damit ist sie nicht allein.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, etwa ein Interview des Deutschlandfunks mit einem Historiker, der die geschichtliche Bedeutung der Schlacht unmissverständlich einordnet, ist die deutsche Berichterstattung zum Stalingrad-Sieg beschämend. Statt die enormen menschlichen Opfer der Sowjetunion und die Bedeutung der Schlacht auch für die Befreiung Deutschlands vom Nazi-Regime zu würdigen, betreibt die deutsche Propagandamaschine unisono eine mediale Fäkalschlacht gegen Russland und die russische Regierung. Es bleibt der kritischen Gegenöffentlichkeit in Deutschland vorbehalten, sich bei den Völkern der ehemaligen Sowjetunion für ihren Heldenmut und ihren Einsatz im antifaschistischen Kampf zu bedanken.

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