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Suspendierter Grundschullehrer und seine "Wahrheit"

Suspendierter Grundschullehrer und seine "Wahrheit"
Viele der Videos des "Volkslehrers" Nikolai N. beginnen mit der Szene vor einer Schultafel. Inzwischen ist die Zahl seiner Abonnenten von rund 2.500 auf mehr als 8.000 gestiegen, worüber er sich freut.
Der Berliner Grundschullehrer Nikolai N. sieht sich zu Unrecht der Volksverhetzung beschuldigt. Auch ein Verschwörungstheoretiker sei er nicht. Er wolle doch nur die „Wahrheit“ herausfinden und sie aussprechen dürfen. Er beruft sich auf die Meinungsfreiheit.

„Reichsbürger – was ist das? Holocaust – ja, gab es, aber ... Terrorismus – eine Erfindung der Geheimdienste ...“ Nikolai N., der Berliner Grundschullehrer, der wegen vermeintlicher Volksverhetzung angezeigt wurde, bleibt gegenüber RT im Ungefähren. Er sagt: „Ich bin nur ein Wahrheitssuchender.“ Das werden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen.

Auf einem eigenen Youtube-Kanal erklärt der 37-Jährige seit ein paar Monaten seine Sicht auf die Welt. Für die Schulverwaltung des Berliner Senats ist er dagegen ein Verschwörungstheoretiker, der auch Antisemitismus verbreiten soll. Vor zehn Tagen wurde er vorläufig vom Dienst suspendiert. Gleichzeitig erstattete die Behörde gegen ihn Anzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Auch eine „Reichsbürgermeldung“ an die Innenverwaltung wurde übermittelt. Eine Vorladung zur Polizei habe er bislang noch nicht bekommen, so Nikolai N. zu RT. Wie es mit seiner beruflichen Laufbahn weitergeht, weiß er noch nicht. Aufgeben will der Pädagoge, der an der Vineta-Schule in Wedding unterrichtet, jedenfalls nicht. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

Bericht: Zahl der Reichsbürger auf 15.600 gestiegen (Symbolbild)

Schwere Vorwürfe stehen im Raum, unter anderem soll er den Holocaust leugnen. Bei einer Demonstration trug er ein Schild, auf dem die Geschichte des Holocaust als "eine voller Lügen" bezeichnet wurde. „Ich leugne ihn nicht, es hat ihn gegeben. Aber bezüglich dieses Themas sind auch Unwahrheiten im Umlauf.“ Welche das sein sollen - eine Antwort darauf bleibt bis zum Ende des Gesprächs offen.

"Ich stelle gern Fragen" 

Zum Vorwurf des Antisemitismus erwidert er: „Ich stelle gerne Fragen und möchte nicht gleich dafür abgestempelt werden. Alles, was ich tue, tue ich im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.“ Dass er ein Reichsbürger sein soll, also jemand der die Bundesrepublik samt deren Behörden und Gesetze nicht anerkennt, versteht er nicht. „Was ist das, wer sind die Reichsbürger? Ich bin grundgesetztreu. Ich halte mich an die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland.“ Zum Thema Terrorismus hat er seine eigene These: „Es gibt keinen Terrorismus, dahinter stecken wahrscheinlich Geheimdienste.“ Den 11. September gäbe es nicht so, wie das präsentiert würde. Laut N. waren es keine Islamisten. Vielmehr sieht er die Welt von „Globalisten“ regiert, also Menschen, die über ein großes Budget verfügten und nur ihren Interessen nachgehen würden. „Ich habe diese These aufgestellt und würde sie auch gerne überprüfen." Als Verschwörungstheoretiker will sich der gebürtige Lüneburger auch nicht sehen: „Was heißt das schon? Das ist doch nur ein Kampfbegriff, den gewisse Personen benutzen, um unliebsame Meinungen zu diskreditieren.“

In seinen nun mehr als 20 veröffentlichten YouTube-Videos präsentiert er als "Der Volkslehrer" seine Position zu verschiedensten Themen oder stellt Fragen. Provoziert. Dass er das gern macht, hat er mehrmals bewiesen. So störte der 37-Jährige auf dem evangelischen Kirchentag durch laute Zwischenrufe - "Ich schweige nicht" - eine Schweigeminute für Menschen, die auf der Flucht ums Leben gekommen sind. Angela Merkel schrie er während eines Vortrags entgegen: „Diese Frau ist keine Kanzlerin des deutschen Volkes, sie ist eine Dienerin der Finanzeliten!“ Im vergangenen Jahr, im Dezember, stürmte er eine Podiumsdiskussion über die AfD in Berlin. Geladen hatte Lea Rosh, Journalistin und Mitinitiatorin des Berliner Holocaustmahnmals. Es kam zu einer Rangelei zwischen ihm und einigen Besuchern der Veranstaltung. An Ende wurde gegen N. eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Er will die Organisatorin auch anzeigen, wegen Beleidigung. In den Texten im Berliner Tagesspiegel, der mehrmals über ihn berichtet hat, sieht N. eine Medienkampagne gegen ihn. Die Chefredaktion des Blattes dementiert dies: „Der Tagesspiegel betreibt keine Kampagnen."

Warum er das alles tut? Als Lehrer, als Pädagoge, der mit Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren arbeitet, die sehr leicht beeinflussbar sind? "Im Unterricht wiederhole ich meine Äußerungen nicht. Und wenn die Eltern nicht wollen, dass sich ihre Kinder meine Videos im Internet angucken, dann sollen sie sie beaufsichtigen." Nikolai N. unterrichtet seit zwei Jahren in der Berliner Vineta-Grundschule Englisch, Musik und Sport. Vorher war er in einer anderen. "Im gegenseitigen Einvernehmen" habe er sie verlassen. Er hat im Musikunterricht mit Schülern über Illuminatenorden diskutiert. Er sagt, er wäre auf die Frage einer Schülerin zu diesem Thema eingegangen. Mit der Schulaufsicht hatte er deswegen zwei Gespräche. Er wurde darauf hingewiesen, dies im Unterricht nicht mehr zu machen. 

Wegen der Äußerungen sorgt er sich nicht. N. beruft sich stets auf Artikel 5 des Grundgesetzes – Meinungsfreiheit. Er möchte damit weitermachen. Er möchte alles überprüfen.

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