In guter Hand? Identitäre wollen Vormundschaften minderjähriger Flüchtlinge übernehmen

In guter Hand? Identitäre wollen Vormundschaften minderjähriger Flüchtlinge übernehmen
Flüchtlinge aus Syrien dekorieren einen Weihnachtsbaum, München, Deutschland, 23. Dezember 2015.
Nach dem Mord von Kandel will die Identitäre Bewegung Vormundschaften für Flüchtlinge übernehmen und sie auf diese Weise in ihrem Sinne formen. In Hamburg stellten sie Plakate von "Multikulti-Opfern" auf und warnten vor einem Kulturbruch durch Islamisierung.

Vormundschaften durch Angehörige der Identitären Bewegung sollen Morde wie jüngst in Kandel künftig verhindern. Ein minderjähriger afghanischer Flüchtling hatte seine deutsche Ex-Freundin in einem Supermarkt erstochen, nachdem die Beziehung in die Brüche gegangen war.

Die Idee zur Aktion, die die Identitären durchaus ernst meinen, entstammt dem Hamburger Teil der Bewegung. Diese rief ihre Mitglieder dazu auf, an Schulungen für die Übernahme solcher Vormundschaften teilzunehmen. Die Identitäre Bewegung, die auch als "völkisch" gilt und bei der einige Verfassungsschutzbehörden "tatsächliche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen" erkennen wollen, sieht die europäische Kultur durch eine zunehmende Islamisierung in Gefahr.

Auf Facebook schrieben die Identitären zu ihrer Plakataktion in Hamburg: 

Georgiy Bagratuni, Anna Bagratuni, Sebastian Berlin, Lukasz Urban, Lena Wahlberg, Ariane Theiller: Niemand spricht mehr über die zahllosen Opfer von Multikulti und Masseneinwanderung. Sie werden vergessen, als Einzelfälle abgetan und somit von Politik und Medien verhöhnt. Gerade dieser Umgang mit den Toten des islamischen Terrors, der unkontrollierten Massenzuwanderung und der fehlgeleiteten Integrationspolitik zeigt, wie verantwortungslos die großen politischen Entscheidungen der letzten Jahre waren.

Vor "falschen Erwartungen an ihr Gastland" warnen

Sevil Dietzel, zuständig für Vormundschaften von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, sagte zu den Ambitionen der Rechten gegenüber VICE

Wir distanzieren uns davon aufs Schärfste. Und wir prüfen auch rechtliche Schritte gegen die Verlinkung auf unsere Webseite. 

Auch der Kinderschutzbund warnt vor Anfragen aus den Reihen der Identitären. Jeder Teilnehmer an Schulungen werde deshalb noch besser überprüft. Die Identitären wollen aber auch ihre eigenen Schulungen durchführen: 

Bereits vor einigen Tagen haben sich einige unserer Aktivisten zum Thema Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von Fachleuten beraten lassen. Demnächst werden wir eigene Schulungen hierzu durchführen. Wir rufen auch andere Patrioten dazu auf, sich auf diesem Feld zu engagieren.

Mit den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen wollen die Identitären unter anderem "über vorhandene falsche Erwartungen an ihr Gastland" sprechen. 

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