Nach rassistischem Tweet: Erste Rücktrittsforderungen aus der AfD an Jens Maier

Nach rassistischem Tweet: Erste Rücktrittsforderungen aus der AfD an Jens Maier
Jens Maier bei einer Pressekonferenz am 25. September 2017 in Leipzig. Der AfD-Abgeordnete wird dem extrem-rechten Parteiflügel um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke zugeschrieben.
Wegen des rassistischen Kommentars über Boris Beckers Sohn wird der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier mit Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei konfrontiert. Seine Äußerungen „würden nicht dem Geist der AfD entsprechen“. Der Parteichef kündigt „Ordnungsmaßnahmen“ an.

Der auf seinem Twitter-Profil veröffentlichte Satz, in dem der Sohn der Tennis-Legende Boris Becker als „kleiner Halbneger“ bezeichnet wurde, sorgte bundesweit für Empörung. Der Tweet ist inzwischen gelöscht, der Druck auf den Bundestagsabgeordneten der Alternative für Deutschland, Jens Maier, nimmt aber zu. Aus der eigenen Partei kamen schon die ersten Rücktrittsforderungen.

Jens Maier ist seit Oktober 2017 AfD-Bundestagsabgeordneter. Vor seinem Einzug ins Parlament arbeitete er als Zivilrichter und fiel mit umstrittenen Parolen auf. Noah Becker stammt aus der ersten Ehe der Tennis-Legende Boris Becker mit der Mode- und Schmuckdesignerin Barbara Becker.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Berliner AfD-Fraktion, Frank-Christian Hansel, twitterte: "Es reicht, Leute! Wenn Ihr Euch oder Eure Mitarbeiter nicht im Griff habt, geht nach Hause! Die AfD braucht keine Leute, die immer noch das primitive Vokabular und den Duktus der 50er Jahre verwenden." Es könne nicht sein, dass immer wieder AfD-Funktionäre mit Facebook- oder Twitter-Posts die Arbeit der gesamten Partei zunichtemachten.

AfD sei "kein Feigenblatt für extremistische Gesinnungen gleich welcher Couleur"

Der sächsische Abgeordnete, der sich selbst als "kleiner Höcke" bezeichnet, behauptet, die rassistischen Zeilen hätte nicht er selbst, sondern ein Mitarbeiter verfasst. Sie bezogen sich auf ein Interview, in dem Noah Becker erklärt hatte, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine „weiße Stadt“. Er selbst sei „wegen meiner braunen Hautfarbe attackiert worden“.

Auch der Berliner AfD-Partei- und Fraktionschef Georg Pazderski distanzierte sich von Maier. Dessen Äußerungen entsprächen „nicht dem Geist und der Programmatik der AfD“, erklärte er am Donnerstag. Die AfD sei „kein Feigenblatt für extremistische Gesinnungen gleich welcher Couleur“, so Pazderski. „Wir gehen davon aus, dass Jens Maier ... das Rückgrat hat, die Verantwortung für die in seinem Namen getätigten Äußerungen zu übernehmen, wie das in einer Demokratie üblich ist.“ Auf Nachfrage sagte ein Fraktionssprecher, Pazderski fordere damit zunächst einmal eine öffentliche Entschuldigung Maiers. Alles Weitere hänge vom Verhalten Maiers ab.

Parteichef kündigt "Ordnungsmaßnahmen" an

AfD-Chef Jörg Meuthen kündigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Beratungen über Sanktionen an. „Wie man es auch dreht und wendet, das ist für mich rassistisch“, sagte der Parteivorsitzende. „Über die Äußerung gibt es in der Partei keine zwei Meinungen. Wenn wir das tolerieren, geht es zu weit. Rassismus wird in unserer Partei nicht toleriert.“ Der Bundesvorstand werde in einer Telefonkonferenz am Montag über die Angelegenheit beraten, „ob es Ordnungsmaßnahmen gibt, und die können weitreichend sein“.

Es gibt aber auch andere Stimmen in der Partei. Vertreter des Rechtsaußen-Flügels betrachten die Reaktion als „völlig überzogen“. Hans-Thomas Tillschneider, Islamwissenschaftler und AfD-Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt, lehnt Sanktionen ab. Der Tweet sei „nicht hilfreich“ gewesen, „das befürworten wir nicht, das heißt aber nicht, dass wir ihn deshalb gleich sanktionieren müssen“. Politiker seien Menschen und machten Fehler, „deshalb sollte man über die Sache hinwegsehen“, sagte Tillschneider der FAZ.

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