Kartellamt: Begründung der Lufthansa für höhere Ticketpreise nicht überzeugend

Kartellamt: Begründung der Lufthansa für höhere Ticketpreise nicht überzeugend
Nach der Air-Berlin-Insolvenz stiegen die Preise für Inlandsflüge. Jetzt rügt das Kartellamt die Fluglinie Lufthansa für ihre Preisgestaltung.
Im Zuge der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin sind die Ticketpreise für manche Inlandsflüge um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Lufthansa bestreitet, an der Preisschraube gedreht zu haben. Den Kartellamtschef kann sie bislang nicht so recht überzeugen.

Hat die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa ihre Marktmacht ausgenutzt und Ticketpreise in unangemessenem Umfang angehoben? Nach dem Aus von Air Berlin, dem bislang in Deutschland wichtigsten Lufthansa-Konkurrenten, waren die Preise für manche Inlandsflüge nach Experteneinschätzungen um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Kranich-Airline beteuert, das Tarifsystem nicht verändert zu haben, sondern das computerbasierte Preissystem habe die Preise automatisch der gestiegenen Nachfrage angeglichen.

Vereinigung Cockpit-Piloten nehmen Tarifvertrag bei der Lufthansa an

Unternehmen können sich "nicht hinter Algorithmen verstecken"

Nach zahlreichen Beschwerden hatte das Kartellamt bereits Ende November eine Prüfung angekündigt. Deren Ergebnis steht noch aus, doch nun hat sich der Chef der Wettbewerbsbehörde ausgesprochen skeptisch über die Argumentation des deutschen Branchenprimus geäußert.

Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, der Süddeutschen Zeitung. Unternehmen könnten sich "nicht hinter Algorithmen verstecken".

Der Kartellamtspräsident räumte in dem Interview ein, dass in einer Marktwirtschaft bei einem knapperen Angebot und weiterhin hoher Nachfrage die Preise steigen. Das sei nach dem Ausscheiden der Air Berlin der Fall gewesen.

Die Frage lautet nun: Ist eine Schwelle übertreten worden, ab der Lufthansa ihre neue Macht missbraucht und die Preise unangemessen heraufsetzt?

Das werde jetzt geprüft. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat den Vorwurf der Preistreiberei wiederholt zurückgewiesen und die hohen Durchschnittspreise vor allem bei Inlandsflügen mit dem knapperen Angebot begründet. "Von 140 ehemaligen Air-Berlin-Flugzeugen stehen 90 am Boden. Wir haben nicht genug Flugzeuge, um die Folgen dieser Sondersituation abzufedern", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Ab Januar bedient Easyjet viele innerdeutsche Strecken

Seit der Insolvenz der Berliner Fluggesellschaft würden jeden Tag 60.000 Sitzplätze fehlen. Der Marktführer ließ bereits mehrmals verlauten, dass mit zusätzlichen Kapazitäten im kommenden Jahr der Engpass überwunden werde. So soll ab Januar die Konzern-Billigtochter Eurowings mit übernommenen Air-Berlin-Fliegern weitere Flüge anbieten. Auch hierzu gab sich Mundt skeptisch:

Wie ernst wollen Sie das nehmen?", fragte er. "Das wäre doch das erste Mal, dass sich ein Konzern selbst echte Konkurrenz macht."

Mehr Wettbewerb ist indes in Sicht: Von Januar an nimmt die britische Billigairline Easyjet innerdeutsche Flüge auf - zwischen Berlin und München, Düsseldorf, Stuttgart sowie Frankfurt.

Mehr zum Thema - Deutschland bekommt monatlich weitere 1.000 Inlandsflüge

(dpa, Reuters, rt deutsch)

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen