Umfrage-Klatsche für Angela Merkel: Jeder zweite Bundesbürger für vorzeitigen Abgang

Umfrage-Klatsche für Angela Merkel: Jeder zweite Bundesbürger für vorzeitigen Abgang
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz im Dezember 2017. Laut einer Umfrage wünscht sich fast jeder Zweite (47 Prozent), dass Merkel ihren Posten vor 2021 räumt.
Fast jeder zweite Bürger wünscht sich einen vorzeitigen Abgang der Kanzlerin. Rund 40 Prozent der befragten Bürger rechnen mit einer Großen Koalition. FDP-Vize Wolfgang Kubicki rief die CDU zur personellen Erneuerung auf.

Die Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung lassen den Rückhalt für Kanzlerin Angela Merkel in der Bevölkerung bröckeln. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wünscht sich inzwischen fast jeder Zweite (47 Prozent), dass die CDU-Vorsitzende im Fall einer Wiederwahl zur Regierungschefin ihren Posten noch vor Ende der Wahlperiode 2021 räumt. Nur 36 Prozent wollen sie für weitere vier Jahre im Amt sehen.

Kurz nach der Bundestagswahl war die Unterstützung für Merkel noch deutlich größer. In einer YouGov-Umfrage Anfang Oktober hatten sich nur 36 Prozent für einen vorzeitigen Abgang Merkels ausgesprochen. Hingegen waren 44 Prozent dafür, dass sie ihren Posten bis 2021 behält.

Der Rückhalt der Kanzlerin im eigenen Lager ist allerdings einigermaßen stabil: Von den Unionswählern sind nur 17 Prozent dafür, dass sie früher geht. 75 Prozent wünschen sich dagegen eine vierjährige Amtszeit. Bei den Wählern des möglichen Koalitionspartners SPD sieht das ganz anders aus: 64 Prozent wollen die Kanzlerin vorzeitig loswerden. Bei den Grünen sind es 40 Prozent, im FDP-Lager 55 Prozent, bei der Linken 67 und bei der AfD 82 Prozent.

Am 7. Januar beginnen die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD über eine Regierungsbildung. Mögliche Ergebnisse sind eine erneute Große Koalition oder eine Minderheitsregierung unter Merkel.

Bei einem Scheitern der Gespräche könnte es aber auch zu einer Neuwahl kommen oder zu einer Wiederaufnahme der Jamaika-Gespräche. Letztere Option gilt den Befragten aber als extrem unwahrscheinlich. Von den 2036 von YouGov befragten Bürgern glauben nur drei Prozent daran, dass diese Entwicklung eintreten wird. 41 Prozent rechnen dagegen mit einer Großen Koalition, 13 Prozent mit einer Minderheitsregierung und 24 Prozent mit einer Neuwahl. Die Wähler von Union und SPD gehen sogar mehrheitlich davon aus, dass die anstehenden Gespräche über eine Regierungsbildung in eine Große Koalition münden. Bei CDU und CSU sind es 56 Prozent, bei der SPD immerhin noch 52 Prozent. 

FDP-Vize Kubicki macht Merkel für das Jamaika-Scheitern verantwortlich

FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat die Union unterdessen zu einer personellen Erneuerung aufgerufen. Gleichzeitig hielt er CDU-Chefin Angela Merkel (CDU) vor, dieser sei es nie darum gegangen, Jamaika hinzubekommen. "Sie hat daran gebastelt, die Fortsetzung der Großen Koalition zu erreichen. Das ist ihr gelungen", sagte Kubicki den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Chance für eine Neuauflage von Schwarz-Rot liege seiner Meinung nach bei 80 Prozent.

Unter den gegebenen Umständen sieht Kubicki keine Chancen mehr für Jamaika. "Wir werden auch nicht aktiv auf irgendjemanden zugehen. Aber: Eine neue Lage bedeutet neues Denken und neues Personal bedeutet neue Gesprächsebenen. Wir müssen das abwarten: Robert Habeck und Annalena Baerbock sind noch nicht als neue Parteichefs der Grünen gewählt, Markus Söder hat sich in der CSU nur mittelprächtig durchgesetzt." Bei der Union gebe es noch keine Veränderungen. "Aber das wird notwendig sein. Die Freien Demokraten sind nicht dafür gewählt worden, eine Kanzlerschaft von Angela Merkel zu sichern."

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Kubicki betonte, ihm wäre "eine Koalition mit einer erneuerten CDU/CSU am liebsten". Er fügte hinzu: "Nach Neuwahlen wären die Hürden dafür nicht so groß." Es sei nicht seine Aufgabe, zu sagen, Merkel müsse weg, so Kubicki. "Die Union muss selbst wissen, wie sie aus dem Jammertal der knapp 30 Prozent rauskommen will." Es gebe in der CDU eine ganze Reihe guter Leute, die für eine Erneuerung stünden. Namentlich nannte er CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn und den schleswig-holsteinischen CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther.

Auch FDP-Chef Christian Lindner schloss kürzlich eine Regierungsbeteiligung unter Angela Merkel aus. Eine Neuauflage von Jamaika-Gesprächen sei nur mit neuem Personal möglich. "Auch bei der CDU gibt es irgendwann vielleicht andere Wahlprogramme und andere Entscheider, die eine Neubewertung der Lage erlauben", sagte Lindner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

(rt deutsch/dpa)

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