Anschlag auf BVB-Bus: Prozess gegen Sergei W. beginnt

Anschlag auf BVB-Bus: Prozess gegen Sergei W. beginnt
Der BVB-Bus nach dem Anschlag, Signal-Iduna-Park, Dortmund, Deutschland, 11. April 2017.
Heute begann der Prozess am Dortmunder Landgericht wegen des Bombenanschlags auf den BVB-Bus am 11. April. Vor Gericht steht ein Einzeltäter, Sergei W. (28), der sich nun wegen Mordes verantworten muss. Sein Motiv: Geldgier. Der Anschlag sollte ihm Börsengewinne einbringen.

Am 11. April wurden durch den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus der Abwehrspieler Marc Bartra sowie ein Polizist verletzt. Die Sprengsätze detonierten, als der Bus auf dem Weg zum Champions-League-Viertelfinalspiel gegen den AS Monaco war. Zur Tatzeit befanden sich 26 Personen in dem Bus. Das Spiel wurde anschließend um einen Tag verschoben. Zunächst war man von einem extremistischen Tathintergrund ausgegangen. Dann wurde deutlich, dass der mutmaßliche Täter aus Habgier handelte. Er setzte an der Börse auf Kursverluste im Zuge seines Attentats auf die BVB-Mannschaft. Zehn Tage nach der Tat wurde er festgenommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stellte man Aufzeichnungen sicher, in denen es um ideale Frequenzen für Fernsteuerungen ging. Der 28-Jährige war Elektrotechniker und stammte aus dem Raum Tübingen. Komplizen hatte er den Ermittlungen nach keine. 

Bei dem Anschlag auf den BVB-Bus wurde der Spieler Marc Bartra  am rechten Unterarm schwer verletzt. Ein Polizist, der auf einem Motorrad den Bus begleitete, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.

Die Anschuldigungen gegen Sergei W. lauten: versuchter Mord, Initiierung einer Explosion und gefährliche Körperverletzung. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke

Das war schon eine Extremsituation. Wir haben intensiv beobachtet, ob sich bei dem einen oder anderen Spieler eine posttraumatische Störung entwickelt hat. Diese Gefahr ist nach fünf, sechs Monaten am größten. Das hatten wir alles auf dem Schirm." 

Marc Bartra, der sich am Arm verletzte: 

Wir dachten alle, dass wir jetzt sterben. Einige Spieler haben sich auf den Boden geworfen und den Busfahrer angeschrien, dass er uns wegbringen soll. Wir wussten ja nicht, ob es noch mehr Bomben geben würde oder ein Killerkommando in den Bus stürmt und uns erschießt."

Der Verteidiger von Sergei W., Carl W. Heydenreich, beantragte einen Befangenheitsantrag. Als Grund hierfür gab er mediale Vorverurteilung an. Sein Mandant habe keine Tötungsabsicht verfolgt: 

Nur ein einziger Metallstift ist im Bus gelandet, nur ein einziger hatte nachweislich Kontakt mit dem Bus. Wenn ein Spieler unbedingt aus fünf Metern das leere Tor nicht trifft, fragen Sie sich zwangsläufig: Wollte er nicht oder konnte er nicht?" 

In den Bomben, die entlang der Fahrstrecke platziert wurden, waren Metallbolzen. Die Verhandlungen mit dem heutigen Prozessauftakt dauern bis zum 28. März 2018 an. Die Staatsanwaltschaft zählte 96.000 Optionsscheine, mit denen Sergei W. auf den Kurssturz der BVB-Aktien spekulierte.