Evakuiertes Hochhaus in Dortmund - Hunderte Mieter feiern Weihnachten in Notwohnungen

Evakuiertes Hochhaus in Dortmund - Hunderte Mieter feiern Weihnachten in Notwohnungen
Der 16-stöckige Wohnkomplex am Vogelpothsweg in Dortmund-Dorstfeld musste am 21. September geräumt werden. Wann die Bewohner zurückkehren, ist unklar.
Das Hochhaus „Hannibal 2“ in Dortmund wurde im September über Nacht geräumt. 752 Bewohner mussten innerhalb von einer Stunde ihr Zuhause verlassen. Nur rund 200 haben bis jetzt eine dauerhafte Bleibe. Hunderte feiern das Weihnachtsfest in Notwohnungen.

Es bestand Gefahr für Leib und Leben: Mit dieser Begründung wurde am 21. September das Hochhaus „Hannibal 2“ in Dortmund leergeräumt. Rund 760 Menschen in 412 Haushalten waren von der Evakuierung betroffen. In weniger als einer Stunde mussten sie ihr Zuhause verlassen, konnten nur das Nötigste mitnehmen. Nur rund 200 haben inzwischen eine feste Bleibe gefunden. Nach knapp drei Monaten leben die meisten der 752 Bewohner des evakuierten Wohnkomplexes am Vogelpothsweg in Dortmund-Dorstfeld weiterhin in Übergangslösungen wie kommunalen Wohnungen oder Heimen.

Am vergangenen Samstag protestierten die Betroffenen in der Dortmunder Innenstadt, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen. Sie forderten finanzielle Entschädigung, Ersatzwohnungen oder Hotelzimmer. „Ich habe von der Räumung im Krankenhaus erfahren“, sagte Demo-Teilnehmerin Ginda Mathiak der Zeitung Westfälische Rundschau. Ihre Söhne hätten eine Notwohnung mit den Behörden organisieren müssen. Die liege am anderen Ende der Stadt. Versprechungen, Umzugswagen oder Taxikosten würden übernommen, habe die Stadt gebrochen.

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„Die Stadt hat für die Bewohner des leergezogenen Hauses Anlaufstellen geschaffen, die sich genau um solche Probleme kümmern“, sagte Frank Bußmann, Leiter der Pressestelle der Stadt Dortmund, zu RT. Die Stadt gehe in Vorkasse, um den Betroffenen schnellstmögliche Hilfe zu gewährleisten. Die entstandenen Kosten will sie sich vom Betreiber des 16-stöckigen Gebäudes erstatten lassen. Es handelt sich inzwischen um eine sechsstellige Summe.

Sanierung hat noch nicht begonnen

Der Eigentümer ist die Berliner Firma „Intown“. Sie hält die Räumung des Wohnkomplexes als nicht rechtens und überstürzt. Deswegen hat sie die Stadt auch verklagt. Sie wiederum veranlasste die Evakuierung wegen akuter Brandgefahr. „Die schwerwiegendsten Mängel betreffen die Schächte und defekten Schleusen, über die eine Rauchverteilung von der Tiefgarage in die oberen Etagen erfolgen und damit nicht nur die Wohnungen verrauchen, sondern auch den Rettungsweg abschneiden würde,“ so die Stadt. Bei der Behebung der Mängel sieht sie ausschließlich den Vermieter in der Pflicht. Die Sanierung sollte nach Einschätzungen von Experten rund zwei Jahre dauern. Bis jetzt wurde nichts gemacht. "Derzeit finden gutachterliche Untersuchungen und Bewertungen notwendiger baulicher Maßnahmen statt", teilte das Berliner Unternehmen RT mit. "Wann das Gebäude der Nutzung wieder zugeführt werden kann, ist derzeit noch offen."

Wenn die Betroffenen etwas aus der Wohnung holen möchten - sei es Kleidung oder Möbel - können sie nur nach Vereinbarung mit dem Betreiber. Zurück in sein Zuhause darf noch niemand.

In Wuppertal gab es auch eine Zwangsräumung

Ein Hochhaus in Wuppertal musste ebenfalls wegen erhöhtem Brandrisiko im Juni geräumt werden. Der Besitzer war die gleiche Firma aus Berlin. Die rund 70 Bewohner des elfstöckigen Gebäudes im Stadtteil Oberbarmen konnten aber nach rund einem Monat wieder zurück in ihre Wohnungen. Die Immobilienfirma hatte die brennbare Kunststoff-Fassade an den Treppenhäusern und Laubengängen entfernt, die als Ursache für die Räumung angeführt wurden.

Auslöser für beide Evakuierungen war eine Neubewertung des Risikos nach dem Brand des Londoner Grenfell Towers im Juni mit mindestens 80 Toten.

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