Alexanderplatz und Dom in Berlin - Anis Amri hatte womöglich weitere Anschlagsziele im Visier

Alexanderplatz und Dom in Berlin - Anis Amri hatte womöglich weitere Anschlagsziele im Visier
Auf dem Alexanderplatz eröffnete am Freitag eine neue Polizeiwache. Kann damit ein Anschlag verhindert werden?
Anis Amri soll neben dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz auch den Alexanderplatz und den Lustgarten am Berliner Dom als mögliche Anschlagsziele im Visier gehabt haben. Bereits bei der Einreise soll er sein Attentat geplant haben.

Der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, hatte einem Medienbericht zufolge möglicherweise noch andere Anschlagsziele in Berlin im Visier. Amri habe neben dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz auch den Alexanderplatz und den Lustgarten am Berliner Dom ausgekundschaftet, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland(RND) am Freitag unter Berufung auf Akten der ermittelnden Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts (BKA).

Viermal inspizierte der Tunesier laut RND den Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz – zuletzt nur wenige Stunden vor dem Anschlag an der Gedächtniskirche. Auf Amris Handy, das er am Tatort zurückließ, fanden die Ermittler außerdem Selfies vom Attentäter im Lustgarten vor dem Berliner Dom.

Der RND schreibt unter Berufung auf die Akten weiter, dass die Ermittler zu dem Schluss kämen, dass der stark frequentierte Bereich vor der Kirche als mögliches Anschlagsziel ein ähnliches Profil wie der Breitscheidplatz und der Alexanderplatz aufweist.

Abu Walaa Ende September 2017 vor dem Oberlandesgericht Celle.  Der 33-jährige muss sich wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der IS-Terrormiliz verantworten.

Laut einem Pressebericht hatte Anis Amri in Berlin auch den Alexanderplatz und den Bereich am Berliner Dom als mögliche Anschlagsziele im Visier. Das gehe aus Akten der ermittelnden Generalbundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Nach Recherchen der Berliner Zeitung soll Amri seine Tat im Auftrag der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) seit seiner Einreise nach Deutschland geplant haben. Demnach habe er in direkten Kontakt mit IS-Extremisten in Libyen gestanden und konkrete Anweisungen von dort erhalten.

In einem LKA-Dokument aus NRW heißt es, Amri sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" durch Gespräche mit Beschuldigten des Abu-Walaa-Netzwerkes "zur Verübung des Anschlags in Berlin angeworben" worden. 

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele kritisierte, Behörden hätten schon im Februar 2016 Kenntnis über konkrete Anschlagspläne Amris gehabt, über die sich der Attentäter in abgehörten Chats mit libyschen IS-Kämpfern ausgetauscht habe. 

Das Bundeskriminalamt kannte diese Protokolle."

Es wäre dem Generalbundesanwalt aufgrund dieser Verdachtstatsache möglich gewesen, einen Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung" zu erwirken. Jedoch sei Amri aus kaum nachvollziehbaren Gründen nicht einmal lückenlos observiert worden.

Der Geheimdienstexperte Ströbele halte es

für sehr wahrscheinlich, dass Amris Kontakte nach Libyen einen besonders hohen Wert für ausländische Nachrichtendienste hatten."

Die neuen Berichte reihen sich in eine Serie mehrerer fataler Pannen im Umgang der deutschen Behörden mit dem als islamistischen Gefährder eingestuften Amri.

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Am 19. Dezember 2016 war Amri mit einem gestohlenen Laster in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland waren zwölf Menschen getötet und annähernd 100 Menschen verletzt worden. Amri wurde einige Tage später auf der Flucht von italienischen Polizisten erschossen.