Ende einer deutschen Erotik-Pionierin: Beate Uhse AG muss Insolvenz anmelden

Ende einer deutschen Erotik-Pionierin: Beate Uhse AG muss Insolvenz anmelden
Beate Rotermund-Uhse mit Models in Flensburg, Deutschland, 4. August 2000.
Der Erotikhändler Beate Uhse AG muss als Holding Insolvenz anmelden. Die Tochtergesellschaften bleiben davon unberührt. Gespräche zur Umschuldung einer Anleihe von 30 Millionen Euro brachten keine Ergebnisse und machten den Insolvenzantrag unausweichlich.

Mit einem Insolvenzantrag aufgrund von Überschuldung entging Beate Uhse einer drohenden Zahlungsunfähigkeit mit anschließender Zwangsverwaltung. Auslöser waren gescheiterte Gespräche, in denen die Holding Gläubiger von der Umschuldung einer Anleihe in Höhe von 30 Millionen Euro überzeugen wollte. 

Das Unternehmen teilte dazu mit: 

Der Vorstand hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Sanierung der gesamten Gruppe in Eigenverwaltung nachhaltig umzusetzen. 

Dazu, dass nur die Holding betroffen ist und nicht die Tochtergesellschaften, sagte das Unternehmen: 

Damit halten die operativen Gesellschaften in Deutschland und in den Niederlanden ihren Geschäftsbetrieb uneingeschränkt aufrecht und die Handlungsfähigkeit wird gesichert. 

Michael Specht, Vorstand von Beate Uhse, glaubt an die Möglichkeit einer Sanierung. Eine Rückzahlung der Anleihe wäre im Sommer 2019 fällig geworden. 

Die schlechte Geschäftsentwicklung ist vor allem dem zunehmenden Angebot an Erotikangeboten im Netz geschuldet. Das Unternehmen versuchte sein Onlineangebot zu erweitern. Viele Filialen des Erotikhändlers mussten schließen. Die Firmengründerin Beate Uhse war Pilotin und Unternehmerin. Ihren ersten Laden eröffnete sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Flensburg. Sie wird oft als Wegbereiterin einer vermeintlich offeneren und freieren Gesellschaft beschrieben, einer ihrer Beinamen lautet "Mutter Courage des Tabubruchs". Für ihre Verdienste erhielt sie 1989 das Bundesverdienstkreuz. 

Im Jahr 1951 gründete sie das "Versandhaus Beate Uhse". Dieses hatte zu Beginn 14 Angestellte. In den 1960er Jahren konnte sie bereits fünf Millionen Menschen zu ihren Kunden zählen. Der erste Sexshop unter Beate Uhse trug den Namen "Fachgeschäft für Ehehygiene". Im Jahr 1999 ging das Unternehmen an die Börse.