Es war einmal Russland: Verfassungsschutz warnt jetzt vor Einflussnahme chinesischer Geheimdienste

Es war einmal Russland: Verfassungsschutz warnt jetzt vor Einflussnahme chinesischer Geheimdienste
Chinesische Flaggen vor dem Besuch des chinesischen Premierministers Li Keqiang in Berlin, Deutschland, 1. Juni 2017.
Der chinesische Geheimdienst mache sich soziale Netzwerke wie LinkedIn zu Nutze, um Deutsche zur Spionage zu überreden, so der Verfassungsschutz. Besonders Mitarbeiter des gehobenen öffentlichen Diensts seien ein Angriffsziel. Ersetzt die chinesische Gefahr die russische?

Im Jahr 2016 warnte der Bericht des Verfassungsschutzes vor der Einmischung Russlands in die Bundestagswahlen. Jetzt wird vor den Chinesen gewarnt. 

Die Zahl der Angegriffenen belaufe sich auf mehr als 10.000 deutsche Staatsbürger. Ziel sei die deutsche Wirtschaft. LinkedIn soll die falschen Nutzerprofile gelöscht haben. Der Verfassungsschutz hatte acht von ihnen öffentlich gemacht und damit auch die Institute, die diese operieren. Die chinesische Regierung weist die Anschuldigungen als "grundlos" von sich.

Verfassungsschutzpräsident Maaßen während der Präsentation des neuesten Jahresberichts des Geheimdienstes.

Hans Georg-Maaßen, Verfassungsschutz-Präsident: 

Chinesische Nachrichtendienste nutzen neue Angriffsstrategien im digitalen Raum. Soziale Netzwerke, insbesondere LinkedIn, werden im großen Stil zur Abschöpfung und Quellenwerbung genutzt. Es handelt sich um den breit angelegten Versuch der Infiltration insbesondere von Parlamenten, Ministerien und Behörden.

Bis September untersuchte eine eigens ins Leben gerufene Gruppe des Verfassungsschutzes die versuchte chinesische Einflussnahme. Deren Ergebnis war die Feststellung, dass China eine Reihe von Fake-Profilen unterhielt. Die falschen Identitäten waren in ihren Profilen Wissenschaftler, oder Mitarbeiter von Headhunting- und Consulting-Firmen.

Ein gewisser Jason Wang sei Manager von Corporate Relations China at AFEC (Association France Euro-Chine). Die falschen Identitäten trugen die Namen: Laetitia Chen, Allen Liu, Evan Han, Alex Li, Leo Jana, Rachel Li und Lily Wu. Anfang Februar äußerte sich Maaßen zu Spionage-Versuchen der Chinesen gegen deutsche Regierungsbeamte. Auch das Kanzleramt sei betroffen gewesen.