Nürnberg: Obdachloser schläft im Altpapier-Container und wird in den Mülllaster gekippt

Nürnberg: Obdachloser schläft im Altpapier-Container und wird in den Mülllaster gekippt
Symbolbild: Ein Mitarbeiter der Müllabfuhr leert einen Abfalleimer.
In Nürnberg legt sich ein Obdachloser in einen Altpapier-Container schlafen. Morgens kippt ihn die Müllabfuhr mit dessen Inhalt in ihren Wagen - er wird lebensgefährlich verletzt. Der Fall verdeutlicht ein Problem, das in Deutschland zusehends wächst.

Die Nächte sind kalt, Temperaturen fallen auf unter null Grad. Ein frierender Obdachloser hält einen Altpapier-Container für einen geeigneten Schlafplatz und legt sich hinein. Frühmorgens leeren die Mitarbeiter der Nürnberger Abfallwirtschaft die Tonnen, ohne zu wissen, dass sich darin ein Mensch befindet. Der Mann wird samt Papierunrat ins Innere des Mülllasters gekippt.

Obdachlose Frau in New York, USA, 4. Januar 2016.

Als der Wagen losfährt, hört der Arbeiter auf dem Trittbrett plötzlich Hilferufe aus dem Laderaum. Sofort lässt er den Lastwagen und das Schubwerk stoppen, das den Papiermüll im Innern zusammenschiebt. Zunächst finden die Mitarbeiter niemanden. Erst nachdem sie reichlich Altpapier beiseitegeschoben haben, entdecken sie den 41-Jährigen. Laut der Nürnberger Polizei erlitt der Mann schwere innere Verletzungen und schwebt in Lebensgefahr.

Im kommenden Jahr bis zu 1,2 Millionen Menschen obdachlos

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das sich in Deutschland zusehends verschärft. Im Jahr 2016 waren rund 860.000 Menschen, darunter etwa 440.000 anerkannte Flüchtlinge, bundesweit ohne Wohnung. Seit 2014 gab es einen Anstieg um rund 150 Prozent, wie kürzlich die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) mitteilte. Für das laufende und das kommende Jahr rechnet die Institution mit einem weiteren Zuwachs um 350.000 auf dann rund 1,2 Millionen Menschen.

Nicht nur die Zuwanderung würde zu dieser Entwicklung beitragen. Die wesentlichen Ursachen für Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit lägen in einer seit Jahrzehnten verfehlten Wohnungspolitik in Deutschland - in Verbindung mit einer unzureichenden Armutsbekämpfung, betonte BAG W-Geschäftsführer Thomas Specht kürzlich.

"Viele ertragen zu viele Menschen um sich herum nicht"

Die Probleme mit zunehmender Obdachlosigkeit kennt auch Nürnberg, aber keiner müsse doch im Papiercontainer übernachten, erklärte ein Vertreter des städtischen Amts für Existenzsicherung und soziale Integration. Dafür gebe es im Winter 150 Plätze in Notschlafstellen, die freie Träger oder eine Einrichtung der Stadt betreiben würden. In diesen Unterkünften liege die Auslastung in der Regel bei rund 90 Prozent, es gebe immer unbelegte Restplätze.

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Warum sich der Obdachlose für einen Container als Übernachtungsort entschied - darüber kann der Behördenvertreter nur spekulieren. Es gebe obdachlose Menschen, die womöglich viele Schlafgenossen "auf einem Fleck" nicht ertrügen. Diese zögen dann Schlafplätze unter Brücken oder in Containern den Notunterkünften vor, weil sie ihre Ruhe haben wollten. Viele Obdachlose seien zudem drogenabhängig und daher nicht Herr ihrer Sinne, sagte er. Wo die Menschen letztlich übernachteten, "können wir nicht steuern".

(rt deutsch/dpa)