Nach Änderung von EU-Reglement für Frischfleisch: Deutscher Döner angeblich in Gefahr

Nach Änderung von EU-Reglement für Frischfleisch: Deutscher Döner angeblich in Gefahr
Dönerimbiss in Antalya, Türkei, 17. Januar 2006
Die EU will Phosphat im Tiefkühl-Döner verbieten. Imbisse, die auf Drehspieße aus der Tiefkühltruhe zurückgreifen, stellt dies vor ein Existenzproblem. Auch in Bratwürsten und Kassler ist Phosphat enthalten. Aber hieran nimmt die EU bisher keinen Anstoß.

Das Phosphat, an dem die EU Anstoß nimmt, macht die Fleischmasse auf dem Dönerspieß fest, Wasser wird gebunden und tritt nicht aus. Für Imbissbetreiber sind Tiefkühl-Döner die preisgünstigste Variante. Weshalb die EU keinen Anstoß an Bratwürsten und Kassler nimmt, in denen ebenfalls Phosphat enthalten ist, begründet Brüssel damit, dass diese "nicht roh" seien. In Frischfleisch ist Phosphat seit 2014 erlaubt.

Die Gesundheitsexpertin des EU-Umweltausschusses, Susanne Melier, erklärt das angestrebte Verbot: 

Es ist bisher nicht zweifelsfrei geklärt, ob sich Phosphate negativ auf das Herz-Kreislauf-System des Menschen auswirken." 

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Die Döner-Betreiber wollen sich nicht dem geplanten EU-Verbot ergeben. Der größte Döner-Produzent in Europa stammt aus Berlin. Remzi Kaplan, der auch als "Döner-König Kaplan" bekannt ist, hat seine Anwälte eingeschaltet:

Döner-Diskriminierung darf es nicht geben!"

Dem Döner-Kollegen pflichtet auch ein Geschäftsmann aus der Bratwurstindustrie bei. Gero Jentzsch ist Sprecher des Deutschen Fleischerhandwerks. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte er: 

Dieses Döner-Exempel ist nicht nachvollziehbar."

Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft den Döner-Genuss als "mäßiges Risiko" ein. An dem Tiefkühl-Döner hängen in Deutschland rund 110.000 Arbeitsplätze. Täglich werden in der EU 500 Tonnen Döner hergestellt, davon 80 Prozent in Deutschland. Ursprünglich wurde für den Döner in der Türkei nur Hammel- oder Lammfleisch verwendet. Nun gibt es auch Kalb-, Rindfleisch und Geflügeldöner. Zum Döner werden Salate oder Reis als Beilage gereicht. Die Imbisse servieren das Fleisch in einem aufgeschnittenen Fladenbrot, oder als  gerollten "Dürüm Döner". 

Eine der ersten Aufzeichnungen einer Döner-Erfahrung durch einen Ausländer stammt aus dem Jahr 1836 vom Militärberater des Osmanischen Reiches, Helmuth von Moltke: 

Unser Mittagsmahl nahmen wir ganz türkisch beim Kiebabtschi ein. Dann erschien auf einer hölzernen Scheibe der Kebab oder kleine Stückchen Hammelfleisch, am Spieß gebraten und in Brotteig eingewickelt, ein sehr gutes, schmackhaftes Gericht."

Die deutsche Variante mit Salat in einem Fladenbrot soll der Gastarbeiter Kadir Nurman 1972 erfunden haben, der den deutschen Arbeitern ein Gericht auf die Hand nach türkischer Art anbieten wollte.