Corbyn als Vorbild - Oskar Lafontaine wirbt für neue linke Bewegung in Deutschland

Corbyn als Vorbild - Oskar Lafontaine wirbt für neue linke Bewegung in Deutschland
Oskar Lafontaine, der Gründer der Linkspartei, kritisiert unhaltbare Zustände bei der Partei die Linke und fragt sich, ob er in der SPD hätte mehr bewirken können. Er plant, linke Kräfte in Deutschland in einer Bewegung zu bündeln- inspiriert von Großbritannien, Spanien und Frankreich.

Vor mehr als zwölf Jahren trat Oskar Lafontaine aus der SPD und fragt sich nun, ob er innerhalb der SPD mehr hätte bewirken können, so der 74-Jährige in einem Interview mit der „Saarbrücker Zeitung“. Von 1995 bis 1999 war er SPD-Vorsitzender, bis er den rot-grünen Regierungskurs 1999 nicht mehr mittragen wollte und seine Ämter niederlegte. Im Jahr 2005 wechselte er zur WASG, der Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit. Lafontaine setzte sich für deren Bündnis mit der PDS ein und im Jahr 2007 entstand mit seinem Einsatz die Partei Die Linke.

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Derzeit beschäftigt sich die Linke jedoch scheinbar ebenso viel mit innerparteilichen Querelen wie mit der Frage nach gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Unter anderem geht es um Ausschlussanträge gegen Landesvorstandsmitglieder. Lafontaine führt das auf den „unhaltbaren Zustand“ zurück, dass die Bundestags- und Landtagsmandate in Vollversammlungen der Mitglieder vergeben werden, das belohne

Gerüstbauer vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, 31. Oktober 2013.

denjenigen, der die meisten Leute herankarrt und genügend Geld hat, um Mitgliedsbeiträge für andere zu bezahlen. Mitglieder mit geringem Einkommen haben dann keine Chance mehr – als wären wir wieder im Drei-Klassen-Wahlrecht.“

Das Ziel der Parteigründer war es laut Lafontaine, den Sozialabbau zu stoppen und die Sozialdemokraten zu zwingen, wieder eine sozialere Politik zu machen.

Einen stärkeren Sozialabbau hat sich die jeweilige Bundesregierung seit unserem Einzug ins Parlament nicht mehr getraut.“

Doch habe die Linke ihr Ziel nicht erreicht, die Sozialdemokratie zu einer Kurskorrektur zu bringen.

In Europa, aber auch in Deutschland, verlieren die linken Parteien immer mehr an Einfluss, zusammen haben Linke und SPD nicht einmal mehr 30 Prozent."

Daher wirbt Lafontaine jetzt für eine neue Bewegung in der linke Kräfte gebündelt sind. Als Inspiration dienen ihm dafür

Corbyn in Großbritannien – eine glaubwürdige Person und ein Programm für die Mehrheit. Oder Podemos und 'La France insoumise' in Spanien und Frankreich, eine aus der Gesellschaft heraus entstehende Sammlungsbewegung.

Strahlendes Gesicht: Nach zwei Jahren der Anfeindungen durch Mainstream-Medien und dem Establishment seiner eigenen Partei geht Jeremy Corbyn aus den britischen Parlamentswahlen als Sieger hervor.

Anschließen können sich all jene

die mehr soziale Gerechtigkeit wollen und für eine friedliche Außenpolitik eintreten“. 

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Bisher habe die SPD die seitens der Linkspartei angebotene Zusammenarbeit ausgeschlagen. Dennoch habe ihn deren Niederlage bei der Bundestagswahl geschmerzt, nicht zuletzt, weil deren Unterstützung für sein Ziel, politisch etwas zu bewegen, gebraucht worden wäre.

Ich stelle mir natürlich manchmal die Frage, ob ich innerhalb der SPD mehr hätte bewirken können. Aber das ist vergossene Milch. Das Ziel, mehr soziale Gerechtigkeit durchzusetzen, bleibt. Nur diesem Ziel diente die Gründung einer linken Partei und deshalb hoffe ich auf eine aus der Gesellschaft heraus entstehende neue Sammlungsbewegung der politischen Linken.“