Was, wenn jetzt der Russe kommt? - Über die Hälfte der deutschen Leopard-Panzer nicht einsatzbereit

Was, wenn jetzt der Russe kommt? - Über die Hälfte der deutschen Leopard-Panzer nicht einsatzbereit
Noch fahren sie: Leopard 2-Panzer der Bundeswehr bei einer Übung im September in Munster.
Berichte über mangelnde Ausrüstung und nicht einsatzbereites Gerät begleiten die Bundeswehr seit Jahren in trauter Regelmäßigkeit. Nun wurde bekannt, dass über die Hälfte der Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 nicht einsatzbereit sind. Alle Truppenteile sind von Mängeln betroffen.

Die Bundeswehr kann mehr als die Hälfte ihrer Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 einem Medienbericht zufolge nicht einsetzen. Von den 244 Panzern seien lediglich 95 einsatzbereit, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Donnerstag. Sie berufen sich nach eigenen Angaben auf eine Übersicht des Bundesverteidigungsministeriums. Demnach werden 53 Fahrzeuge dieses Typs derzeit umgerüstet. Sieben stünden bei Industrie und Prüfstellen, weitere 89 seien „nutzungsbedingt ausgefallen“. Sie könnten nicht repariert werden, weil offenbar Ersatzteile fehlten.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich, bezeichnete das als „unfassbar“. Trotz aller Bekundungen der Spitze des Ministeriums lägen „tiefgreifende Mängel“ vor, die struktureller Art seien, so der SPD-Politiker gegenüber der Funke-Mediengruppe.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf ihrem Weg nach Camp Castor in Mali

Bereits frühere Berichte deuteten darauf hin, dass die Bundeswehr bei der Nutzung ihrer Kampffahrzeuge häufig mit technischen Problemen zu kämpfen hat. So stellte sich im April dieses Jahres heraus, dass rund die Hälfte der deutschen Panzerfahrzeuge, die im Rahmen einer UNO-Mission nach Mali gebracht wurden, aufgrund von Hitze, Staub und unwegsamen Gelände nicht mehr an Einsätzen teilnehmen konnten.

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Mangelerscheinungen in allen Truppenteilen

Damals räumte der stellvertretende Kommandant des deutschen Kontingents ein, dass die Truppen hinsichtlich ihrer Ausrüstung an ihre Grenzen stoßen. Nach dem Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers in dem afrikanischen Land im Juli wurden erneut Klagen über den Zustand der Ausstattung laut. Erst Anfang Oktober kamen die Tiger-Hubschrauber in Mali wieder zum Einsatz, zunächst mit Einschränkungen beim Gewicht, der Geschwindigkeit und beim Autopiloten.

Der Chef des Bundeswehrverbands sagte bereits Ende Februar gegenüber der Rheinischen Post, der Bundeswehr fehle es praktisch an allem, „wo auch immer Sie hinschauen“. Der Mangel erstrecke sich von einsatzbereiten Hubschraubern und Flugzeugen über Munitions- und Ersatzteilbestände bis hin zu Nachtsichtgeräten, so André Wüstner.

Wir haben die kleinste Bundeswehr aller Zeiten mit der größten Anzahl an Aufträgen und Aufgaben aller Zeiten – das funktioniert nicht mehr“, unterstrich er.

Um die dafür nötigen Beschaffungsvorhaben auf den Weg zu bringen zu, müsste der Verteidigungsetat nach Ansicht Wüstners deutlich erhöht werden. Zuvor war bekannt geworden, dass im Jahr 2016 gut die Hälfte der Eurofighter-Kampfjets nicht einsatzbereit waren. Bei den Tornado-Kampfflugzeugen lag die Einsatzbereitschaft gar nur bei 44 Prozent.

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