ProSiebenSat.1-Chef Eberling über seine Zuschauer: "Ein bisschen fett und arm"

ProSiebenSat.1-Chef Eberling über seine Zuschauer: "Ein bisschen fett und arm"
Gab eine verblüffende Einschätzung über sein Publikum: Der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1 Thomas Ebeling.
Die Senderkette ProSiebenSat.1 steckt in der Krise. Schon seit Monaten befindet sich die Aktie des Medienunternehmens im freien Fall. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Eberling steht stark unter Druck und leistete sich nun einen fulminanten Arroganz-Anfall.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten hat sich der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media SE Thomas Ebeling diffamierend über einen Teil seines Publikums geäußert.

Sie sind Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen, so Eberling im Telefonat.

Die Sache kam ans Licht, nachdem das Medienmagazin dwdl.de Teile aus dem Transkript des Telefonats veröffentlichte. Laut dwdl.de habe der Pro7-Chef auf die hartnäckige Nachfrage eines Analysten hin versucht zu erklären, warum der Konkurrenzdruck von Streamingdiensten wie Netflix für den Medienkonzern keine Bedrohung sei. 

In seiner Antwort skizzierte Ebeling dann auf ein übergewichtige und arme Kernzielgruppe, die sich seiner Meinung nach „nicht ändern wird“. Ein Abonnement bei Netflix kostet zwischen 7,99 und 9,99 Euro – je nach Abo-Modell. Zwar regierte die Sendergruppe recht zügig auf die unglücklichen Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden, doch ein Dementi gab es nicht. Ein Sprecher teilte lediglich mit:

Die im Englischen getroffene Bemerkung im Analysten-Call war eine zugespitzte Aussage im Zusammenhang mit einer provokanten Frage durch einen französischen Analysten. Wenn man die Bemerkung aus dem Kontext zieht und wortwörtlich übersetzt, kann dies womöglich missverstanden werden.

Die verbale Entgleisung kommt für Ebeling zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Laut Insidern sucht der Aufsichtsrat der Sendergruppe schon seit längerem nach einem Nachfolger für Ebeling. Grund dafür ist unter Anderem der anhaltende Niedergang des Aktienkurses. Die Senderkette hatte am Donnerstag ihre Prognosen für 2017 nach unten korrigiert, die Aktie verlor danach mehr als neun Prozent. 

Ebeling ist seit 2009 im Amt, sein Vertrag läuft noch bis 2019. Er hatte bereits vor einem Jahr erklärt, keine weitere Amtszeit anzustreben. „Manche in der Zentrale in Unterföhring erwarten, dass er maximal bis zur kommenden Hauptversammlung Mitte Mai 2018 im Haus bleiben wird“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Eine ProSieben-Sprecherin sagte: „Der Aufsichtsrat setzt selbstverständlich rechtzeitig einen adäquaten Prozess zur Suche eines Nachfolgers von Thomas Ebeling auf.“

Damit scheint die Strategie, die Ebeling verfolgte vorläufig gescheitert. Der Manager wollte unabhängiger vom Fernsehwerbegeschäft werden. ProSiebenSat.1 sollte laut seinen Plänen zu einem „Broadcasting, Digital Entertainment & Commerce Powerhouse“ werden, welches das althergebrachte Fernsehen mit dem jungen Internetgeschäft vereint.

Ebeling verkaufte demnach die Auslandssender und den Nachrichtenkanal N24, er verzichtete auf die teuren Rechte der Fußball-Champions-League und erwarb stattdessen Internetreiseportale, Online-Spiele und Shopping-Plattformen. Die Börse folgte der Strategie zunächst. Doch sehr bald machte sich Ernüchterung breit. Wie die Öffentlich-Rechtlichen von ARD und ZDF kämpfen auch die Privatsender mit neuen Konkurrenten um die Zuschauergunst. Gerade junge Zuschauer wenden sich mehr und mehr vom Fernsehen ab.

Diese vielumworbene Zielgruppe lässt sich von den Programmschaffenden keine feste Sendezeit mehr vorschreiben, sondern schaut lieber zeitversetzt im Internet. Und genau da punkten US-amerikanische Online-Videotheken wie Netflix und Amazon Prime. Maxdome, das deutsche Pendant von ProSiebenSat.1 entpuppt sich als Verlustgeschäft und schafft es nicht, sich gegen die ausländische Dominanz durchzusetzen. Ein klare Strategie für die digitale Zukunft fehlt.