Deutsche Bundesbank will Vergangenheit unter dem Nationalsozialismus aufarbeiten

Deutsche Bundesbank will Vergangenheit unter dem Nationalsozialismus aufarbeiten
Lord MacKay blickt auf seine Notizen zur Veröffentlichung des Berichts im Rahmen der so genannten Nazi-Gold-Konferenz, London, Großbritannien, 24. August 1998.
Die deutsche Bundesbank will ihre Rolle während des Nationalsozialismus durchleuchten - und spannt den Zeitraum von 1923 bis 1969. Untersucht werden soll das Gebaren der damaligen Reichsbank, der Bank Deutscher Länder und der Deutschen Bundesbank selbst.

Die Untersuchung der Bankenvergangenheit mit Bezug zum Nationalsozialismus wird voraussichtlich vier Jahre dauern und über drei Millionen Euro kosten. Die Geschichtsforscher Albrecht Ritschi der London School of Economics und Magnus Brechtken vom Münchener Institut für Gegenwartsgeschichte werden die Untersuchung leiten. Ritschi teilte dem Handelsblatt mit, dass es darum ginge, unbequeme Fragen zu klären, denn in einem Papier zum 60-jährigen Jubiläum hätte die Bundesbank der Nazi-Ära nur drei Seiten gewidmet. Er ist der Ansicht, dass die Reichsbank beispielsweise die Inflation und den Hungertod im besetzen Griechenland förderte. 

Reichskanzler Adolf Hitler beim Unterschreiben des Münchner Abkommens am 30. September 1938 mit dem britischen Premierminister Neville Chamberlain (2. von links) und dem Ministerpräsidenten Italiens, Benito Mussolini (3. von links).

Mit besonderem Fokus auf die Verbindung zum Nationalsozialismus will man deshalb nun das Gebaren der Reichsbank sowie der Bank Deutscher Länder in der Nachkriegszeit und die frühen Jahre der Deutschen Bundesbank untersuchen.

Im polnischen Kattowitz hatte etwa die Deutsche Bank den Bau des Konzentrationslagers Auschwitz mitfinanziert. Drohende Klagen in den USA veranlassten die Deutsche Bank, die Dresdner und die Commerzbank, ihre Vergangenheit im Bezug auf die Enteignung jüdischer Bürger aufzuarbeiten. Die Ermittlungen zur Vergangenheit sollen auch klären, inwieweit die Banken an der Kriegsstrategie teilhatten. Zudem soll ein Schwerpunkt dem Einfluss der Zentralbankdirektoren auf die Übergänge der politischen Systeme von der Weimarer Republik bis hin zum geteilten Deutschland gelten.