Hoffen auf den Papst zum Ende des Reformationsjahrs - Besucherinteresse unter den Erwartungen

Hoffen auf den Papst zum Ende des Reformationsjahrs - Besucherinteresse unter den Erwartungen
Papst Franziskus in Rom, Italien, 12. Oktober 2017.
Am Dienstag wird der 500. Jahrestag der Reformation begangen. Mit dem Jubiläum endet auch das einjährige Reformationsjahr, das die protestantische und die katholische Kirche gemeinsam würdigten. Die evangelische Kirche hofft nun auf den Papst als Versöhner.

Zum 500. Mal jährt sich der Anschlag der 95 Thesen durch den Mönch Martin Luther. Angesichts dieses Jubiläums schuf der ehemalige Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi ein Gemälde im Stile von Lucas Cranach dem Älteren und "reformierte" diesen bei dieser Gelegenheit. Beltracchi malte das "Gelübde des Reformators Martin Luther im Gewitter". Die Kunstaktion gehört zu dem Projekt "Kairos. Der richtige Moment" des Unternehmers Christian Zott.

Beltracchi soll dabei wichtige Momente der Geschichte nach der Art und Weise jeweils passender Künstler malen. Cranach schuf zahlreiche Porträts von Luther - nicht aber über jenen Moment, da er gelobte, Mönch zu werden. "Aus Sicht von Luther und Cranach stellt das jetzige Motiv keine Leerstelle dar", sagt Zott. "Aus gegenwärtiger Sicht, im Rückblick auf die Reformation, jedoch sehr wohl."

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Mit dem Jubiläum endete auch das Reformationsjahr. 

Ein Jahr lang haben die evangelischen Christen das Reformationsjahr gefeiert. Es endet am Dienstag mit dem Reformationstag. Nun setzt die evangelische Kirche auf den Papst. 

Festakt mit Steinmeier und Merkel

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Rom: 

Franziskus gibt allen Anlass dazu, auch für die Zukunft viel Rückenwind zu erwarten.

Der Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther war der Beginn der Spaltung der westlichen Kirche. Mit einem Festgottesdienst in der Wittenberger Schlosskirche gedenkt auch das offizielle Deutschland dieses Jubiläums. Auch Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden an den Festlichkeiten teilnehmen. In Deutschland ist der Reformationstag in diesem Jahr erstmals bundesweit ein Feiertag.

Heinrich Bedford-Strohm: 

Luther und die Reformation waren 2017 in jeder Stadt und in jedem Dorf präsent. Deswegen glaube ich schon, wird ein Schub von diesem Jahr ausgehen.

Zwischen Katholiken und Protestanten habe es im Lutherjahr eine Annäherung gegeben, bedingt

[...] dadurch, dass wir als evangelische Kirche zum ersten Mal in der Geschichte dieses Jubiläum nicht so feiern, dass wir unsere Identität durch Abgrenzung gegenüber den Katholiken oder durch Abwertung der Katholiken ins Licht stellen wollen.

Symbolbild

Bischöfin klagt über laues Besucherinteresse

Zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche gibt es dennoch weiterhin Streitfragen, wie etwa bezüglich des gemeinsamen Abendmahls: 

Keiner kann den Zeitpunkt genau benennen, aber ich hoffe, dass für konfessionsverbindende Ehen eine Lösung gefunden wird. Und natürlich hoffe ich auch selbst, dass ich es noch erlebe, dass wir als Katholiken und Evangelische gemeinsam Abendmahl feiern können.

Diese Hoffnung äußerte auch die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann:

Was ich mir wünsche, ist, dass wir uns gegenseitig offiziell zum Abendmahl bzw. zur Eucharistie einladen können und gemeinsam in der Welt von unserem Glauben erzählen.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, befürwortete eine Vereinigung der Kirchen:

Dafür setzen wir uns seit Jahren ein. Dafür bete ich, dafür arbeite ich.

Die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann räumte hingegen Probleme beim Jubiläumsjahr ein:

Wir haben uns mehr Besucher gewünscht, vor allem für die Großveranstaltungen. Das ist eine der Enttäuschungen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg.

(rt deutsch/dpa)