In Rom preiswürdig, in Berlin nicht: Volksbühnen-Intendant Chris Dercon und Theaterbesetzungen

In Rom preiswürdig, in Berlin nicht: Volksbühnen-Intendant Chris Dercon und Theaterbesetzungen
Berliner Volksbühne, 9. Februar 2016.
Nach sieben Tagen beendete die Polizei die Besetzung der Berliner Volksbühne. Eine Anzeige des neuen Indendanten Chris Dercon ermöglichte die Räumung. Einst hatte dieser in Italien noch einen Preis an Kunstaktivisten vergeben, die ein altes Theater besetzten.

Wie nach einer erfolgreichen Theatervorstellung applaudierten Aktivisten, die vor der Volksbühne ausgeharrt hatten, als die Polizei Besetzer aus dem Gebäude heraustrug und geleitete. Kultursenator Klaus Lederer erklärte zum Polizeieinsatz:

Die Volksbühne hatte den Besetzerinnen und Besetzern ein auf Kompromiss orientiertes, gutes Angebot unterbreitet. Die Gruppe hat dies nicht angenommen.

Ein Kunstkollektiv hatte die Berliner Volksbühne unter dem Namen #vb6112 übernommen. Ihr Ziel war ein neues Konzept für die Volksbühne. Die ersten Aufführungen unter der Leitung des neuen, in der Berliner Kulturszene umstrittenen Intendanten Chris Dercon stehen ab November auf dem Spielplan. Verlor Dercon am Ende gar in Berlin seinen Sinn für die politische Kunst? Die Räumung der Volksbühne unter Polizeieinsatz machte der neue Intendant jedenfalls durch eine Strafanzeige erst möglich. Während Dercon 2014 einen Preis für eine Besetzung in Italien ausgab, ließ er in Berlin räumen.

Besetzung in Rom richtete sich gegen Privatisierungspläne

Kultur-Aktivisten wie Theodor Celakoski aus Zagreb und das Tetro Valle Occupato, eine große Gruppe von Kulturschaffenden und Bürgern, belebten durch die Vereinnahmung ein altes Theater in Rom neu. Dafür erhielten sie den "ECF Princess Margriet Award". Der mit 50.000 Euro ausgezeichnete Preis wurde dabei auch vom Berliner Volksbühnen-Intendanten ausgegeben, denn Dercon saß damals in der Jury - damals noch als Chef des London Tate Museums. Die Kunst-Besetzer in Italien wollten mit ihrer Besetzung des altertümlichen Theaters gegen dessen geplante Privatisierung demonstrieren. 

Ein Kanister mit Kunstblut führte im Zusammenhang mit der Räumungsaktion zu Verhaftungen. Zum Einsatz gegen die Kunstbesetzer rückten drei Polizei-Hundertschaften an. 

Die Personen im Gebäude, im polizeilichen Sprachgebrauch als "Besetzer" bezeichnet, verstanden die Aktion als Performance: 

Zu Zeiten der Preisverleihung in Italien sagte Dercon über die dortige Besetzung, diese sei ein "Weg, um uns aus der Misere zu bringen". Initiativen wie diese seien eine "sehr wichtige Nachricht der Solidarität". 

RT Deutsch vor Ort: