"Die Blauen" – Spekulationen über Parteigründung von Frauke Petry

"Die Blauen" – Spekulationen über Parteigründung von Frauke Petry
Frauke Petry nach der Bundespressekonferenz, auf der sie bekannt gab, nicht der Bundestagsfraktion der AfD angehören zu wollen.
Unter dem Namen von Frauke Petry ist die Internet-Adresse dieblauen.de registriert worden. Ob die Domain aber tatsächlich Petry gehört, kann man dem öffentlichen Eintrag bei der Registrierungsstelle Denic eG nicht entnehmen. Petry selbst hält sich bedeckt.

Der Domain-Eintag nährte Gerüchte, wonach Petry und ihr Mann Marcus Pretzell eine neue Partei "Die Blauen" gründen wollen. Petry und Pretzell hatten am Dienstag angekündigt, ihre Ämter niederzulegen und aus der AfD auszutreten. Petry hatte das mit einer "Radikalisierung" der Partei begründet. Die Domain dieblauen.de existiert bereits seit dem 11. Juli 2009 und wurde am 19. Januar 2016 auf den Web-Dienstleister United Domains übertragen. Die letzte Änderung an dem Domain-Eintrag wurde am 3. Juli 2017 vorgenommen.

Aus öffentlich einsehbaren Einträgen lässt sich nicht rekonstruieren, wer die Domain ursprünglich eingerichtet hat oder ob die Domain dieblauen.de im Laufe der Zeit verkauft wurde. Bei der Registrierung einer Internet-Adresse muss man in Deutschland keinen Ausweis vorlegen. Die Anmelderin nennt sich "Frauke Petry", die Postanschrift sei dieselbe wie jene, die bei Petrys einstiger Patentanmeldung für Reifenfüllstoffe zur Anwendung kam. Dies postete der AfD-Berichterstatter bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Justus Bender, als Erster auf Twitter.

Marcus Pretzell hat der AfD den Rücken gekehrt. Gründen er und Frauke Petry eine neue Parte?

Auch auf Twitter tauchten am Mittwoch Profile unter dem Namen "Die Blauen" auf. Auch hier konnte jedoch nicht verifiziert werden, ob dahinter tatsächlich eine neue politische Partei unter der Führung von Petry steht. Auf die Frage, ob Frauke Petry die Internetdomain "dieblauen.de" Anfang Juli angemeldet habe, sagte am Mittwochmorgen ihr Büroleiter Oliver Lang gegenüber dem Spiegel: "Das wird nicht kommentiert." Ein klares Dementi klingt anders.

Petry verfügt über gute Verbindungen zur rechtskonservativen FPÖ in Österreich, die dort umgangssprachlich auch unter der Bezeichnung "Die Blauen" bekannt ist. Zudem ist die Farbe Blau das Erkennungszeichen der AfD in Deutschland. Zuletzt hatte Pretzell, AfD-Landes- und Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen, auf die Frage nach Gründung einer neuen Partei erklärt: "Lassen Sie sich überraschen."

Wie der Spiegel schreibt, gab es schon seit längerem Hinweise, dass Petry an einer neuen Partei arbeitet. Wochen vor der Bundestagswahl wurde bereits von Petry-Gegnern um die neuen Fraktionschefs Alexander Gauland und Alice Weidel spekuliert, sie wolle nach der Wahl eine eigene Gruppe im Bundestag gründen und sich von der Fraktion abspalten. Petry selbst hat sich dazu noch nicht geäußert.

Petry-Kritiker innerhalb der Partei betrachteten auch die Gründung von Gruppen wie der "Alternativen Mitte" oder solchen für eine "Bürgerliche AfD" als potenzielle Plattformen für eine mögliche Parteispaltung durch Petry und Pretzell. Ihr Vorgänger Bernd Lucke war 2015 auf ähnliche Weise vorgegangen, als er im Vorfeld des Parteitages in Essen den "Weckruf 2015" ins Leben rief. In Essen unterlag Lucke Petry in einer Kampfabstimmung und verließ die Partei. 

Bisherige Äußerungen aus den Reihen der "Alternativen Mitte" ließen jedoch eine kritische Haltung gegenüber Petrys Ambitionen erkennen.