Einmal AfD und zurück - Ein Porträt zu Frauke Petry

Einmal AfD und zurück - Ein Porträt zu Frauke Petry
Alexander Gauland küsst die Hand von Frauke Petry, während des AfD-Parteikongresses in Köln, Deutschland, 23. April 2017.
Der Wahlkampf zur Bundestagswahl schleppte sich dahin. Die Medien gähnten, dass dieser so langweilig war wie nie zuvor. Das Ergebnis und die Nachwehen der Wahl überraschten. Die AfD wurde drittstärkste Kraft und eine Pressekonferenz der AfD zur Farce. Im Zentrum: Frauke Petry.

Frauke Petry stahl der Bundestagswahl die Show. Zuvor schien alles entschieden: Angela Merkel wird wieder Bundeskanzlerin, alles wie gehabt. Im Vorfeld hatte die Parteikollegin Petrys, Alice Weidel, einige dramatische Auftritte, oder Abtritte, als sie zum Beispiel eine ZDF-Livesendung abrupt verließ. 

Die Bundestagswahl ermöglichte Frauke Petry ein Direktmandat. In einer Pressekonferenz lehnte sie öffentlich ab, der Fraktion anzugehören, und erklärte am 26. September den Austritt aus der AfD. 

„Werde AfD-Fraktion nicht angehören“ - Frauke Petry lässt bei BPK „Bombe platzen“:

Ihre politische Karriere begann als Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013 um designierte CDU-Mitglieder. Mit Gründung der AfD im gleichen Jahr wurde sie zur stellvertretenden Sprecherin. Dann folgte der Bundesvorstand. Im Juli 2015 wurde sie Bundessprecherin. Auf einem Bundesparteitag der AfD in Essen erhielt sie 60 Prozent der Stimmen. Hier bereits zeichnete sich die Zerstrittenheit innerhalb der AfD ab. Zwei unvereinbare Lager - getrennt zwischen gemässigt konservativen und offen rechtsextremen Positionen.

Geburtsname Frauke Marquardt, Chemikerin und ehemalige Unternehmerin aus Dresden. Zu einem ihrer favorisierten Begrifflichkeit gehört "völkisch". Dieser sollte nicht immer so negativ verstanden werden, so Petry. Für sie habe dies keinen rassistischen Beigeschmack. Ein Begriff, der in den 30er Jahren florierte und der mit dem Ende des Nationalsozialismus fast in Vergessenheit geriet. 

Vor dem Mauerfall zog sie mit ihrer Mutter nach Dortmund. Sie gehörte dem nationalkonservativen Flügel der AfD an. Nach ihrem Studium der Chemie gründete sie ihre eigene Firma in Leipzig und erhielt Auszeichnungen für ihre Innovation. Die PURinvent GmbH stellte neuartige Polyurethan-Kunstoffe her, musste aber 2013 Insolvenz anmelden. Ein Jahr danach wurde sie der Insolvenzverschleppung beschuldigt. Diese konnte jedoch nicht bewiesen werden. Eine süddeutsche Firma führte den Geschäftsbetrieb ihrer insolventen Firma unter ihrer Leitung fort, bis sich Petry 2016 ganz der Politik widmete und aus dem Unternehmen ausstieg. 

Beide scheinen nun die Partei verlassen zu wollen. Marcus Pretzell und Frauke Petry.

Im Interview mit dem Mannheimer Morgen am 30.01.16 wurde Petry gefragt: "Was passiert, wenn ein Flüchtling über den Zaun klettert?"

Petry antwortete darauf: 

Dann muss die Polizei den Flüchtling daran hindern, dass er deutschen Boden betritt. 

Auf die darauffolgenden Frage, wie ein Grenzpolizist zu reagieren habe, antwortet die AfD-Politikerin

Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz. 

Eine Debatte entfachte sich auf Facebook und Beatrix von Storch bejahte, dass auch Frauen und Kinder vor dem Zutritt des deutschen Bodens durch die Schusswaffe abgehalten werden sollten. Für Zuwanderung hat sie wenig übrig. Anlässlich einer Rede zum Tag der Einheit im vorigen Jahr sprach sie vom "Lumpenproletariat der afro-arabischen Welt" und sagte: 

Was soll man denn von diesen ganzen 'Deutschland-ist-bunt'-Kampagnen halten? (...) Bunt ist auch ein Komposthaufen.

Den Griff zu den Schusswaffen befürwortete als Erster der Partner Frauke Petrys, Marcus Pretzell. Petry hat fünf Kinder. Vier aus erster Ehe mit einem evangelischen Pfarrer und ein Kind mit ihrem jetzigen Ehemann Marcus Pretzell, AfD-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen. Petry sprach sich offen für Kinderreichtum aus:

Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.

AfD-Politiker Joerg Meuthen (l.), Alexander Gauland und Alice Weidel reagieren auf Frauke Petrys Entschluss der AfD-Bundestagsfraktion fernzubleiben, Berlin, Deutschland, 25. September 2017.

Die Differenzen innerhalb ihrer Partei wurden offenkundig, als Streit um eine Äußerung Björn Höcke, dem Landtagschef Thüringens. Höcke sagte über das Holocaust-Mahnmal, dass es ein "Denkmal der Schande" sei, welches das deutsche "Volk" sich ins "Herz seiner Hauptstadt gepflanzt" habe. Höcke wurde folglich ausgeschlossen, aber die AfD teilte sich in das Petry Lager und das von Sympathisanten einer neuen Alternative für Deutschland, die die Aussagen Höckes nicht verwerflich finden. Petry erklärte schließlich ihren Verzicht auf die Spitzenkandidatur. Die Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland wandten sich daraufhin von Frauke Petry ab. 

Wann genau Frauke Petry aus ihrer Partei austreten wird, gab sie nicht bekannt: "Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird", sagte sie in Dresden. Ihr Mann, Marcus Pretzell, hatte am Dienstagmorgen angekündigt, die Partei und Landtagsfraktion der AfD in NRW zu verlassen.

Frauke Petry beim Koalitions-Tinder bei RT-Deutsch: