München: Rentnerin sammelt Flaschen am Hauptbahnhof - und wird von der Bahn angezeigt

München: Rentnerin sammelt Flaschen am Hauptbahnhof - und wird von der Bahn angezeigt
Drei bis zehn Euro verdient ein gewöhnlicher Flaschensammler am Tag. Das ist nicht viel, aber für die Betroffenen oft lebenswichtig. (Symbolbild).
Das Schicksal der Rentnerin Anna Leeb aus München sorgt landesweit für Schlagzeilen. Die Rentnerin bessert ihre karge Rente durch Flaschensammeln auf. Doch nicht überall stieß das auf Verständnis. Im Hauptbahnhof erhielt sie Hausverbot. Mehre Strafanzeigen folgten - inklusive Bußgeld.

Die 76-jährige Rentnerin sammelte trotzdem weiter. Mit dramatischen Konsequenzen. Vor vier Jahren wurde es einigen Hausherren offenbar zu bunt - Frau Leeb erhielt insgesamt 16 Strafanzeigen und wurde wegen Hausfriedensbruch zu einer Strafe von 50 Tagessätzen von jeweils zehn Euro verurteilt, wie die Staatsanwaltschaft München mitteilte.

Hätte sie 90 Tagessätze zahlen müssen, wäre sie sogar vorbestraft gewesen. Nur ein Jahr später wurde sie wieder in vier weiteren Fällen angezeigt. Diesmal musste sie 30 Tagessätze zu 15 Euro zahlen. Insgesamt summierte sich ihre Strafe auf 950 Euro. In Medienberichten wurden anfangs auch 2.000 Euro genannt. In diese Summe sind jedoch die Verfahrenskosten schon mit eingerechnet.

Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins FOCUS Online hat Frau Leeb bis August 2016 alle Strafen bezahlt. Seither ist auch das Hausverbot im Hauptbahnhof wieder aufgehoben, wie die Bahn bestätigt. Doch Frau Leeb verspürt keine große Lust, dorthin zurückzukehren. Neuen Ärger könne sie nicht brauchen, auch wenn sie „niemandem was wegnimmt“, wie sie gegenüber FOCUS Online und der tz erklärte.

Zum Sammeln hat sie demnächst auch gar keine Zeit mehr, denn wie sie FOCUS Online berichtete, haben sich für die kommende Woche Fernsehteams angekündigt.

Es könnte noch zu einem Happy End kommen. Nachdem ihr Fall plötzlich so viel Aufmerksamkeit erregt hat, befasst sich auch die Bahn noch einmal damit. Das Unternehmen kündigt an, jetzt auf die Rentnerin zuzugehen, und möchte sich bald mit ihr treffen.

„Vielleicht können wir ihr dann helfen“, sagte ein Sprecher gegenüber FOCUS Online. Er räumte ein, dass es schwierig sei, einen Weg zu finden, der allen gerecht wird. „Täglich sammeln tausende Menschen auf unseren Bahnhöfen Flaschen ein. Das wird auch so bleiben“, sagt er. Abweichungen würden normalerweise „mit Augenmaß“ behandelt - auch wenn die Hausordnung dies eigentlich nicht gestatte.

Wenn aber jemand Mülleimer durchwühle und Abfall daraus liegen lasse, müsse die Bahn einschreiten. „Schließlich sollen sich unsere Kunden bei uns wohlfühlen“, so der Sprecher.

Dennoch bleibt es bedauerlich, dass es erst der medialen Aufmerksamkeit benötigte, um ein wenig mehr Mitgefühl zu fördern.