BTW 2017: "Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen wird nicht durch Persönlichkeiten bestimmt"

BTW 2017: "Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen wird nicht durch Persönlichkeiten bestimmt"
Wladislaw Below, der Leiter des Zentrums für Germanistik am Europainstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Für das deutsch-russische Verhältnis spielt der Ausgang der Bundestagswahlen eine recht geringe Rolle. Dies meint Wladislaw Below, der Leiter des Zentrums für Germanistik am Europainstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften, gegenüber RT Deutsch.

Die Zukunft der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland ist nicht direkt von Persönlichkeiten abhängig, sondern wird durch die vielen existierenden Dialog- und Austauschfenster bestimmt, die zwischen den beiden Staaten existieren. Dies sagt Wladislaw Below, der Leiter des Zentrums für Germanistik am Europainstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften. RT Deutsch sprach mit dem Experten über die Bundestagswahlen und Russlands angebliche Einmischung in diesen Prozess.

Über die zentralen Elemente der bilateralen Beziehungen erklärte Below:

Auf der gehobenen politischen Ebene haben wir zwei Mechanismen des Austauschs [zwischen Deutschland und Russland]: den EU-Russland-Gipfel und die Intergouvernementalen Konsultationen. Beide sind seit 2014 eingefroren. Alle übrigen Mechanismen sind nach wie vor in Verwendung und arbeiten aktiv. Der wichtigste arbeitende Mechanismus dabei ist der Arbeitsdialog zwischen Putin und Merkel, oder sagen wir besser, zwischen dem russischen Präsidenten und dem deutschen Kanzler. Dabei ist es unwichtig, wer deutscher Kanzler und wer russischer Präsident wird. Das sage ich extra, denn die [deutsch-russischen] Beziehungen werden nicht durch Persönlichkeiten bestimmt. Die Beziehungen sind fundamental und gut ausgebaut.

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Bundestagswahl in Zahlen: 650.000 Wahlhelfer in ca. 73.500 Urnen und etwa 14.500 Briefwahlbezirken

Der Experte sieht im Mangel an charismatischen Politikern in Europa ein großes Problem, das sich auch bei den Wahlen in Deutschland zeigt. Seiner Meinung nach würden die Menschen in Deutschland Merkel abwählen, wenn es eine bessere Alternative gäbe. Denn es sei eine "objektive Müdigkeit" in Bezug auf die langjährige Kanzlerin zu beobachten. Die Wähler würden jedoch verstehen, dass die Politikerin Angela Merkel Regierungskompetenz und Zuverlässigkeit bedeute. Daher sei ihre Beliebtheit höher als die von Martin Schulz.

"Kein würdiger Nachfolger für Merkel in Sicht"

In der CDU habe die Kanzlerin jedoch bisher "keinen Nachfolger herangezogen". "Weder Frau van der Leyen, noch die Herren de Maiziere und Schäuble und schon gar nicht Herr zu Guttenberg" seien würdige Nachfolger für Angela Merkel, erläuterte Below.

Chancen für einen Sieg der SPD sieht er kaum. Es müsste ein Wunder geschehen, damit die Wähler von heute auf morgen umdenken und sich für die Wahl der SPD entscheiden.

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Was die Wahlbeteiligung angeht, so hält es der Wissenschaftler für sehr wahrscheinlich, dass sie bei einer Zahl von über 70 Prozent liegen wird. Er unterstreicht außerdem, dass die typischen Nichtwähler eine wichtige Rolle bei diesem Urnengang spielen werden, da diese "bei den Landtagswahlen in den Jahren 2016 und 2017 gezeigt haben, dass sie eine Veränderung in der Machtbalance bewirken können".

Sogar Grüne in einer Regierung wären für Russland akzeptabel

Auf die Frage, welche Partei in Bezug auf Russland der bessere Koalitionspartner für die CDU sei, antwortete der Experte, dass alle Parteien für Russland akzeptabel seien.

Selbst die Grünen haben einen konstruktiven Ansatz bei ihren Zielen zur Russlandpolitik", erklärte Below und betonte: "Schlimmer kann es [in den deutsch-russischen Beziehungen nach den Bundestagswahlen] nicht mehr werden, möglicherweise verbessern sich die Beziehungen sogar."

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