Pflegenotstand im Wahlkampf: SPD-Politiker Lauterbach fordert 30-Prozent-Lohnerhöhung für Pfleger

Pflegenotstand im Wahlkampf: SPD-Politiker Lauterbach fordert 30-Prozent-Lohnerhöhung für Pfleger
Streitkundgebung von Charité-Mitarbeitern.
Bis zu 100.000 Vollzeitstellen fehlen im Pflegesektor. Dagegen möchte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ankämpfen. Er hat vorgeschlagen, die Löhne für Pfleger um 30 Prozent zu erhöhen, um den Beruf attraktiver zu machen.

Zur Steigerung der Attraktivität des Pflegerberufs hält der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ein Lohn-Plus von knapp einem Drittel für notwendig. Der Politiker, Mediziner und Talkshow-Liebling, der dem linken Flügel der SPD zugerechnet wird, sorgt sich um die Attraktivität des Pflegesektors für Berufseinsteiger. Der Gewerkschaft Verdi zufolge muss eine Pflegefachkraft in der Nachtschicht im Schnitt 26 Patienten betreuen, in Ausnahmefällen sogar bis zu 40. Expertenschätzungen zufolge fehlen bis zu 400.000 Vollzeitkräfte.

Nur wenn die Löhne von Pflegekräften um 30 Prozent erhöht werden, besteht auch die Aussicht, genügend Bewerber für diesen Beruf zu begeistern", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion der Passauer Neuen Presse.

Er ging demnach davon aus, dass zur Finanzierung einer solchen Steigerung eine Anhebung des Beitrags zur gesetzlichen Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte nötig wäre. Der Effekt ließe sich allerdings mit einer Pflege-Bürgerversicherung abmildern, in die auch Abgeordnete, Selbstständige, Beamte und Spitzenverdiener einbezogen würden.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte zuvor angekündigt, im Fall eines Wahlsieges seiner Partei in den ersten 100 Regierungstagen einen Kurswechsel in der Pflegepolitik einzuleiten.

Derweil begann an der Berliner Universitätsklinik Charité am Montag ein mehrtägiger Streik des Pflegepersonals. Der Streik dauere an, bis die Charité-Leitung Angebote mache. Der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, hatte zunächst angekündigt, wegen des Streiks geplante Operationen zu verschieben.

Hintergrund des Streiks ist der im Jahr 2016 abgeschlossene Tarifvertrag, der einen Personalzuwachs und Mindestbesetzungen auf Stationen vorsah - ein Unikum in Deutschland. Beobachter hatten den Abschluss als modellhaft gewertet, da Pfleger an Kliniken bundesweit über Überlastung und Personalmangel klagen. Verdi hat den Vertrag jedoch wegen Mängeln bei der Umsetzung auslaufen lassen und drängt auf eine Weiterentwicklung. (dpa/rt deutsch)