Fahndung im Fall Anis Amri begann mit drei Stunden Verspätung und ermöglichte ihm Fluchtvorsprung

Fahndung im Fall Anis Amri begann mit drei Stunden Verspätung und ermöglichte ihm Fluchtvorsprung
Blumen in Gedenken der Opfer des Terroranschlags vom 19. Dezember 2016, Berlin, Deutschland, 19. Januar 2017
Die Berliner Polizei gab dem Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri einen dreistündigen Vorsprung, bevor eine stadtweite Suche eingeleitet wurde. Auch hätte sich eine nicht geübte Führungstruppe mit dem Fall befasst. Forderungen nach dem Rücktritt des Berliner Polizeipräsidenten wurden laut.

Am 19. Dezember 2016 hatte Anis Amri mit Hilfe eines gestohlenen LkWs einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breidscheidtplatz verübt. Bis heute beschäftigt man sich mit den Pannen der Ermittlungen. Ein neuer Bericht weist Lücken in der Berliner Polizeiarbeit auf. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, begann die Suche nach dem Attentäter Anis Amri drei Stunden zu spät. Dies ermöglichte dem Terroristen die Flucht quer durch den Schengenraum nach Italien. Fluchtwege und Bahnstrecken wurden zunächst nicht kontrolliert. Andere Bundesländer Thüringen, Bayern und Brandenburg und die Bundespolizei begannen mit ihrer Fahndung vor der Berliner Polizei. Für die Polizei war die Fahrt des LkWs mit Todesfolge erst nach 14 Stunden ein "Verdacht des Anschlagsfalls". Das Landeskriminalamt hingegen ging schon fiel früher davon aus, dass es sich um einen terroristischen Anschlag gehandelt hat. 

Kontrolle an der Mautstation nahe der Brennergrenze in Schönberg, Österreich, 23. August 2017.

Mit dem fälschlicherweise, kurz nach der Tat, Festgenommenen, hatte sich die Polizei zu schnell zufrieden gegeben, so der Vorwurf des Berichts. Die Fahndung selbst wäre durch eine ungeübte Führungsgruppe durchgeführt worden. Klaus Kandt, Polizeipräsident Berlins, solle zurücktreten, forderte der innenpolitische Sprecher der FDP Marcel Luthe:

Wenn die Aussagen zutreffen, ist die Führung der Berliner Polizei meines Erachtens nach nicht zu halten.

Der Berliner Polizeipräsident hatte eine Taskforce eingerichtet, die sich mit den Ermittlungsfehlern zu Anis Amri beschäftigten. Die Flucht Amris endete in Mailand. Er wurde von der italienischen Polizei erschossen. Bei dem Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt starben 12 Menschen und mehr als 60 wurden verletzt. Den Opfern wird künftig mit einem Denkmal gedacht. Ihre Namen und Herkunftsländer sollen zudem in die Stufen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eingraviert werden.