Mit RT Deutsch spricht man nicht: Spiegel Online belehrt Sigmar Gabriel

Mit RT Deutsch spricht man nicht: Spiegel Online belehrt Sigmar Gabriel
Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel auf einer Konferenz in Athen, Griechenland, März 2017
Spiegel Online veröffentlichte am Donnerstag ein Interview mit dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel. Der im Flugzeug geführte Schlagabtausch mit dem deutschen Staatsmann hatte auch Gabriels kürzliches RT Deutsch-Exklusiv-Interview in Jena zum Thema.

Gestern wurde das Interview auf Spiegel Online veröffentlicht. Gleich zwei Journalisten des Nachrichtenmagazins nahmen sich Gabriels an und lamentierten dabei ausgiebig über dessen Gespräch mit RT Deutsch in Jena. Aus dem Treffen mit RT Deutsch wurde ein Exklusiv-Interview, in dem Gabriel die Gelegenheit wahrnahm, zu einem breiteren Publikum zu sprechen und zu wichtigen außenpolitischen Problemen Stellung zu nehmen. Dies geschah, nachdem er sich mit russisch-stämmigen Deutschen zum Gespräch getroffen hatte.

"RT-Zuschauer nicht der AfD überlassen"

Auf die Spiegel-Online-Frage, ob das der Versuch wäre, noch Wählerstimmen zu ziehen, antwortete der Außenminister:

Wenn es so wäre, was wäre daran auszusetzen? Wir müssen uns doch als deutsche Politiker daran gewöhnen, dass es nicht nur unsere etablierten Medien gibt. Zum einen sind da die sozialen Netzwerke, zum anderen auch ausländische TV-Sender, die Programme in deutscher Sprache machen. Wir reden auch mit anderen, wie mit Al Jazeera, und warum nicht auch mit chinesischen Sendern? Und zu RT: Deren Zuschauer will ich jedenfalls nicht der AfD überlassen.

Mit dieser Antwort waren die Journalisten noch nicht zufrieden und so erklärten sie dem erfahrenen SPD-Politiker:

Sie adeln so einen Sender, indem Sie ihm als Vizekanzler und Außenminister ein Interview geben.

Sigmar Gabriel in Jena am 8. September im Gespräch mit RT Deutsch

Dazu führte Gabriel weiter aus:

Das verstehe ich nicht. Jedenfalls erreiche ich da Menschen russischer Herkunft, die bei uns in Deutschland leben und nicht SPIEGEL ONLINE lesen.

Vonseiten Spiegel Onlines folgte nun ein anschaulicher Vergleich:

Das würden Sie mit der rechts-nationalen "Jungen Freiheit" wohl auch schaffen, trotzdem geben Sie denen kein Interview.

Gabriel korrigierte die Journalisten, indem er darauf hinwies, dass RT nicht die Junge Freiheit sei. Anscheinend immer noch in Sorge, der Außenminister könnte nicht vollständig bereit sein, die Lehrstunde zu nutzen, legen Herr Gathmann und Herr Weiland von Spiegel Online noch einmal nach:

Aber RT ist ein russisches Propagandainstrument.

Worauf Sigmar Gabriel unterstrich, dass, wenn das der Fall wäre, man umso mehr für weitere Interviews werben solle.

RT Deutsch lenkt Spiegel Online von der Außenpolitik ab

Nach diesem Interview ist nicht vollends klar, wie die beiden Journalisten tatsächlich zur Pressefreiheit und deren praktischer Umsetzung stehen. Um eine komplette Abstinenz gegenüber nicht genehmen Medien, wie sie diese auch von Sigmar Gabriel offensichtlich erwarten, vorzuleben, hätten sie nur dem eigenen Rat folgen müssen und RT Deutsch im Spiegel-Online-Interview einfach nicht erwähnen. Hinzu kommt, dass man dem deutschen Außenminister keine einzige außenpolitische Frage stellte. Lediglich Parteipolitik, Medien und Persönliches waren Gegenstand des Gesprächs.

Margarita Simonjan, die Chefredakteurin von RT und Sputnik, äußerte sich ebenfalls zur Reaktion von Spiegel-Online:

'Der Spiegelʻ trägt Hysterie – Deutschlands Außenminister hat sich erdreistet, RT ein Interview zu geben.

Der Spiegel-Online-Journalist Florian Gathmann studierte an der Rutgers University (USA) Politikwissenschaften und war 2006 Arthur F. Burns-Fellow bei der "Chicago Tribune" in Washington, D.C. und Chicago. Seit 2007 ist er als Redakteur bei Spiegel Online tätig, seit 2009 auch in der Berliner Redaktionsvertretung. Außerdem nahm er teil am Journalism Program for German and American Journalists der Robert-Bosch-Stiftung. Sein Kollege, Herr Severin Weiland, hat lange bei der "tageszeitung" gearbeitet, bis er als bundespolitischer Korrespondent 2002 die taz verließ. Seitdem ist er bei Spiegel Online tätig, zuletzt als politischer Korrespondent im Spiegel-Hauptstadt-Büro.

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