Kaspersky bekommt Rückenwind aus Deutschland und ist bereit zu Aussage vor US-Kongress

Kaspersky bekommt Rückenwind aus Deutschland und ist bereit zu Aussage vor US-Kongress
Der Chef des Unternehmens Kaspersky Lab, Jewgeni Kasperky, am 25. Juli 2013 in Tschechien.
Jewgeni Kaspersky hat sich bereit erklärt, in den USA zu den Vorwürfen gegen sein Unternehmen auszusagen. Unterdessen lobt das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Kaspersky Labs für die gute Zusammenarbeit.

Der Chef eines der weltweit führenden Hersteller von Anti-Viren-Software, Jewgeni Kaspersky, nahm die Einladung des US-Kongresses an, am 27. September an einer Anhörung teilzunehmen.

Ich bin dankbar und nehme die Einladung an, vor dem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses für Wissenschaft, Weltraum und Technik auszusagen. Sollte ich im Eilverfahren ein Visum bekommen, hoffe ich, öffentlich Rede und Antwort zu den Vorwürfen gegen mein Unternehmen und dessen Produkte stehen zu können", erklärte Kaspersky.

Wie zuvor berichtet, hatte Washington aus Angst vor einer angeblich zu großen Nähe zum Kreml und zum russischen Geheimdienst staatlichen Einrichtungen nahegelegt, die Anti-Viren-Software der russischen Firma Kaspersky Labs zu boykottieren. Die Behörden hätten 60 Tage Zeit, um Pläne zu entwickeln, wie sie die Benutzung der Programme stoppen können, und 90 Tage, um diese umzusetzen.

BSI: Kaspersky gehörte oft zu den ersten Warnern vor zweifelhaften Cyber-Aktivitäten aus Russland

Da die Software des Unternehmens auch in Deutschland häufig benutzt wird, sah sich auch Berlin in dieser Situation dazu veranlasst, zum Konflikt um Kaspersky Labs Stellung zu nehmen. Es gebe zwar "momentan keine Software im Einsatz", dennoch habe Berlin mit dem russischen Software-Hersteller keine grundsätzlichen Probleme, heißt es auf heute.de.

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Auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kommt Rückendeckung. Man wisse, "die Zusammenarbeit und die hochwertigen Analysen von Kaspersky" zu schätzen, teilte die deutsche Behörde auf Anfrage mit. Kaspersky Labs hat sich in verschiedenen Fällen als verlässlicher und kompetenter Partner erwiesen." Die Behörde habe keinen Anlass zu vermuten, dass Kaspersky Labs russische Cyber-Aktivitäten bewusst ignorieren würde. Eine Reihe wichtiger russischer Cyber-Spionage-Kampagnen habe das Unternehmen vielmehr als erstes der Öffentlichkeit bekannt gemacht und detailliert beschrieben.

Erkenntnisse des Unternehmens fließen nach Analyse und Bewertung durch das BSI bei Bedarf auch in die eigenen Lagebilder ein, so die Behörde weiter.

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Postfaktische Darstellungen als Vorwand für Protektionismus

Die derzeit in den USA erhobenen Anschuldigungen seien "komplett unbegründet" und beruhten auf "falschen Vorwürfen und ungenauen Annahmen", sagte Unternehmens-Chef Jewgeni Kaspersky am Donnerstag. Das Unternehmen werde aber weiter mit den US-Behörden zusammenarbeiten, um zu zeigen, dass der Verdacht unbegründet sei.

Kaspersky Labs erziele mehr als 85 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Russland, hieß es weiter. Eine unangebrachte Zusammenarbeit mit einer Regierung würde sich deshalb automatisch nachteilig auf die Unternehmensergebnisse auswirken.

Auch viele russische Außenpolitiker und Repräsentanten staatlicher Institutionen nahmen bereits zu den Vorwürfen Stellung. So verurteilte der Duma-Abgeordnete und Vorsitzende im Ausschuss für Informationspolitik, Leonid Lewin, die Entscheidung der USA als "Etappe im Wirtschaftskrieg gegen russische Unternehmen". Weitere Maßnahmen Washingtons seien nicht ausgeschlossen, so Lewin.