Ein Lichtstrahl im dunklen Reich? Focus entschuldigt sich für Putin-Beleidigung

Ein Lichtstrahl im dunklen Reich? Focus entschuldigt sich für Putin-Beleidigung
Ehemaliges Focus-Büro in Düsseldorf
Der Chefredakteur von Focus, Robert Schneider, entschuldigte sich für Irritationen rund um die Bezeichnung von Wladimir Putin als "Hund". Das meldeten das Blatt und die Russische Botschaft. Das Magazin lud Botschafter Wladimir Grinin zudem zu Focus ein.

Es ist doch passiert: Nach dreitägigen Facebook-Debatten und Kritik aus dem Kreml entschied sich das Magazin Focus für eine Entschuldigung für seinen umstrittenen Putin-Witz. Das teilte Focus am Donnerstag auf seinem Facebook-Account mit.

Für den Sprecher der russischen Botschaft, Denis Mikerin, wurde hier deutlich eine rote Linie überschritten.

Ein Satz im aktuellen Focus-Magazin habe für Irritationen in Russland gesorgt. Chefredakteur Robert Schneider habe am Donnerstag mit der Russischen Botschaft in Berlin telefoniert:

Es war ein gutes Gespräch, in dem ich versichert habe, dass es nicht unsere Absicht war, den russischen Präsidenten herabzuwürdigen. Sollten sich Menschen dennoch verletzt gefühlt haben, tut mir das leid. Ich habe Botschafter Grinin zu einem Besuch in unserer Redaktion eingeladen und freue mich auf die Begegnung.

Der Leiter des Presse- und Kommunikationsdienstes der Russischen Botschaft, Denis Mikerin, hat diesen Schritt begrüßt. Er sei auf jeden Fall ein Grund, den Dialog weiterzuführen, schrieb er auf seinem Facebook-Account. Der Chef-Redakteur von Focus habe eingesehen, dass die missglückte Formulierung ausgesprochen inkorrekt und beleidigend sei. Anschließend äußerte der Diplomat die Hoffnung, dass aus den Fehlern die erforderlichen Schlüsse gezogen werden:

Ob dies eher ein kurzes Aufflammen oder doch eher wie ein Lichtstrahl in einem dunklen Zarenreich sei, werde die Zeit zeigen", sagte er zum Gespräch mit Christian Schneider.

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Das gewählte Sprachbild "Lichtstrahl im dunklen Zarenreich" stammt von Nikolai Dobroljubow, einem Literaturkritiker der 1860er Jahre, der auf diese Weise eine Protagonistin (Katerina) und deren Umgebung im Drama "Gewitter" von Nikolai Ostrowski beschrieben hat. Es ist im russischsprachigen Raum ein geflügeltes Wort.