Bundestagswahlen: Wo bleiben die russischen Hacker? Die Washington Post kennt die Antwort

Bundestagswahlen: Wo bleiben die russischen Hacker? Die Washington Post kennt die Antwort
Die perfide Strategie der russischen Hacker könnte darin bestehen, wider Erwarten auch mal nicht anzugreifen. So ungefähr erklären sich einige Experten in der Washington Post, warum die befürchtete russische Einflussname auf die Bundestagswahlen ausbleibt. Eine Realsatire.

Echte Hacker lachen über die handfesten Beweise zu den Vorwürfen gegen die russischen Hackerangriffe. Die deutschen Medien schreiben, dass Profis im Geschäft darüber lachen und machen es trotzdem: Die Angst vor russischen Hacker schüren. So tut es wenigstens Spiegel Online, die über Hacker-Konferenzen berichtet und gleichzeitig eine Plattform für hochrangige Verschwörungstheoretiker bietet, die unermüdlich vor russischen digitalen Einflussnahmen auf deutsche Demokratie warnen.

Es geht natürlich nicht nur um Hacker, auch Maschinen-Bots, Fake-News und sonstige Strategien könnte der Kreml verfolgen, um Deutschland zu schaden. Denn, Russlands Ziel bestünde darin, die europäische Gemeinschaft zu destabilisieren. Davon gehen Experten wie Annegret Bendiek von der Deutschen Stiftung für Wissenschaft und Politik aus:

Go-Spieler in der Provinz Zhejiang, China, 26. Mai 2017.

Russisches Ziel ist die Destabilisierung der europäischen Gesellschaft. Aber in Deutschland ist es nicht einfach“, sagte sie in einem Artikel der Washington Post.

In diesem Artikel bekommt Deutschland vom US-amerikanischen Medium viel Lob. Deutschland hätte die Lektionen aus dem amerikanischen Wahlkampf gezogen und die Russen „aggressiv“ ans Tageslicht gezerrt. Dazu zählen nicht nur das Hochköcheln des Falles Lisa seit Januar 2016, sondern auch Maßnahmen wie das Maaß-Gesetz, das empfindliche Strafen für Medienunternehmen für die Verbreitung der sogenannten Fake-News vorsieht. Dieses tritt zwar erst im Oktober 2017 in Kraft, ihm wird aber schon im Vorfeld Folge geleistet.

Der amerikanische Journalist wird fast neidisch, wenn er über die Wachsamkeit der Deutschen schreibt. Aber er stellt auch etwas Seltsames fest: Russische Hacker und Troll-Armeen tun nichts. Bislang. Natürlich hätten sie die 16 GB-Daten aus den E-Mails von den Servern des Bundestages noch im März 2015 vorsorglich geklaut. Aber die Daten, deren Auftauchen zu erwarten ist, die Sicherheitsprofis vom BSI auf den „entsprechenden Plattformen“ (RT Deutsch zählt als erstes dazu) im Stundentakt verfolgen, sind noch nicht aufgetaucht.

Allerdings ahnen die Experten erst jetzt warum: Weil sie langweilig sind. Das Hacken in das Heiligtum der deutschen Politik ist so eine Sache.

Belastenden Schmutz unter Hunderttausenden trockenen Regierungsdokumenten zu finden, ist aber was anderes. Das war mein Job zehn Jahre lang diese Art von Dokumenten zu lesen. Sie können sich nicht vorstellen. Sie sind langweilig", so Bendiek.

Die Vorsitzende der rheinland-pfälzischen CDU, Julia Klöckner

Also, gesucht und nichts gefunden? Nein, so einfach ist es auch nicht mit den Russen. Sie könnten einfach bewusst auf solche Manipulationen beim deutschen Wahlkampf verzichten, weil diese Versuche ohnehin aussichtslos sind. Die jetzige Kanzlerin, wie auch immer sie unbequem für Russland sein mag, sitzt fest im Sattel und Attacken gegen sie, sollten sie von den deutschen Behörden verhindert und entlarvt werden, würden Russland nur Schaden anrichten. Denn Russland habe ohnehin die deutsche Wirtschaft auf seiner Seite:

Die deutsche Wirtschaft ist der große Markt für Russlands Schlüsselunternehmen. Sie werden doch nicht die Hand, die sie füttert, beißen", sagte Sijbren de Jong, Spezialist für russische Studien vom Zentrum für strategische Forschungen in Den Haag.

Animalistische Vergleiche können Russen nichts mehr antun. Sie dürften sich beim Genuss eines solchen Artikels freuen, dass man bei ihnen neben obligatorischen bösen Absichten wenigstens etwas Realitätssinn vermutet, und etwas gesunden Menschenverstand.   

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Bei so viel Verständnis für die Russen, warum wird dann die Öffentlichkeit doch vor einer russischen Gefahr mit lächerlichen Argumenten eingeschüchtert? Sei es von hohen Beamten wie Thomas de Maizière oder Hans-Georg Maaßen oder einfachen Journalisten, die sich bei Treffen mit Menschen wie Alexei Puschkow nicht blicken lassen.

Puschkow verantwortet im Senat russische Informationspolitik und ist als Fernsehautor und Twitterer einer der wichtigsten Meinungsmacher in Russland. Im heutigen Duktus des Innenministeriums ist er ein Mega-Troll und Hauptgefährder. In Berlin hatte er im Juni zwei Auftritte, nur RT Deutsch berichtete darüber.

Alexej Puschkow tritt am 26. Januar 2015 vor die Parlamentarische Versammlung des Europarates. Dies sei ein sehr seltsames Gremium, weil es auf einem Auge blind und auf einem Ohr taub sei, urteilte Puschkow während des Treffens in Berlin. Seit zwei Jahren nimmt Russland an den Sitzungen nicht teil.

Er ging auf die „Ängste“ der Deutschen und Europäer ein. Es sei schmeichelhaft für Russland, wenn ihm so viel Macht zugeschrieben würde, sagte er. Aber seien Sie enttäuscht: Russland könne auf die EU keinen Einfluss nehmen, selbst wenn man das wolle. Die Krisen, die es in der EU und in Deutschland gibt, seien hausgemacht. Und überhaupt, wozu streiten?

Doch rede nicht mit dem Russen, wie zahlreiche "Russland-Affären" in den USA nahelegen. Rede lieber über ihn. Tut er nichts, denke an ihn. Oder fühle ihn. Gefühle täuschen nicht, so wie bei Maksymilian Czuperski, Direktor des Digital Forensic Research Lab beim Atlantic Council:

Das ist es, was mich beunruhigt", sagte er im Hinblick auf das bisherige Ausbleiben des russischen Treibens. "Warum ist es so still? Es fühlt sich nicht gut an."

Der fehlende Brennstoff, mit dem die Öfen der riesigen transatlantischen Abwehrbranche befeuert werden, kann in der Tat beunruhigen: Eine mögliche Kürzung des Etats fühlt sich nicht gut an.

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