Til Schweiger fordert neue Russlandpolitik: "Sanktionen dienen nur US-Interessen"

Til Schweiger fordert neue Russlandpolitik: "Sanktionen dienen nur US-Interessen"
Der deutsche Schauspieler, Produzent und Drehbuchautor Til Schweiger.
Der prominente deutsche Schauspieler Til Schweiger hat in einem Interview für einen pragmatischen Umgang mit Russland geworben und dabei jüngste Aussagen von FDP-Chef Lindner verteidigt. Die anti-russischen Sanktionen, so Schweiger, dienten nur US-Interessen.

Die entsprechenden Äußerungen machte Schweiger in einem Interview mit der Onlineausgabe der Rheinischen Post. Dort wurde der berühmte deutsche Schauspieler über seine politische Präferenz bezüglich der Bundestagswahlen befragt. Demnach gäbe es die Partei, in der sich Schweiger "total wohlfühlt", nicht. Aber:

Vielleicht wähl' ich die FDP. Christian Lindner ist ein guter Typ. Er hat etwas gesagt, das mir gefallen hat", ergänzt der TV- und Kino-Star.

Eine US-Ehrenformation der Ramstein Luftwaffenbasis erweist fünf im Jemen gefallenen Kamerade die letzte Ehre.

Demnach zeigt sich Schweiger von den jüngsten Äußerungen Lindners angetan, in denen sich der FDP-Spitzenkandidat für einen pragmatischen Umgang mit Russland stark machte und forderte, das umstrittene Thema der Krim zunächst bei der Suche nach einem besseren Verhältnis auszuklammern. Danach gefragt, was ihm an Lindner genau gefalle, erwiderte Schweiger daher:

Seine rationale Haltung in der Russland-Politik. Er sagt, wir müssen die Krim-Frage mal vom Tisch lassen, wenn wir irgendwie mit Russland wieder zusammenkommen wollen. Das gute Verhältnis zu Russland ist in unserem Interesse. Die Sanktionen dienen doch nur den wirtschaftlichen Interessen der USA. Ich fand es gut, dass das mal einer so sagt.

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Sein positives Urteil über die entsprechende Aussage Lindners war denn auch das Thema, auf das sich die deutschen Medien stürzten, ohne dabei jedoch auf den politischen Gehalt der Aussagen des Schauspielers einzugehen. Auch der Reporter stellt im Anschluss an Schweigers Analyse lediglich folgende Aussage in den Raum:

Russland bricht das Völkerrecht.

Sehnsucht nach Rückkehr zur Realpolitik

Nebst der Tatsache, dass diese Feststellung juristisch keineswegs unumstritten in Bezug auf die Krim ist, scheinen zurückliegende Brüche des Völkerrechts in anderem Zusammenhang bisher kein Grund gewesen zu sein, etwa das Verhältnis zu den USA zu überdenken. Wohl auch daher entgegnete Schweiger:

Ja, stimmt. Trotzdem. Donald Trump macht unglaubliche Dinge, und alle reden weiter über die Bedeutung der Beziehungen zu den USA. Lasst uns doch mal wieder Realpolitik mit Russland machen. Es ist doch in unserem Interesse.

Der russische Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz im Jahr 2006.

Doch nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Interessen hat der Tatort-Darsteller bei seinem Wunsch nach einer Wiederannäherung Deutschlands an Russland im Blick. Auch kulturell macht Schweiger eine starke Bande zwischen Moskau und Berlin aus. Dabei spricht der renommierte Schauspieler aus Erfahrung:

Die russische Mentalität ist uns viel näher als die amerikanische. Ich habe in den USA sieben Jahre gelebt, ich weiß, wovon ich rede. In den USA ist viel Show und Oberflächlichkeit. [...] Die Kulturgeschichte, die Fragen von Loyalität und Freundschaft sind in Russland bei vielen stark verankert.

In der Tat kommt der gesellschaftlich engagierte Produzent auch indirekt auf das Völkerrecht zu sprechen, dessen vermeintlicher Bruch durch Russland als Legitimation für allerlei Sanktionen und Verleumdungen herhalten muss. Schweiger kritisiert dabei den Gebrauch von zweierlei Maß:

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Wie viele Kriege hat Russland angezettelt nach dem Zweiten Weltkrieg und wie viele Amerika? Wer hat mehr Militärstützpunkte? Wer ist denn hier der Bully in der Welt? Keiner hat nach Sanktionen gerufen, als die USA im Irak einmarschiert sind und damit den gesamten Nahen Osten destabilisiert haben. America first, und wir haben den ganzen Schlamassel.

Schweiger nimmt Xavier Naidoo in Schutz

Ohne Deutschland namentlich zu erwähnen, kritisiert der Filmemacher die fehlende Eigenständigkeit der Bundesregierung in der Außen- und Sicherheitspolitik und kommt dabei auch auf seinen Freund Xavier Naidoo zu sprechen:

Ich finde es ungerecht, dass die US-Wirtschaft profitiert, weil wir russische Firmen sanktionieren. Und wenn dann einer wie Xavier Naidoo, ein guter Freund von mir, sagt, wir sind fremdregiert, schreien alle auf. [...] Unsere Politik orientiert sich viel zu sehr an den Interessen der USA. Da war Schröder mit seiner Absage an den Irakkrieg eine viel zu seltene Ausnahme. Ich kenne Naidoo seit 20 Jahren. Er ist weder homophob, noch radikal, noch rechtsnational. Er ist nichts davon!

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Was das joviale Verhältnis der Vereinigten Staaten zum Völkerrecht anbelangt, so räumte jüngst auch Raymond Thomas, Leiter des Kommandos für Spezialoperationen der USA, auf einer Fachtagung des Aspen Security Forums ein, dass die US-Spezialeinheiten in Syrien ohne völkerrechtliches Mandat agieren:

Es wird schwer für uns in Hinblick auf das Völkerrecht, ich spreche insbesondere die Anwälte hier im Raum an, länger in Syrien zu bleiben. Wir sind dort lediglich auf Basis unseres Anti-Terror-Mandats. Wir hatten alles Recht, dorthin zu gehen, aber wenn die Russen die Völkerrechtskarte spielen, dann sind wir in einer Situation, in der wir dort bleiben wollen, aber keine rechtliche Möglichkeit haben, dies zu tun", erklärte Thomas.