Religionsparodie "Fliegendes Spaghettimonster" klagt auf Anerkennung in Deutschland

Religionsparodie "Fliegendes Spaghettimonster" klagt auf Anerkennung in Deutschland
Das Fliegende Spaghettimonster, eine in den USA gegründete Religionsparodie, versteht sich als Verteidiger der Evolutionstheorie. In manchen Ländern erlangte die Vereinigung bereits staatliche Anerkennung. In Deutschland will sie diese vor Gericht erstreiten.

Rüdiger Weida, der Vereinsvorsitzende, teilte der Deutschen Welle am Montag mit: 

Wir glauben, dass die Satire-Religion die gleichen Rechte wie andere Religionen haben soll. 

Quelle: Screenshot Lidl-Katalog

Eine Klage zur rechtlichen Gleichstellung erreichte mittlerweile das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das Oberlandesgericht Brandenburg hatte dem Verein im August die einer Religionsgemeinschaft zustehenden Rechte aberkannt. Dem Verein wurde auf Grund dieses Urteils verboten, auf Schildern an Straßen in der Uckermark für Messen zu werben.

Kind des Kulturkampfes im US-amerikanischen Bildungssystem

Das "Fliegende Spaghettimonster" wurde 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson gegründet, um die Evolutionstheorie zu verteidigen. Seine Religionsparodie sollte eine humoristische Gegenbewegung zu den Auffassungen des Kreationismus und des Intelligent Design darstellen, die die Evolutionstheorie entweder als ihren religiösen Vorstellungen widersprechend oder als zu einseitig materialistisch kritisieren.

Die zumeist von streng religiösen Gruppen vertretenen Auffassungen des Kreationismus oder des Intelligent Design werden in den Klassenzimmern mehrerer US-amerikanischer Bundesstaaten neben der Evolutionstheorie unterrichtet. Für deren Anhänger, die sie als einzige Lehre mit wissenschaftlichem Anspruch betrachten, stellt wiederum dies einen Affront dar. Als Persiflage auf die religiöse Vorstellung eines Schöpfergottes kreierte Henderson die Gottheits-Karikatur des Fliegenden Spaghettimonsters. Die Mitglieder der Bewegung bezeichnen sich als "Pastafaris" - eine Wortschöpfung aus Pasta und Rastafari. 

Zertifikat eines Pastafaris: 

Sollte die Gruppierung in Karlsruhe scheitern, will sie sich an den Europäischen Gerichtshof wenden. Im Juni schaffte es ein Anhänger der Religionsparodie aus Arizona, das Recht zu erstreiten, auf seinem Führerscheinfoto ein Küchensieb als Kopfbedeckung zu tragen. Er hatte sich in diesem Zusammenhang auf die Religionsfreiheit berufen.