CDU-Vize-Vorsitzende Julia Klöckner: Hackerangriff auf mein Büro „mit Grüßen aus Russland“

CDU-Vize-Vorsitzende Julia Klöckner: Hackerangriff auf mein Büro „mit Grüßen aus Russland“
Die Vorsitzende der rheinland-pfälzischen CDU, Julia Klöckner
Ohne erkennbare Substanz warnen deutsche Behörden vor einer Einmischung Russlands in die Bundestagswahlen. Nun hätten "russische Hacker" auch die Internetseite der CDU-Politikerin Julia Klöckner heimgesucht. Auf Nachfrage von RT Deutsch wurde zurückgerudert.

Seit der bis zum heutigen Tag unbewiesenen Behauptung einer angeblichen Einmischung russischer Hacker in den zurückliegenden US-Wahlkampf schicken sich auch bundesdeutsche Politiker und Medienvertreter an, die Gefahr einer russischen Einmischung in die Bundestagswahlen an die Wand zu malen. Freilich bislang jeweils nur mit dem selbstreferenziellen Verweis auf die Story von der vermeintlichen Einmischung des Kremls in den US-Wahlkampf.

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Auch bei den französischen Präsidentschaftswahlen soll der Russe seine Fähigkeit, global Wahlen zu seinen Gunsten beeinflussen zu können, auf perfide Weise eingesetzt haben. Dass nicht Putins vermeintliche Favoritin Marine Le Pen, sondern Emmanuel Macron am Ende das Rennen machte, spielt dabei keine Rolle. Dann war Moskau eben dieses Mal einfach nicht geschickt genug - oder hat gar bewusst Macron gewinnen lassen, um den Klassenfeind zu verwirren. Am Ende ist es sowieso egal, was Wladimir Putin bezweckt. Fest steht nur: Die Russen haben es getan und sie werden es wieder tun.

Gescheiterte Landes-Kandidatin als russisches Angriffsziel?

Und was würde da näherliegen, als es einfach mal bei der rheinland-pfälzischen CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner zu versuchen - die erst im Vorjahr eine längst gewonnen geglaubte Landtagswahl gegen eine angeschlagene Amtsinhaberin deutlich verloren hatte. Klöckner konnte es dabei offensichtlich nicht schnell genug gehen, den vermeintlich Schuldigen zu benennen:

Heute massive Hackerangriffe auf meine Homepage – mit Grüßen aus Russland. Ob das mit der Wahl zu tun hat…", schrieb Klöckner auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die gestern noch gleichsam in der Vergessenheit verschwundene Klöckner also mit einem Mal mitten im Visier Moskaus. Eine Räuberpistole, die gut zum aktuell vorherrschenden Narrativ von finsteren Cyber-Horden aus Russland passt. Ein Sprecher des CDU-Landesverbands sagte zum Sachverhalt, dass am 3. September 2017 etwa 3.000 E-Mails bei Klöckner eingingen. Die unbekannten Sender hätten demnach das Ziel verfolgt, Administratorenrechte zu erhalten. Kurz und knapp fügt der Sprecher hinzu, er gehe davon aus, dass die Mails von einem russischen Server aus verschickt wurden. Es sei jedoch unklar, wer verantwortlich für den Angriff sei.

Auf Nachfrage von RT Deutsch, auf welcher Basis die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende dann öffentlich Moskau für den Cyber-Angriff verantwortlich mache, sagte der verantwortliche CDU-Referent für Digitale Kommunikation in Rheinland-Pfalz, dass die E-Mail-Adressen auf .ru endeten. Darüber hinaus gäbe es keine hundertprozentige Sicherheit, dass russische Hacker hinter dem Angriff steckten.

WikiLeaks enthüllte False-Flag-Zentrum der CIA

Wie wahrscheinlich ist es jedoch, dass die mutmaßlich global operierenden und durchtriebenen russischen Hacker, den E-Mail-Account einer deutschen Spitzenpolitikerin hacken und dabei eine digitale Indizienkette hinterlassen, die jedes Schulkind anschließend nach Moskau zurückverfolgen könnte?

Im März veröffentlichte WikiLeaks mehr als 8.000 CIA-Dokumente aus der sogenannten Vault-7-Datenschatzkammer der CIA. Es handelte sich dabei um die bisher größte Datenmenge aller Zeiten, die Aufschluss gibt über Art und Umfang der Cyber-Spionage des US-amerikanischen Nachrichtendienstes. Die Leaks offenbarten, dass die CIA über Möglichkeiten verfügt, Hacker-Angriffe unter falscher Flagge durchzuführen und damit gezielt falsche Fährten zu legen. Die angegriffenen Personen sollen also die bewusst gelegten digitalen Spuren finden, um anschließend mit dem Zeigefinger auf den vermeintlichen Urheber zu zeigen.

Cyberangriffe unter falscher Flagge sind an sich nichts Neues. Was die neuen Enthüllungen anbelangt, erbringt WikiLeaks mit der Veröffentlichung von Vault-7 den Beweis, dass die CIA im Rahmen einer als UMBRAGE bezeichneten Gruppe systematisch Cyberangriffe unter falscher Flagge vorbereitet. Ob sich die um ein Vielfaches besser als die russischen Nachrichtendienste ausgestatteten und finanzierten US-Dienste dabei gezielt die ehemalige deutsche Weinkönigin als Opfer aussuchten, kann bislang nicht beantwortet werden.

BND will Ergebnisse seiner Untersuchung nicht veröffentlichen

Doch der Fisch stinkt auch in diesem Fall vom Kopf her, denn auch die eigentliche Ursache der anti-russischen Hysterie, der vermeintliche Angriff russischer Hacker auf die US-Präsidentschaftswahlen, wurde in der Zwischenzeit von namhaften Spezialisten als Mär entlarvt. So richtete sich unter anderem die Gruppierung Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS) mit einem offenen Brief direkt an US-Präsident Donald Trump. Die Vereinigung ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter wendete sich darin gegen die Vorwürfe, Moskau habe die US-Wahlen durch Hackerangriffe beeinflusst.

Aufgrund der vermeintlich geplanten Desinformationskampagne Russlands zur Bundestagswahl erteilte das Bundeskanzleramt bereits im vergangenen Jahr dem BND den Auftrag, die dahingehenden Spekulationen zu untersuchen. Nach Abschluss der Ermittlungen erklärte der Rechercheverbund aus NDR, WDR und SZ, dass offensichtlich keine entsprechenden Beweise für die Unterstellungen zu Tage gefördert wurden. Entgegen der zu Beginn der Untersuchung erklärten Absicht, deren Ergebnisse zu veröffentlichen, kam der Bundesnachrichtendienst dieser Ankündigung auch bis heute nicht nach.