Sex in deutschen Bordellen künftig "TÜV-geprüft"

Sex in deutschen Bordellen künftig "TÜV-geprüft"
Reeperbahn in Hamburg, Deutschland, 3. März 2006.
Ein TÜV-ähnliches Gütesiegel soll das Leben von Prostituierten verbessern. Kritiker sehen die Idee als unpraktibel. Zu wenige Einrichtungen sind Teil des BSD-Verbands, der die Siegel ausgibt. Eine wirkliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen bleibe aus.

Die Idee für das "Gütesiegel des ethischen Geschlechtsverkehrs" entstammte dem Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD). Dieses soll den Kunden das schlechte Gewissen nehmen und Angestellten die Sicherheit geben, dass sie im Gewerbe nicht ausgebeutet werden. Stephanie Klee vom Verband:

Damit können die Frauen im Prostitutions-Gewerbe seriöse von weniger seriösen Arbeitgebern unterscheiden.

Gegenüber der Nachrichtenplattform Sputnik zog Klee einen Vergleich mit dem TÜV: 

Sie kennen den TÜV, Sie kennen die Sterne aus der Hotel-Branche. Das ist hiermit vergleichbar. Das Gütesiegel sagt durch die Anzahl der Kronen dem Kunden, der Öffentlichkeit und auch den Behörden etwas über die Qualität der Bordelle.

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Im Gütesiegel-System kann ein Bordell, ähnlich wie bei Hotelsternen, sechs Kronen erreichen. Anhand eines Fragenkatalogs wird beispielsweise getestet, wie transparent die Eigentümerschaft des Hauses ist, wie die Hygiene-Standards sind. Der Katalog orientiert sich an den Mindeststandards des Prostitutionsgesetzes vom 1. Juli 2017. 

Michael Beretin, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Erotikgewerbes, kritisiert die Idee hingegen als nicht praktikabel, da sich bislang nur wenige Bordelle an den BSD angeschlossen haben. Die Eigentümer müssen sich im Rahmen der Siegelvergabe dazu verpflichten, sich gegen Gewalt und Zwangsprostitution zu positionieren sowie faire und hygienische Arbeitsbedingungen zu schaffen.