Religionswissenschaftler Michael Blume: Immer mehr Muslime wenden sich von ihrem Glauben ab

Religionswissenschaftler Michael Blume: Immer mehr Muslime wenden sich von ihrem Glauben ab
Mitglieder einer Kölner Gemeinde beim Gebet.
Der Religionswissenschaftler Michael Blume hat beobachtet, dass sich offenbar immer mehr Muslime von ihrem Glauben abwenden, und ein Buch darüber geschrieben. Der Glaube befinde sich ihm zufolge in einer weltweiten Krise. Laut Blume reagiert darauf ein Teil mit Radikalisierung und ein anderer mit der Aufgabe des Glaubens.

„Die Säkularisierung hat den Islam voll erfasst, die meisten Muslime machen ihre Glaubenszweifel aber bislang mit sich alleine aus und reden oft nur mit engsten Vertrauten darüber“, erklärte er dem Evangelischen Pressedienst. Blume führt seine Schlussfolgerungen auf seine Beobachtung zurück, dass nur noch die wenigsten Muslime täglich beten. Weiter führt er an, dass es viele Konvertiten gäbe – etwa zum Christentum oder zum Buddhismus. Seine Rechnung scheint sehr einfach: Die Moscheegemeinden seien meist bildungsfern und konservativ – deshalb wenden sich Gebildete, Frauen und Jugendliche ab.

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Dieser Vorgang ist laut Blume nur deshalb nicht so sichtbar, weil er statistisch verschleiert wird.

In den meisten auch staatlichen Statistiken in Deutschland werden mit Bezug auf den Islam absurde Fehler gemacht.“

Bei Christen sei es leicht messbar: Wer getauft ist und einer Kirche angehört, der wird zu den Gläubigen gezählt. Bei Muslimen zähle man hingegen jeden zu der Gruppe der Gläubigen, der muslimische Eltern hat oder sich selbst so bezeichnet.

Dies erinnert ungut an den türkischen Staat, der auch bei Kindern alevitischer, jesidischer oder nichtreligiöser Eltern ungefragt ‚Islam' im Personalausweis einträgt.“

Der Lösungsvorschlag des Religionswissenschaftlers besteht darin, nur noch diejenigen zu der Gruppe der Muslime zu zählen, die bereit sind, monatliche Abgaben für ihre Religion zu entrichten.

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Wir müssen uns schon fragen, ob der Staat für Leute den Religionsunterricht auf Dauer organisieren und finanzieren soll, die selbst überhaupt keine Beiträge an eine Religionsgemeinschaft leisten.“

Jedoch ist dem anzumerken, dass der deutsche Staat für die Kosten jedes konfessionellen Religionsunterrichts aufkommt. Selbst, wenn es sich bei den Unterrichtenden um Nonnen oder Mönche handelt, bekommen diese ein volles Lehrergehalt ausgezahlt. Diese geben die Gehälter dann den jeweiligen Orden weiter, weshalb manche von staatlicher Subvention der Kirchen sprechen.