Die Rückkehr des Freiherrn: Alte Liebe rostet nicht

Die Rückkehr des Freiherrn: Alte Liebe rostet nicht
Karl-Theodor zu Guttenberg auf einer Wahlkampveranstaltung im fränkischen Kulmbach
Karl-Theodor zu Guttenberg war im Jahr 2011 zurückgetreten, nachdem seine Doktorarbeit als Plagiat entlarvt worden war. Nun kehrt der einstige politische Shootingstar als CSU-Wahlkämpfer zurück. Beobachter halten dies für den Auftakt seines politischen Comebacks.

Sein blaublütiger Name kommt etwas sperrig daher: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg. Doch sein jüngster Wahlkampfauftritt im fränkischen Kulmbach ist geschmeidig wie eh und je. Dutzende Journalisten und begeisterte Zuhörer aus der ganzen Region hatten sich eingefunden, um dem Spektakel beizuwohnen. Mit 1.100 Plätzen ist die angemietete Halle bis auf den letzten Platz besetzt.

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Vor gut sechs Jahren stolperte der damalige Verteidigungsminister über eine in weiten Teilen abgeschriebene Doktorarbeit und musste anschließend aufgrund der Plagiatsaffäre seinen Posten räumen. Danach ging es für ihn ins Exil an die US-Ostküste, um dort einige Jahre Gras über die pikante Affäre wachsen zu lassen. Nun kehrte der bald 46-jährige Guttenberg, wie wohl vielfach erwartet, aus den USA zurück, um in den CSU-Wahlkampf einzusteigen. Und wo ließe sich der Auftakt besser zelebrieren, als in seiner Heimat in Oberfranken?

Bereits seine ersten Sätze lassen Erinnerungen an seinen selbstmitleidigen Abgang nach Bekanntgabe seines Rücktritts wach werden:

Ich habe alle Konsequenzen ertragen“, so der Ex-Wirtschaftsminister, Außen- und Verteidigungsminister.

Die Worte lassen vermuten, dass da jemand ein unverschuldetes Martyrium auf sich nahm, um nun wie Phönix aus der Asche wiederaufzuerstehen. Der Baron hat sich trotz des Leids nicht kleinkriegen lassen, ist die Botschaft:

Aber ich darf auch nach so langer Zeit für mich sagen: Jetzt ist auch mal irgendwann gut“, ergänzt Guttenberg.

"Jetzt" und "irgendwann" treffen bei Guttenberg, gleich einer Krümmung der Raum-Zeit-Achse, unmittelbar aufeinander. Doch auch den notwendigen Schuss Reumütigkeit lässt Medienprofi Guttenberg nicht vermissen. Ohne die Ursache selbst zu benennen, spricht er von einem „absolut selbst verursachten“ Fehler, den er begangen habe, um ebenfalls „Spott und Häme“ zu erwähnen, die er zu erdulden gehabt habe. Die Zuschauer jubeln. Sie wollen die Rückkehr ihres „KT“ in der Tat lieber jetzt als irgendwann feiern:

KT für Bayern und Berlin“, prangt auf einem der Transparente die von den begeisterten Guttenberg-Fans in die Höhe gehalten werden.

Damit ist denn auch gleich die Stoßrichtung des Comebacks auf den Punkt gebracht. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid für das Nachrichtenmagazin Focus, wünschen sich eine Mehrheit der Wähler von CDU, CSU, FDP und AfD eine baldige Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg in die deutsche Politik. Demnach sind 54 Prozent der Unionsanhänger für ein Comeback des 2011 nach der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurückgetretenen Verteidigungsministers. Unter den FDP-Anhängern sind es sogar 58 Prozent, unter den AfD-Anhängern 52 Prozent.

Guttenberg dankt folglich auch allen, die ihm in der einen oder anderen "dunklen" Stunde "Zuspruch und Aufmunterung" gaben. In Jeans, offenem weißem Hemd und blauer Leinenjacke muss das für viele der verzückten Zuhörer wie ein Versprechen an eine bereits verloren geglaubte Zukunft geklungen haben. 75 Minuten nimmt sich Guttenberg Zeit, um in freier Rede sich und seine Ansichten zum Weltgeschehen zu präsentieren:

Die Bundestagswahl in Zeiten einer Welt im Umbruch“, lautet das Motto seiner Ausführungen, die er weltmännisch unter das dankbare Volk bringt.

Es muss schon die ganz große Politik sein. Ganz großes Guttenberg-Kino eben. Seine Thesen sind schnell zusammengefasst: Deutschlands Rolle muss international gestärkt, die EU vor Spaltung bewahrt und über eine EU-Verteidigungsarmee nachgedacht werden. Seiner Ansicht nach sollte China ernster genommen und der Kontakt zum großen Nachbarn aus Übersee gehalten oder gesucht werden. In Bezug auf den großen östlichen Nachbarn mahnt der nach wie vor eloquente Redner, dass Russland nicht in eine Ecke gestellt werden sollte.

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Die Zuschauer hängen ihrem "Gutti" wie eh und je an den Lippen. Welcher politische Beobachter hätte ohnehin ernsthaft daran gezweifelt, dass er, wie an diesem spätsommerlichen Abend, früher oder später wieder die politische Bühne suchen würde?

Im Festsaal gehört auch der eine oder andere Kalauer selbstverständlich zum Guttenberg-Repertoir, auch wenn die Jokes alles andere als neu sind:

Wie dreht Trump eine Glühbirne ein? Stellt sich auf den Stuhl, hält die Birne fest und wartet, dass sich die Welt um ihn dreht.

Auch für Altbundeskanzler Gerhard Schröder hält er eine Abreibung bereit:

Alte Liebe rosneft nicht“, witzelt Guttenberg.

Das erbauliche Wortspiel wurde jedoch nicht von Guttenberg selbst verfasst. Bereits am 17. August trug das FAZ-Titelbild dieselbe Überschrift: „Alte Liebe rosneft nicht“. Sebastian Reuter von der FAZ-Onlineausgabe kann es sich denn auch nicht verkneifen, auf diesen Hinweis aufmerksam zu machen:

Einmal Plagiator, immer Plagiator“, twitterte der Journalist.

Doch das spielt bei diesem fränkischen Guttenberg-Heimspiel, bei dem der Baron endlich wieder direkte Tuchfühlung mit dem Bürger aufnehmen darf, keine Rolle:

Er kann reden wie Franz-Josef Strauß“, zeigt sich eine ältere Dame begeistert.

Dies dürfte dem sich betont volksnah und bodenständig gebenden Guttenberg gut gefallen haben. Viele der Anwesenden nutzen konsequent das „Du“ als Anrede, bevor die Anfrage zum Selfie von Guttenberg akzeptiert wird. Ein 23-jähriger zeigt sich begeistert:

Sehr guter Inhalt. Wäre großartig, wenn er sich eines Tages entscheiden würde zurückzukommen, egal ob nach München oder Berlin. Ich bin gespannt, wie es bei ihm weitergeht.  

Eine andere Anhängerin fordert, dass Guttenberg „auf jeden Fall“ in die Politik zurückkehren solle. Um ein erstes Gefühl für seine Optionen zu erhalten, verlief der Abend optimal.

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Zumindest CSU-Chef Horst Seehofer macht kein Geheimnis daraus, dass er sich eine Rückkehr von Guttenberg in die Politik wünscht. Auch Bundeskanzlerin Merkel begrüßt das Comeback des einstigen Hoffnungsträgers der Union – vorerst als Wahlkämpfer:

Ich freue mich, dass Karl-Theodor zu Guttenberg im Bundestagswahlkampf einiger Veranstaltungen macht“ und ergänzte, dass sie mit ihm in „gutem Kontakt“ stehe.

Mit einer Reihe von Wahlkampfauftritten für die CSU läutet Guttenberg auch sein eigenes politisches Comeback nun ein. Am 4. September wird Guttenberg für die CSU beim Gillamoos-Volksfest eine Rede halten. Die Stimmung dürfte auch im dortigen Bierzelt überschäumen. Am 11. September ist dann ein Auftritt in Moosburg geplant.