Immer mehr Menschen mit Nebenjob – Zahl hat sich seit Hartz-Reformen verdoppelt

Immer mehr Menschen mit Nebenjob – Zahl hat sich seit Hartz-Reformen verdoppelt
Die Armutsquote in Deutschland ist auf Rekordniveau gestiegen. Rund 15,7 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte auskommen. In Berlin sind es sogar 22,4 Prozent. Die soziale Schere geht weiter auseinander.
Immer mehr Menschen in Deutschland gehen zusätzlich zu ihrem Hauptberuf einem Nebenjob oder einer geringfügigen Beschäftigung nach. Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit waren dies im Dezember 2016 insgesamt fast 2,7 Millionen Arbeitnehmer.

Mehr als die Hälfte der angestellten Nebenjobber übt den Minijob zusätzlich zur Vollzeitbeschäftigung aus. In den vergangenen Jahren habe es einen starken Anstieg bei Nebenjobbern gegeben, sagt der Forscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB):

Seit den Hartz-Reformen hat sich die Zahl mehr als verdoppelt", sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur. Noch im Jahre 2003 gingen lediglich 1,2 Millionen Menschen im Nebenberuf einem Minijob nach.

Vor allem Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Verdienst im Hauptjob hätten einen zusätzlichen Minijob, meint der Forscher. Doch nicht immer sei die finanzielle Not der Grund. Viele empfänden die geringen Abgaben auch als praktisch, denn "brutto ist wie netto".

Geringfügige Nebenbeschäftigungen auf 450-Euro-Basis wurden durch die Hartz-Reformen begünstigt: Minijobber zahlen mit Ausnahme der Rentenversicherung keine Sozialabgaben - von der Rentenversicherung kann man sich allerdings befreien lassen - "und das tun auch die meisten", sagt Weber. Was heute aus finanzieller Sicht hilfreich sei, könne für die Zukunft allerdings kritisch sein, meint er. Bei der Rente könne es dann ein böses Erwachen geben.

Die meisten Nebenjobs gibt es im Einzelhandel und Gastgewerbe, in anderen wirtschaftlichen Dienstleistungen und im Gesundheits- und Sozialwesen. Ihre Hauptjobs haben die Nebenjobber zum Teil in den gleichen Branchen. Am häufigsten arbeiten sie laut der Analyse jedoch hauptberuflich im verarbeitenden Gewerbe.

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(rt deutsch/dpa)