Flügelkämpfe bei den Grünen: "Trittin wird in Koalitionsverhandlungen keine Rolle spielen"

Flügelkämpfe bei den Grünen: "Trittin wird in Koalitionsverhandlungen keine Rolle spielen"
Katrin Göring-Eckardt wird ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Parteikollegen Jürgen Trittin nachgesagt.
Kurz vor den Bundestagswahlen ließ sich Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt zu einer brenzligen Äußerung hinreißen: Alt-Umweltminister Trittin werde in möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Wahl keine Rolle spielen. Die Partei ist irritiert und verliert weiter in Umfragen an Zustimmung.

Es ist eine Beziehungskiste mit Geschichte. Schon des Öfteren hatte sich Göring-Eckardt, die Grünen-Spitzenkandidatin, Einmischungen des ehemaligen Bundesumweltminister Trittin verbeten. Doch das nächste Kapitel zu den internen Reibereien zwischen den beiden Spitzenpolitikern der Grünen erscheint zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. In knapp einem Monat sind Bundestagswahlen und Göring-Eckardt irritiert ihre Partei mit einer überraschend klaren Ansage:

Herr Trittin wird in möglichen Koalitionsverhandlungen keine Rolle spielen", so Göring-Eckardt gegenüber der Rheinischen Post.

Die Aussage sorgt für Irritationen in der Partei. Wie die taz schreibt, interpretieren manche im linksgrünen Flügel den "Ordre du mufti"-Erlass gegen Trittin als Foulspiel. Der erfahrene Trittin, der sich zuletzt vermehrt auf die Außenpolitik konzentrierte, ist, wie die taz weiterschreibt, medial bis heute präsent und gilt als großer Skeptiker, wenn es um Koalitionen mit CDU, CSU oder FDP geht.

Doch vermutlich steht er mit dieser Position in der Partei nicht alleine da. Der gesamte linke Flügel der Grünen sieht eine eventuelle Jamaika-Koalition nach der Wahl eher kritisch. Laut der taz stufte eine Abgeordnete die Äußerung von Göring-Eckardt als eine ziemlich bescheuerte Nummer ein, denn:

Das spaltet ja weiter.

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Dieses Vorgehen passt auch nicht zu der üblichen Entscheidungskultur der Grünen, in der partizipative Elemente großgeschrieben werden. Alleingänge sind in der Regel verpönt. In 2013 hatte der Bundesvorstand ein vierköpfiges Team aus den damaligen Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt und den Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir vorgeschlagen, welches Koalitionen sondieren sollte. Auch mit der CDU hat man damals gesprochen. Doch offenbar war Trittin einer der Gründe, warum diese Option am Ende scheiterte.

Zumindest in der Partei wird beim Thema Trittin jetzt zurückgerudert. Der politische Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte gegenüber der taz:

Ich feiere am 24. September, wenn wir dritte Kraft werden. Bis dahin kämpfen wir für echten Klimaschutz, gelingende Integration und mehr Gerechtigkeit.

Und er ergänzte:

Wer genau in möglichen Verhandlungsrunden dann dabei sein wird, das legen wir fest, wenn es soweit ist.

Die letzten aktuellen Umfrage zur Bundestagswahl sehen die Grünen bei knapp sieben Prozent. Das ist gefährlich nahe am parlamentarischen Aus:

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